Neuauflage eines Klassikers: Das Postplatz Festival Appenzell findet nach einem Jahr Pause wieder statt

Ralf Huber hat zusammen mit Harry Ritz die Organisation des Postplatz Festivals in Appenzell übernommen. Warum er dies tut und warum der Event so wichtig für die Region ist, erzählt er im Porträt.

Valentina Thurnherr
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 Ralf Huber möchte das Postplatz Festival auch in Zukunft am Leben erhalten. (Bilder: Mareycke Frehner)

Ralf Huber möchte das Postplatz Festival auch in Zukunft am Leben erhalten. (Bilder: Mareycke Frehner)

«Wäre ich nicht im Militär gewesen, wäre ich jetzt nicht da, wo ich bin.» Ralf Huber schmunzelt wenn er an die Vergangenheit denkt. Der 44-Jährige übernimmt neu, die Organisation des Postplatz Festivals. Gelernt habe er ursprünglich Tiefbauzeichner. Im Jahr 2000 arbeitete er als Feldweibel auf dem Waffenplatz Frauenfeld. «So fing alles an. Ich war im Bereich tätig, wo Bewilligungen für die Platznutzung ausgestellt wurden. Und die Open-Air-Saison hatte gerade begonnen.» Während seiner Arbeit kam er dort mit verschiedenen Veranstaltern in Kontakt und bekam Lust auf mehr. «Ich bin danach relativ schnell bei der Olma gelandet im Bereich Congress Events.»

Nach zwei Jahren wurde Huber abgeworben und organisierte bis 2009 die Rheintalmesse Rhema. «2010 gründete ich dann meine eigene Firma die rhc event&management GmbH.» Ein Augenmerk legten Huber und seine Mitarbeiter in den ersten Jahren auf digitale Kommunikation in Sozialen Medien.

«Wir haben für verschiedene Firmen deren Social-Media-Auftritte gestaltet und organisiert. Wir haben Fanpages eröffnet, auf denen die Firmen mit ihren Kunden und Followern kommunizieren konnten.»

Ein Konzept, das heutzutage Gang und Gäbe ist, vor neun Jahren hingegen so gut wie nicht verbreitet war in der Schweiz. Mittlerweile veranstaltet die Eventagentur vermehrt eigene Veranstaltungen. «Wir werden dieses Jahr bestimmt noch mehr Konzerte organisieren, als diejenige die wir bisher angekündigt haben. Momentan werten wir aus, welche Möglichkeiten wir haben.»

Die Tradition weiterführen

Das Postplatz Festival fand 2018 nicht statt, da für die damaligen Organisatoren – allesamt ehrenamtliche Mitglieder – der Aufwand schlicht zu gross wurde. Über die Frage, warum er das Festival nicht sterben lassen wollte, muss Ralf Huber nicht lange nachdenken. 

«Ein Festival mit so viel Tradition und regionaler Verankerung sollte weitergeführt werden.»
 Für seine Arbeit seien vor allem gute Beziehungen wichtig.

Für seine Arbeit seien vor allem gute Beziehungen wichtig.

Die Reaktionen auf die Ankündigung waren durchwegs positiv. «Ich kann mich nicht erinnern, eine schlechte Bemerkung gehört zu haben. Sponsoren und Freunde aus Appenzell haben sich gemeldet, wie schön sie es finden, dass der Event wieder stattfindet.» Das Festival-Kommitee besteht aus zwei Leuten: Ralf Huber und Harry Ritz. Letzterer ist für die Künstler verantwortlich. Er hört sich die Bands an und entscheidet wer in das Programm passt. «Der ehemalige Organisator, Martin Birrer, hat uns extrem unterstützt», sagt Huber. Von Sponsorenlisten über Pläne bis hin zum Zugriff auf Website und Fanpage – die Übergabe sei super gewesen. Martin Birrer stehe ihnen nach wie vor zur Verfügung, wenn sie Fragen hätten.

