Neuer Chor erstmals in Appenzell

Die neu gegründete Chorvereinigung stellt sich unter der Leitung von Roman Walker in der «Ziegelhütte» mit Rossinis «Petite Messe solennelle» vor. Sie bietet vor ausverkauftem Haus eine prächtige Leistung.

Ferdinand Ortner
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Dirigent, Chor, Gesangssolisten und Instrumentalisten konnten sich über ein erfolgreiches Konzertdébut freuen. (Bild: fo)

Dirigent, Chor, Gesangssolisten und Instrumentalisten konnten sich über ein erfolgreiches Konzertdébut freuen. (Bild: fo)

APPENZELL. Das Gastspiel des Konzertchors Ostschweiz in der voll besetzten Kunsthalle Ziegelhütte war ein besonderer Anlass romantischer italienischer Belcanto-Kultur. Die 2014 aus dem Kammerchor Oberthurgau hervorgegangene neue Ostschweizer Chorvereinigung gab im voll besetzten Haus mit einer ambitionierten Aufführung der delikaten «Petite Messe solennelle» von Gioachino Rossini (1792– 1868) ein gelungenes Début. Damit startete der Chor erfolgreich seine musikalischen Intentionen, in der Region vom Bodensee bis zum Säntis anspruchsvolle Chorwerke aus verschiedenen Epochen aufzuführen.

Klangvolle sakrale Barockmusik

Rossinis melodiöse Messe – in ihren Ausmassen keineswegs «petite» und vom Komponisten ironisch als seine letzte «altersbedingte Todsünde» bezeichnet – bot eine Fülle klangvoller Arien und expressiver Chorsätze mit teils opernhaftem Melos. Kunstvolle Chor-Fugen im «Gloria» und im «Credo» zeugten auch davon, dass der berühmte Opernkomponist die Kunst des Kontrapunktes virtuos beherrschte. Die Partitur des populären Werkes versprühte durch die ungewöhnliche Besetzung mit Chor und vier Solostimmen sowie der instrumentalen Fassung mit Klavier und Harmonium gewissen Charme und Exklusivität. Der souveräne Dirigent Roman Walker gestaltete mit dem rund sechzig Mitglieder starken gemischten Chor, den professionellen Schweizer Gesangssolisten Laetitia Scherrer (Sopran), Bettina Weder (Alt), Simon Witzig (Tenor) und Bernhard Pichler (Bass) sowie den Instrumentalisten Yvonne Lang (Klavier) und Raphael Holenstein (Harmonium) ein Fest barocken Wohlklangs.

Es war erstaunlich, wie die vielen Mitwirkenden – auf dem relativ kleinen Konzertpodium der Ziegelhütte aufgereiht – Platz fanden und dass dennoch dank der guten Raumakustik ein passabler Gesamtklang erzielt wurde. Dem Chor gilt ein Lob.

Im eineinhalbstündigen Sakralwerk – ganz in der Tradition des italienischen Belcanto komponiert – überwogen die Arien, eingeleitet und begleitet von der Pianistin Yvonne Lang und am Harmonium von Raphael Holenstein. Diese beiden Musiker sorgten auch für die transparente Chorbegleitung.

In der Tradition des Belcanto

Auf das andachtsvolle «Kyrie» folgten ein farbiges «Gloria» und ein bewegendes «Credo». Hier vor allem konnten sich die Solisten bei Arien, Duetten, Terzetten und im Quartett gut profilieren. Der Chor bewies bei den schwierigen Fugen «Cum Sancto Spiritu» und «Et vitam venturi» Qualität. Beeindruckend waren das Tenor-Solo «Domine Deus» und das Bass-Solo «Quoniam tu solus Sanctus». Zum «Offertorium» spielte die Pianistin ein schlichtes «Prélude religieux» von Rossini, während beim «Sanctus» Quartett und Chor Hosianna-Jubel verbreiteten. Sehr eindrucksvoll dann die hymnische Sopran-Arie «O salutaris hostia» und berührend das Alt-Solo im «Agnus Dei». Die prächtige Leistung wurde durch lang andauernden Beifall belohnt.

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