Neuer Mieter im Pfarrhaus Mühlrüti

Die Seelsorgeeinheit Unteres Toggenburg hat mit dem Priester Marjan Marku Verstärkung erhalten. Seit letzter Woche wohnt er im Pfarrhaus in Mühlrüti. Er hat seine Arbeit für die Gemeinden Bütschwil, Ganterschwil, Lütisburg und Mosnang am 1. September aufgenommen.

Christiana Sutter
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MÜHLRÜTI. «Ein paar Räume im Pfarrhaus wurden renoviert, aber es fehlt noch an Mobiliar, Geschirr und Inventar», sagt der 49jährige kosovo-albanische Priester Marjan Marku über sein neues Zuhause im Pfarrhaus in Mühlrüti. Dort wohnt er seit letzter Woche, seit dem Antritt seiner neuen Stelle als mitarbeitender Priester der Seelsorgeeinheit Unteres Toggenburg. «Ich möchte ein Teil der Kirchgemeinde sein und, weil das Pfarrhaus in Mühlrüti frei war, ist dieser Wohnort dafür perfekt. So bin ich auch nah bei der Bevölkerung», sagt er.

Für ihn ist das Priestertum ein Dienst an Gott für die Menschen. «Das Leben ist ein Weg, für uns Christen ein gemeinsamer. Ich freue mich, diesen Weg mit den Menschen hier in der Seelsorgeeinheit Unteres Toggenburg zu gehen.» Er habe 24 Jahre Erfahrung, die er in die Arbeit einbringen kann und möchte.

Priester aus Berufung

Aufgewachsen ist Marjan Marku in Binçë, in einer ländlichen Gegend im Kosovo, zusammen mit zwei älteren Brüdern. «Meine Mutter ist an meinem vierzigsten Geburtstag gestorben und mein Vater nur gerade vier Monate später», sagt Marjan Marku und richtet seinen Blick in die Weite, als ob er das Bild seiner Eltern gerade vor sich hätte.

Nach dem Besuch der Grundschule, absolvierte er das klassische Gymnasium in Subotica. «Schon in der Grundschule war für mich klar, dass ich Priester werden möchte. Das hat mit meiner Herkunft zu tun», erzählt er weiter. Er sei in einer sehr religiösen Familie aufgewachsen. Jeden Abend wurde der Rosenkranz gebetet und am Sonntag besuchte die Familie die heilige Messe. «Meine Brüder und ich haben sehr oft Priester gespielt», erzählt Marjan Marku und fügt an: «Der Glaube war immer Mittelpunkt in unserer Familie.» Er erzählt, dass in einem Nachbardorf und dem Dorf, in dem er aufgewachsen ist, viele Männer aus Berufung Priester werden. «Das hat einen geschichtlichen Hintergrund. Im Jahr 1846, vor vier Generationen, wurden 200 Menschen aus diesen beiden Dörfern ins osmanische Reich nach Anatolien verschleppt. Der Grund dafür war, dass diese Menschen nicht Muslime werden wollten», sagt Marjan Marku. Zwei Jahre später seien nur noch 80 Menschen zurückgekehrt. Die übrigen 120 seien als Märtyrer angesehen worden und der Vorfall habe die Menschen in den Dörfern im Festhalten an ihrem Glauben noch bestärkt. Das trage dazu bei, dass sich noch heute viele Männer berufen fühlen, Priester zu werden. So auch Marjan Marku, der nach dem Gymnasium in Sarajevo Theologie studierte. Nach Abschluss des Studiums 1988 wurde er in Prizren zum Priester geweiht. «Meine erste Stelle hatte ich in Novosellë als Kaplan». Von 1993 bis 1998 war er albanischer Seelsorger in Wien. Dort schrieb er seine Magisterarbeit.

Albanische Mission

«1999 bin ich das erste Mal in die Schweiz gekommen, ins luzernische Littau. Dort baute ich die albanische Mission auf», erzählt Marjan Marku. In der Schweiz leben 200 000 Albaner, davon sind 20 000 Christen. «Die Institution <Migratio> der Bischofskonferenz Schweiz, hat mit finanziellen Mitteln den Aufbau der albanischen Mission in der Schweiz gefördert», sagt Marjan Marku. 2003 habe er in diesem Zusammenhang nach Sirnach gewechselt, um die albanischen Christen für die Kantone Thurgau, Zürich und St. Gallen zu betreuen. «Heute gibt es drei Standorte für die albanischen Christen. Luzern, Aarau und Sirnach.» Im Kosovo befänden sich noch weitere 40 000 Christen. Die meisten Kosovaren seien aber Muslime. Mit seiner Priesterweihe hat er der katholischen Kirche den Gehorsam versprochen. Daher ist er 2009 ihrem Ruf aus dem Kosovo gefolgt, um dort als Pfarrer zu dienen. Ein wichtiger Grund, dass er in die Schweiz zurückgekehrt ist, sei der Mangel an katholischen Priestern in der Schweiz. «Im Kosovo, in der Region, wo ich her komme, gibt es für 23 Pfarreien 40 Priester.»

Da er die Schweiz und das katholische System bereits kenne, sei es für ihn ein Wunsch gewesen, in die Schweiz zurückzukehren und in einem Team zu arbeiten.

Familie in der Schweiz

Er habe auch vier Neffen hier in der Nähe, sagt er. «Je zwei Söhne von meinem Bruder wohnen im Kanton Thurgau und Kanton St. Gallen.» Auch kann er in der Schweiz seinen Hobbies nachgehen. Marjan Marku fährt Ski, spielt Fussball und wandert gerne.

An der neuen Stelle schätze er, dass er in einem Team arbeiten kann. Unterstützt werde er auch durch Bischof Markus Büchel, den er bereits kannte, als jener noch Bischofsvikar war. Letzte Woche besuchte Marjan Marku einen Einführungskurs in St. Gallen, der ihm den Einstieg in die Seelsorgetätigkeit erleichtert.

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