Neue Regeln im Brandschutz

Per 1. Januar 2015 gelten in der Schweiz neue liberalisierte Brandschutzvorschriften. Der Personenschutz wird weiter grossgeschrieben, der Sachwertschutz wird wirtschaftlicher.

Mea Mc Ghee
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Ab 2015 gelten neue Brandschutzvorschriften, auch für Holzhäuser. (Bild: pd)

Ab 2015 gelten neue Brandschutzvorschriften, auch für Holzhäuser. (Bild: pd)

AUSSERRHODEN. «Der vorbeugende Brandschutz darf volkswirtschaftlich nicht mehr kosten, als er nützt», unter diesem Leitsatz wurden die neuen nationalen Brandschutzvorschriften (BSV) erarbeitet. Sie ersetzen per Anfang 2015 die seit zehn Jahren gültigen Regeln. Die Projektleitung oblag Ernst Bischofberger, dem Direktor der Assekuranz Appenzell Ausserrhoden. Als Grundlage diente die ETH-Studie «Wirtschaftliche Optimierung im vorbeugenden Brandschutz».

Geringere Kosten

«Das Sicherheitsniveau im Schutz für Menschen und Tiere bleibt wie bisher», betont Bischofberger. Der Schutz von Sachwerten sei hingegen vermehrt unter wirtschaftlichem Aspekt zu betrachten. Die neuen Vorschriften reduzierten die Kosten für Brandschutzmassnahmen, während die Eigenverantwortung der Gebäudebesitzer steige.

Neu werden Gebäudehöhen nicht mehr nach Anzahl Geschosse, sondern aufgrund der Höhe definiert, da dieses Mass für die Brandbekämpfung durch die Feuerwehr relevant ist. Neu gelten Gebäude ab 30 Meter Höhe als Hochhaus, bisher waren es 25 Meter. In Einfamilienhäusern bestehen künftig keine Brandschutzvorschriften mehr betreffend Brandabschnittsbildung zwischen Garage sowie Heizung und Wohnhaus. Die Anwendungsmöglichkeiten für den Holzbau werden erweitert, indem nicht mehr zwischen brennbarer und nichtbrennbarer Konstruktion unterschieden wird. Neu können bis zu acht Geschosse in Holzbauweise erstellt werden. In Ausserrhoden, wo Holzbauten Tradition haben, sei dies interessant, so Bischofberger.

Für Gebäude bis 600 Quadratmeter Grundfläche, die eine Doppelnutzung aufweisen – zum Beispiel für einen KMU-Betrieb im Erdgeschoss und eine Wohnung im Obergeschoss –, sind keine Brandschutzmassnahmen mehr nötig. Dies führe zu einer finanziellen Entlastung der Besitzer. Eine neue Regel gibt es bei Fluchtwegen. Künftig ist bis 900 m2 Geschossfläche nur eine Treppenanlage erforderlich. Ist die Fläche grösser, darf die Fluchtwegdistanz höchstens 35 Meter betragen (bisher 20 Meter). Gemäss ETH-Studie liegt die Zeitdifferenz für die Flucht über 20 oder 35 Meter im einstelligen Sekundenbereich. Für Industrie- und Gewerbebetriebe sinken durch diese Lockerung die Baukosten erheblich.

Schulung nötig

Die revidierten Brandschutzvorschriften bergen Ausbildungsbedarf: Bis Mitte Dezember werden schweizweit 1000 Brandschutzexperten und -fachleute geschult. In einem zweiten Schritt werden vier Fachtagungen angeboten, die sich an rund 2000 Personen richten, vorwiegend Planer und Handwerker. Weiter bieten die Berufsverbände der Baubranche Schulungen für ihre Mitglieder an. Die Assekuranz AR hat mit dem Hauseigentümerverband und dem Gewerbeverband kürzlich zwei Fachtagungen durchgeführt. Gut 150 Interessierte kamen in den Genuss von Informationen aus erster Hand durch Projektleiter Ernst Bischofberger und Daniel Imper, Leiter baulicher Brandschutz der Assekuranz.

Weitere Informationen unter: www.praever.ch