Neue Zahlen zeigen: Ausserrhoden wächst nicht überall

Bühler konnte 2019 die grösste Zunahme der Einwohnerzahl verzeichnen. In Waldstatt gab es ein dickes Minus.

Astrid Zysset und Janine Bollhalder
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Die Gemeinde Bühler konnte mit drei Prozent den grössten Zuwachs in Ausserrhoden verzeichnen.

Die Gemeinde Bühler konnte mit drei Prozent den grössten Zuwachs in Ausserrhoden verzeichnen.

Emanuel Per Freudiger

Die neusten Einwohnerzahlen von Appenzell Ausserrhoden liegen vor. Und diese belegen einen Zuwachs. Ende 2019 wurden 168 Personen mehr gezählt als noch 2018. Neu weist die Ausserrhoder Bevölkerung gemäss Statistik 55477 Personen auf.

Damit setzt sich ein langjähriger Trend fort: 2010 waren 53316 Personen im Kanton wohnhaft, 20 Jahre zuvor, 1990, wurden lediglich 52229 gezählt. Am meisten zugelegt haben im vergangenen Jahr die drei Gemeinden Bühler, Hundwil und Reute. Waldstatt, Stein und Schwellbrunn mussten ein Minus hinnehmen.

Zunahme erfreut die Gemeindepräsidenten

«Qualitatives Wachstum finde ich gut», sagt der Bühlerer Gemeindevizepräsident Josef Neff. «Das braucht es für die Entwicklung einer Gemeinde.» Auf die Frage, was «seine» Gemeinde so besonders macht, meint Neff:

«Wir liegen am Rand von zwei ‹teuren› Gemeinden. Wir sind gut erschlossen, wir haben gute Schulen – die Infrastruktur ist gut.»

Das bestätige die Zunahme von 3 Prozent respektive 54 Einwohnern im vergangenen Jahr. Die Gemeinde Bühler zeigt seit 2015 keinen Rückgang der Einwohnerzahlen mehr in der Statistik. «Es gibt aber noch Potenzial: An der Hauptstrasse stehen Häuser, die saniert werden könnten. Dann liesse sich der momentane Stand der Einwohnerzahl halten», sagt Neff. Das Einzige, was er zu bedenken gibt:

Margrit Müller-Schoch, Gemeindepräsidentin von Hundwil

Margrit Müller-Schoch, Gemeindepräsidentin von Hundwil

PD
«Wir sind nicht gerade die steuergünstigste Gemeinde.»

Auch die Gemeindepräsidentin Hundwils, Margrit Müller, freut sich über einen Zuwachs von 2,2 Prozent respektive 21 Personen. Besonders, da die Gemeinde in den letzten Jahren Abnahmen verbuchen musste. «Das Ziel ist aber ein sanftes Wachstum», sagt Müller.

1000 Einwohner wären schön.

«Wir arbeiten an der Raumplanung und hoffen, bald bauen zu können.» Die Gemeindepräsidentin betont aber auch, dass es manchmal schlichtweg Zufall ist, ob man eine Zunahme der Einwohnerzahlen erzielen kann oder nicht. «Kinder etwa haben einen Einfluss.» Hundwil sei auch sehr familiär und ländlich. «Die Erschliessung ist ebenfalls nicht schlecht», sagt Müller. Und: «Wir haben eine tiefe Steuerkraft. Da ist Wachstum wichtig.»

Es soll kein dauerhaftes Minus werden

Am meisten Personen sind in Waldstatt (-3 Prozent) weggezogen. Gemeindepräsident Andreas Gantenbein sieht den Grund unter anderem darin, dass das Mehrfamilienhaus beim Bahnübergang Richtung Urnäsch geräumt werden musste. Demnächst wird es abgerissen.

Andreas Gantenbein, Gemeindepräsident von Waldstatt

Andreas Gantenbein, Gemeindepräsident von Waldstatt

PD

Zudem seien viele jüngere Bewohnerinnen und Bewohner weggezogen, da geeigneter Wohnraum fehlte. Gantenbein sagt:

«Ich bin aber optimistisch, dass wir bereits im nächsten Jahr wieder einen Zuwachs verzeichnen werden.»

Die Arbeiten an der Ortsplanung seien im Gange. Ideen, wie Waldstatt wieder attraktiv für jüngere Personen werden soll, bestünden, so der Gemeindepräsident weiter. Spruchreif sei jedoch noch nichts. Was aber bereits Formen annimmt, ist die Überbauung Ochsenwies. Diese bietet Eigentumswohnungen im oberen Preissegment an.

Auch Stein musste ein Schwinden der Bevölkerung hinnehmen. 39 Personen respektive ein Wegfall von 2,7 Prozent wurde in der Hinterländer Gemeinde Ende vergangenen Jahres im Vergleich zu 2018 verzeichnet. Gemäss Gemeindeschreiber Fabian Hüni sei dies auf eine überdurchschnittlich hohe Todesrate wie auch auf eine niedrigere Geburtenrate zurückzuführen. Er sagt:

«Damit lässt sich ein Minus von rund 20 Personen erklären»

Die andere Hälfte ergab sich durch Wegzüge. In den vergangenen Jahren hatte Stein bei den Einwohnerzahlen kontinuierlich zugelegt. Die gegenteilige Entwicklung 2019 kommt für die Gemeinde doch eher überraschend, wie Hüni zugibt. Aber es soll keine dauerhafte Entwicklung werden. Die Bauarbeiten für die Wohnüberbauungen Schützengarten-Löwen wie auch für die Alterswohnungen im Paradiesli haben begonnen. Der zusätzliche Wohnraum sollte sich dann in der Einwohnerstatistik niederschlagen.