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Reformierte Landeskirche AR/AI soll neue Verfassung bekommen

Die evangelisch-reformierte Landeskirche beider Appenzell startet den Reformprozess der Kirchenverfassung. Nebst Struktur-, Finanz- und Personalfragen drängen sich Reformgedanken zum Gottesdienst auf.
Karin Steffen
Am Anlass im evangelischen Kirchgemeindehaus in Herisau nahmen rund 60 Personen teil. (Bild: PD)

Am Anlass im evangelischen Kirchgemeindehaus in Herisau nahmen rund 60 Personen teil. (Bild: PD)

«Wenn alles rund läuft, hat unsere Landeskirche in drei Jahren eine neue, taufrische Verfassung», eröffnete Kirchenratspräsident Koni Bruderer die Kick-off-Veranstaltung zur Verfassungsrevision der Landeskirche AR/AI kürzlich im Kirchgemeindehaus in Herisau. Obwohl die bestehende Verfassung noch keine 20 Jahre alt ist, drängt sich eine Revision auf. Gemäss Bruderer widersprechen sich die Texte heute teilweise, sind unklar oder definieren, wo es nicht nötig ist. Ziel sei es, mit einer umfassenden Revision, die Landeskirche gut für die Zukunft aufzustellen und sich nicht in einem Flickwerk zu einzelnen Themen zu verlieren, sagte Bruderer.

Dringend zu klären sind die Fragen zu den Strukturen. Analog zur politischen Kantonsverfassung schreibt auch die Verfassung der Landeskirche die Anzahl der Kirchgemeinden vor. Heute sind es deren 20. Einzelne Kirchgemeinden erreichen jedoch bereits eine kritische Minimal-Grösse, mit der die Aufrechterhaltung des kirchlichen Lebens schwierig wird. Ausserdem erstreckt sich das Gebiet der Landeskirche über zwei Kantone. «Zwei recht verschiedene Kantone», wie Bruderer festhält. Diese Situation sei unbefriedigend und deshalb müssten auch hier Lösungen gefunden werden.

Unklare Gesetzgebung

Finanz- und Personalfragen gehören zu den Themen, die bei der Revision Anlass zu ausgiebigen Diskussionen geben werden, zeigte sich Bruderer überzeugt. Es bestehe ein grosses Gefälle zwischen den Kirchgemeinden mit dem niedrigsten und dem höchsten Steuerfuss. «Das kennen wir auf Bundesebene, auf Kantonsebene und eben auch auf Kirchenebene: Die Solidarität zwischen Geber- und Nehmergemeinden ist nicht mehr einfach gegeben», wusste Bruderer. Und Kirchenratsschreiberin Jacqueline Bruderer wies auf die unklare Gesetzgebung betreffend Personal hin. Heute werden die Pfarrpersonen von den Kirchgemeindemitgliedern gewählt und von der Kirchenvorsteherschaft eingestellt. Komme es jedoch zu einer Entlassung, habe das Volk nichts zu sagen, bemängelte sie.

Die Gottesdienste werden immer noch als Herzstück der Kirche angesehen. Dass in vielen Kirchgemeinden nicht jeden Sonntag Gottesdienst gefeiert wird, widerspricht der heutigen Verfassung. Es gehe nicht, dass die Praxis über eine längere Zeit von der Verfassung abweiche, sagte Konrad Bruderer. Neue und alternative Gottesdienst-Formen sollen mit einer neuen Verfassung möglich werden. Über die Bedeutung der Gottesdienste für die reformierte Kirche referierte Pfarrer Rudolf Gebhard, Reformierte Kirche Aargau. Er plädierte für verlässliche Gewohnheiten und unterstrich den Charme des Feierns in kleiner Schar.

Sein Vortrag löste unter den gut 60 Anwesenden eine kontroverse Diskussion aus. Kirchenrätin Regula Gamp Syring sah in seinem Plädoyer einen würdigen Auftakt in den Reformprozess der Kirchenverfassung. Organist und Chordirigent Christoph Wüthrich animierte zum Singen unbekannter aber einfacher Kirchenlieder, die schnell mehrstimmig gesungen werden können.

Fahrplan des Reformprozesses

Der Kirchenratspräsident erläuterte den Reformprozess bis zur Inkraftsetzung am 1. Januar 2022. Ende März und Ende Mai 2019 finden zwei ganztägige Konsultationen mit Mitgliedern aus den Kirchgemeinden statt. Wünschenswert seien drei bis fünf Mitglieder pro Kirchgemeinde. Aus diesen, im besten Fall 100 Personen, werden Arbeitsgruppen zu den Themen Behörden und Dienste, Strukturen, Finanzen und kirchliches Leben gebildet. «Diese Teams sollen alle möglichen, denkbaren, wünschenswerten Punkte zu den Themen sammeln», erhofft sich Bruderer.

Nach den Konsultationen erarbeitet ein Expertengremium einen ersten Entwurf, welcher von November 2019 bis Februar 2020 in die Vernehmlassung geschickt wird. Nach der Überarbeitung wird die Revision an der Sommer Synode 2020 in erster Lesung behandelt. Die zweite Lesung findet im Herbst desselben Jahres statt. Die Volksabstimmung ist für das zweite Halbjahr 2021 geplant.

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