Mit den neuen Organisatoren halten auch einige Veränderungen Einzug beim Traditionsfestival. Eine der grössten Neuerungen ist der Standortwechsel.

 «Dieser Entscheid war purer Zufall», sagt Huber. Sie seien gerade auf dem Weg zu einem Treffen mit ihrem neuen Hauptsponsor, der Raiffeisenbank, gewesen, als er um die Ecke blickte und den Kronengartenplatz entdeckte. Für Huber war sofort klar: «Dieser Platz ist perfekt.» Hier müssten sie nur eine Durchgangsstrasse temporär schliessen, sie würden keine Ladeneingänge versperren und der Platz ist viel weniger verwinkelt als der Postplatz. «Dazu kommt, dass er grösser ist.» Fest stand aber von Anfang an, dass der Name bleiben wird. «Er hat einen grossen Wiedererkennungswert.»

Der nächste Schritt sei eine Informationsveranstaltung für die Anwohner gewesen. Während des Anlasses wurden einige kritische Stimmen laut. «Allerdings merkte ich schnell, dass diese Kritik nur indirekt dem Festival galt.» Einige Anwohner schienen lediglich etwas mehr Mitspracherecht haben zu wollen was Veranstaltungen auf dem Kronengartenplatz betreffen. «Es gibt nur eine Person, die nicht erfreut darüber ist, dass das Festival dort stattfindet.» Sie würden weiterhin das Gespräch suchen. «Wir müssen klare Regeln aufstellen und respektvoll miteinander umgehen.»

Ein Programm für Alt und Jung

Eine weitere Neuerung in diesem Jahr ist die Gestaltung des Musikprogramms. «In den vergangenen Jahren hatte es am Freitag rund 500 Besucher und am Samstag dafür 1500. Aus diesem Grund setzen wir in diesem Jahr am Freitag mit Rock gezielt auf ein älteres Publikum.» Mit Schweizer Musikern liegt der Fokus am Samstag dann auf den jüngeren Besuchern. 

Ein besonderes Highlight ist dabei der Zürcher Rapper Bligg. «Ein Freund von mir hat den Musiker letztes Jahr bei dessen Stammtisch-Tour kennen gelernt. Das war der Grund warum wir ihn buchen wollten.»

Der Zürcher sei sehr umgänglich und auch mit dessen Management liesse sich gut verhandeln. «Das ist nicht immer so. Meist sind es die Manager, mit denen eine Buchung steht und fällt.»

Mittlerweile ist das Line-up für das Postplatz Festival komplett. «Mitte Mai werden wir den letzten Künstler ankündigen.» Von einer Band scheint Huber aber besonders begeistert: «Velvet Two Stripes», eine St. Galler Band, die ausschliesslich aus Frauen besteht. «Eine grossartige Nachwuchsband, die eine tolle Zukunft vor sich hat.»

Nebst dem Postplatz-Festival organisiert Ralf Huber auch einen Event, wie es ihn noch nie in der Ostschweiz gegeben hat. «Am 2. November geht das erste Swiss Rock and Metal Festival in Amriswil über die Bühne», sagt Huber. Seit gut zwei Wochen laufe der Vorverkauf. Als Line-up treten die Bands Coroner, Samael und Burning Witches auf. «Diese drei Namen sind regelmässig am Wackenfestival vertreten.» Aktuell liegt der Fokus auf Schweizer Bands.

«Ob es in Zukunft einen Gastact aus dem Ausland vertragen könnte, wird sich zeigen.» Die Heavymetal- und Rockszene in der Schweiz sei grossartig und die Fanbase riesig.

 «Ich war sehr überrascht wie gut die Ankündigung bei den Fans ankam.» Ein weiterer Vorteil des Festivals ist, dass es nicht während der Open-Air-Saison stattfindet.

APPENZELLERLAND: Kein guter Festivalsommer

Gleich zwei Events werden dieses Jahr nicht stattfinden. Während beim Postplatzfestival vielleicht endgültig Schluss ist, legt das Familienfestival nur eine Pause ein.
Karin Erni