NEU ST. JOHANN: Markante Noten zum Gedenken

In der Klosterkirche fand kürzlich ein Gedenkkonzert für den verstorbenen Mesmer Winfried Röder statt. Breit gefächert war das Konzert, genau wie die musikalischen Vorlieben des Mesmers waren.

Peter Küpfer
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Für Jost Kirchgraber, Michael Risch, Markus Meier, Stefan Hug, Hansjürg Gutgsell und Wolfgang Sieber (von links) gab es intensiven Schlussapplaus.

Für Jost Kirchgraber, Michael Risch, Markus Meier, Stefan Hug, Hansjürg Gutgsell und Wolfgang Sieber (von links) gab es intensiven Schlussapplaus.

Peter Küpfer

redaktion@toggenburgmedien.ch

Vor fast einem Jahr traf die Seelsorgeeinheit Oberes Toggenburg die Nachricht vom Hinschied von Winfried Röder, langjähriger Mesmer an der Klosterkirche Neu St. Johann Der beliebte Sakristan hatte seinen «Dienst an der Öffentlichkeit», wie es in der Ehrungsurkunde der Bischöflichen Sakristanvereinigung ein Jahr vor dessen Hinschied hiess, mehr als dreissig Jahre lang versehen. Und der Dienst war ihm, so bezeugen es alle, eine Herzensangelegenheit. Winfried Röder liebte seinen Beruf, und er liebte die Menschen. Seine Führungen durch die Klosterkirche mit ihren Schätzen waren legendär. So wie sein nie versiegender Humor.

So liessen es sich den St. Johanner Konzerten verbundene Musiker nicht nehmen, dem Verstorbenen ein Gedenkkonzert zum Jahrestag seines Hinschieds zu widmen: Hansjürg Gutgsell (Orgel), Stefan Hug (Laute und Gitarre), Jost Kirchgraber (Text), Markus Meier (Blockflöte und Schalmei) und Michael Risch (Orgel). Auch der schweizweit und international auftretende Förderer und Erneuerer des Orgelspiels mit Wurzeln im Toggenburg, Wolfgang Sieber, war begeistert vom Vorhaben und setzte durch sein Mitwirken markante Noten. Zwischen den einzelnen Konzertteilen rief Jost Kirchgraber mit persönlich gefärbten Erinnerungen ein lebendiges Bild des geehrten Verstorbenen wach.

Lieblingstitel: «Dreamer» von Supertramp

So breit gefächert wie Winfried Röders musikalische Vorlieben war das Konzert ausgestaltet. Schalmeienklänge (Markus Mei­er), unterstützt von der herben Kraft der Chororgel (Wolfgang Sieber), bildeten die imposante Ouvertüre (Gagliarda, La Rocha el Fuso). Dann variierten Stefan Hug (Laute), Markus Meier (Blockflöte) und Hansjürg Gut­gsell (Orgel) lieblich-elegante Renaissancemotive, zuerst im Lautensolo, dann hoch aufjauchzend im Duo zwischen Laute, schliesslich zusammen mit der sich ausgelassen-tänzerisch gebärdenden Orgel eine Auswahl aus «Ein guter neuer Dantz» eines Anonymus. In Anspielung auf einen Lieblingstitel intonierte das Ad-hoc-Ensemble eine anspruchsvolle Bearbeitung des Supertramp-Themas «Dreamer», ein Hit aus den 70er-Jahren, welchen der Geehrte besonders gern mochte. Die kunstvolle Bearbeitung aus der Feder von Wolfgang Sieber für zwei Orgeln (Wolfgang Sieber und Michael Risch), Schalmei (Markus Meier) und Gitarre (Stefan Hug) faszinierte durch die Kombination der Instrumente sowie das präzise Spiel der Zusammenwirkenden, das vor allem für die beiden Organisten, die ja räumlich weit auseinander platziert waren, eine mit Bravour gemeisterte Herausforderung beinhaltete. Sie veranlasste das Publikum zu einem spontanen Zwischenbeifall. Nach einem in der speziellen Akustik der Kirche herrlich nachklingenden Blockflötensolo, später auch der Laute und im Zwiegespräch der beiden lieblichen Instrumente mit Wolfgang Siebers alle Register ziehenden Orgel erfreuten die drei Solisten das Publikum mit Variationen eines Themas aus der rumänischen Volksmusik. Sie war dem Verstorbenen in einem Aufenthalt bei einem rumänischen Kinderhilfswerk besonders ans Herz gewachsen. Mit wieder ruhigeren Klängen aus einer Sonate für Orgel aus der Feder von Franz Xaver Schnitzer (Michael Risch) wurde zum letzten Programmstück übergeleitet, der Sonata a due Organi von Gaetano Piazza (1725–1775): Es beeindruckte durch das virtuose Zusammenspiel von Michael Risch und Hansjürg Gutgsell (bei maximaler räumlicher Entfernung der Manuale der Abbrederis- und Grass-Orgel, die zu einem höchst ungewöhnlichen Hörgenuss verhalfen. Anhaltender Schlussapplaus und begeisterte Gesichter zeigten, dass die Botschaft angekommen war.