Neuer Lehrplan ab Schuljahr 17/18

Ausserrhoden führt als erster Kanton in der Ostschweiz den Lehrplan 21 ein. «Eine Revolution des Schulwesens stellt dieser nicht dar», sagt der abtretende Bildungsdirektor Rolf Degen. Doch er erleichtere die Mobilität von Familien.

Roger Fuchs
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Im neuen Lehrplan 21 werden nicht mehr einzelne Ziele, sondern Kompetenzen beschrieben, die erreicht werden müssen. (Bild: ky/Christian Beutler)

Im neuen Lehrplan 21 werden nicht mehr einzelne Ziele, sondern Kompetenzen beschrieben, die erreicht werden müssen. (Bild: ky/Christian Beutler)

HERISAU. In Abständen von 10 bis 15 Jahren hat sich der Lehrplan in Appenzell Ausserrhoden seit 1942 laufend verändert. Beinhaltete der früheste Lehrplan noch Jahresstoffpläne ohne die Nennung von Zielen, so kamen im Verlauf der Zeit zumindest «Minimalziele» hinzu. Stets blieb aber die Beschreibung der Inhalte im Zentrum. Mit dem Lehrplan 21 kommt es zu folgender Änderung: Die Ziele in den einzelnen Fachbereichen werden fortan in Form von Kompetenzen beschrieben. «Es geht also nicht mehr nur darum, dass man beispielsweise das Prozentrechnen beherrscht», sagte Walter Klauser, Leiter des Ausserrhoder Amts für Volksschule, an der gestrigen Medienorientierung. Die Schülerinnen und Schüler müssten auch wissen, wo, wie und wann das Prozentrechnen angewendet werden könne.

Mobilität erleichtern

Wie Bildungsdirektor Rolf Degen ausführte, basiert der neue Lehrplan auf dem im 2006 angenommenen Bildungsartikel in der Verfassung. Damit seien die Kantone zu einer Harmonisierung des Schulwesens verpflichtet worden. Degen sieht im neuen Lehrplan, der auf das Schuljahr 17/18 eingeführt wird, keine Revolution des Schulwesens. Dass im Schulalltag nicht mehr nur das Wissen, sondern auch das Können im Fokus stehe, würde schon längstens praktiziert. Einer der Vorteile des einheitlichen Lehrplans 21 sei es aber, dass es dadurch für Familien mit schulpflichtigen Kindern einfacher würde, von einem Kanton in einen anderen zu ziehen. Auch verbessere der Lehrplan 21 die Chancengleichheit und stelle den Anschluss ans Berufsbildungssystem sicher.

Alles in allem werden die Schülerinnen und Schüler mit dem neuen Lehrplan exakt gleich viele Schulstunden haben wie bisher. Dies geht aus der entsprechenden Stundentafel hervor. Bei der Verteilung der Stunden auf die einzelnen Fachbereiche ergeben sich allerdings minime Verschiebungen. So wird der Fachbereich «Gestalten» auf Kosten des Fachbereichs «Natur, Mensch, Gesellschaft» um zwei Stunden reduziert.

Mehr Gewicht bekommt aufgrund gesellschaftlicher Entwicklungen der Fachbereich «Medien und Informatik». Bislang tauchte im Lehrplan diesbezüglich nur das Tastaturschreiben auf.

Mehrkosten für Einführung

Die unveränderte Anzahl Schulstunden haben laut Klauser und Degen zur Folge, dass der Lehrplan 21 ohne zusätzliche, wiederkehrende Kosten umgesetzt werden kann. Mehrkosten generieren würden allerdings die Einführung des Lehrplans und die dazu nötigen Weiterbildungen für Schulbehörden, Schulleitungen und Lehrpersonen. Der Kanton rechnet mit 0,5 Millionen Franken Kosten, verteilt auf fünf Jahre. «Diese Aufwendungen können aus den ordentlichen Mitteln finanziert werden, und es ist kein Nachtragskredit notwendig», so Rolf Degen. Zusammengefasst gibt sich Degen, der Ende Mai abtritt, überzeugt: «Der neue Lehrplan ist ein taugliches Instrument.»

Rolf Degen Bildungsdirektor, nach zwölf Jahren tritt er Ende Mai ab. (Bild: rf)

Rolf Degen Bildungsdirektor, nach zwölf Jahren tritt er Ende Mai ab. (Bild: rf)

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