Neubeurteilung ohne neue Fakten

Seit 2001 besteht eine Bike-Karte Toggenburg, 2003 wurde die Signalisation im Land der Churfirsten aufgegleist. Damals dachte niemand, dass der Rotenstein 2012 noch immer ein Konflikt-Gebiet sein könnte. Es gibt eine Neubeurteilung, obwohl keine neuen Erkenntnisse vorliegen.

Urs Huwyler
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STEIN. Steins Gemeindepräsident Ueli Schärer kennt die «Rotenstein»-Problematik seit Jahren. Aus seiner persönlichen Sicht müsste nach Abwägung aller «Pro- und Kontra»-Gründe die Konflikt-Strecke für den Zweirad-Verkehr geöffnet werden. Der Weg sei breit und die Verbindung touristisch von einiger Bedeutung. Die Route ins Tal dem schmalen Thurweg oder der viel befahrenen Kantonsstrasse entlang keine Alternative, fügt der Hobby-Radler an. Dass es immer wieder vereinzelte Biker gibt, die sich in Unkenntnis der verkehrstechnischen Situation über das verbotene Teilstück wagen, ist für Ueli Schärer wie für alle anderen immer wieder involvierten Personen keine Überraschung.

Kaum Bedenken hätte bezüglich seines «Freizeit-Kerngeschäfts» auch der ehemalige Krummenauer Amtskollege Reinhard Kobelt. Als kantonaler «Oberwanderer» sähe er von der Infrastruktur her wenig Konfliktpotenzial zwischen den zweifüssigen und zweirädrigen Sportlergruppen. Der Weg sei breit, so dass Wanderer und Biker problemloser aneinander vorbei kämen als an andern Orten, ist Reinhard Kobelt überzeugt. Freizeit-Biker Heinz Wittenwiler tritt für die Änderung des allgemeinen Verbots ein. Als Mitglied der grossen Arbeitsgruppe glaubte er an eine für alle befriedigende Lösung. Dem ist nicht so, nachdem die Strecke im WEP als Konflikt-Gebiet aufscheint.

Keine neuen Fakten

Andererseits muss festgestellt werden, dass die ganze Problematik einmal mehr aufgerollt wird, obwohl keine neuen Erkenntnisse oder Fakten vorliegen. Wildhüter Urs Büchler (Stein) kann deshalb keine andere Beurteilung der Situation vornehmen als in der Vergangenheit. Aus seiner Sicht werden die betroffenen Gemeinden ihre Einschätzung darlegen und bei unterschiedlichen Vorstellungen müssen eine Interessenabwägung und Gewichtung erfolgen. Ein Kriterium werden allfällige weitere Begehrlichkeiten und Folgeerscheinungen im Rotenstein-Gebiet sein. Würde die viel diskutierte Verbindung werbetechnisch (touristisch) ausgeschlachtet, wäre eine Mehrbelastung und Wild-Ruhestörung nach Einschätzung der Beobachter im Lebensraum der verschiedenen Tiere kaum auszuschliessen. Andererseits würden die Vierbeiner von den zweibeinigen Hirschen auf dem Bike wenig gestört, würden diese auf dem Weg bleiben.

Im Falle von Alpsteinbike hiesse es wohl, dass einzelne Teilnehmer vor und nach dem Event die Strecke zusätzlich befahren würden. Deshalb konzentriert sich die Konflikt-Lösung nicht darauf, für einen Tag eine Bewilligung zu erreichen, sondern es wird eine Ganzjahreslösung angestrebt. Ob mit oder ohne zeitliche (monatliche) Beschränkung.

Wird der Konflikt endlich gelöst?

Regionalförster Christof Gantner (Ebnat-Kappel) sieht aktuell keinen Handlungsbedarf. Momentan kann die Bevölkerung zum WEP Stellung beziehen und nach Ablauf der Frist wird sich zeigen, ob von einer Seite neue Argumente aufgetischt werden können. Davon dürfte es abhängen, ob sich der Konflikt nach über zehn Jahren kurzfristig lösen lässt. Hätten die Initianten der Bike-Bewegung nach der Jahrtausendwende gewusst, wie lange eine Bereinigung auf sich warten lässt, sie hätten damals eine Entscheidung verlangt.