NEUBAU: «Die Reissleine gezogen»

Der Plan, in Hemberg eine neue Mehrzweckhalle zu bauen, wurde aufgegeben. Der Gemeinde wie auch Schulrat sind übereingekommen, dass das Projekt die finanziellen Möglichkeiten der Gemeinde überschreite.

Urs M. Hemm
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Schulratspräsidentin der Primarschule Hemberg, Elsbeth Roth, und der Hemberger Gemeindepräsident Christian Gertsch stehen beide hinter dem Entscheid, den Neubau einer Mehrzweckhalle nicht zu realisieren. (Bild: Urs M. Hemm)

Schulratspräsidentin der Primarschule Hemberg, Elsbeth Roth, und der Hemberger Gemeindepräsident Christian Gertsch stehen beide hinter dem Entscheid, den Neubau einer Mehrzweckhalle nicht zu realisieren. (Bild: Urs M. Hemm)

Urs M. Hemm

urs.hemm

@toggenburgmedien.ch

Zu schön, um wahr zu sein — der Bau einer neuen Mehrzweckhalle beim Schulhaus Dreieggli in Hemberg. Doch nun ist dieser Traum geplatzt. «Wir können uns das Projekt schlicht nicht leisten», sagt Gemeindepräsident Christian Gertsch. Der Entscheid, rechtzeitig die Reissleine zu ziehen, wurde in Absprache mit dem Schulrat gefällt, bestätigt Elsbeth Roth, Schulratspräsidentin der Primarschule Hemberg an der gestrigen Informationsveranstaltung.

Den Gemeindefinanzen gerechte Lösung

Noch im November vergangenen Jahres hatte das Stimmvolk einem Baukredit von über fünf Millionen Franken zugestimmt. «Die Situation hat sich leider geändert», erläutert Christian Gertsch. Denn gegen das Neubauprojekt wurde eine Einsprache eingereicht, über die, wenn sie bis vors Bundesgericht weitergezogen wird, erst in vier oder gar fünf Jahren geurteilt wird. «Was in diesem Zeitraum passiert, wie sich die finanzielle Situation der Gemeinde entwickeln wird, weiss niemand», gibt Elsbeth Roth zu bedenken. Deshalb habe man entschieden, nach einer anderen Lösung zu suchen, welche den finanziellen Möglichkeiten der Gemeinde Hemberg gerecht wird.

Konkret heisst das: «Wir werden an einer ausserordentlichen Bürgerversammlung am 20. September einen Rückkommens­antrag für die Aufhebung des Kredits stellen. Zugleich beantragen wir einen Kredit für die Prüfung von anderen Lösungen, denn der desolate Zustand der Turnhalle ändert sich mit dem jetzigen Entscheid nicht», sagt Elsbeth Roth.

Ziel mit Sanierungskonzept erreichen

Der finanzielle Rahmen für ein neues Sanierungskonzept bewege sich um die zwei Millionen Franken — ganze drei Millionen weniger, als ein Neubau gekostet hätte. «Wir sind bereits jetzt mit einem Steuerfuss von 148 an der oberen Grenze. Wir wollen nicht auf den Schultern der Schüler, die jetzt die Halle nutzen, Schulden machen», sagt Gemeindepräsident Gertsch. Das Neubauprojekt wurde ursprünglich geplant, weil die Turnhalle des Schulhauses Dreieggli nicht mehr den heutigen Standards entspricht. Vor allem die Grösse erfüllt nicht die Anforderungen, die der Kanton St. Gallen bezüglich Turnunterricht vorgibt. Die Verletzungsgefahr sei besonders gross, und es könnten heute viele, im aktuellen Lehrplan vorgegebene Unterrichtsübungen mit den Schülern nicht durchgeführt werden. «Wir werden sehen, was das neue Konzept bringt und welche Möglichkeiten die vorhandene Bausubstanz bietet», sagt Elsbeth Roth. Grundlegendes Ziel müsse jedoch eine Sanierung und die Vergrösserung der Hallenfläche sein.Das letzte Wort wird das Stimmvolk haben. Dennoch, angesichts der Kosteneinsparung, dürfte es gegen diesen mutigen Entscheid der Behörden keine Opposition geben.