Das Netz der Palliative Care in Ausserrhoden wächst

Das neu gegründete Forum Hinterland stellt sich am Samstag in Herisau der Öffentlichkeit vor.

Karin Erni
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Vertreter von Spital, Ärzteschaft, Spitex, Pro Senectute, Heimen, Kirchen, Gemeinden und Kultur ermöglichen eine interdisziplinäre Zusammenarbeit.Bild: PD

Vertreter von Spital, Ärzteschaft, Spitex, Pro Senectute, Heimen, Kirchen, Gemeinden und Kultur ermöglichen eine interdisziplinäre Zusammenarbeit.Bild: PD

«Die meisten Menschen möchten in den eigenen vier Wänden sterben, doch die Realität sieht leider anders aus», sagt Annekäthi Daberkow. Die Pflegefachfrau aus Herisau ist die Leiterin des neu gegründeten «Forums Palliative Care AR Hinterland». Es schliesst die letzte Lücke im Palliativnetz von Appenzell Ausserrhoden.

Dem Forum gehören Vertreter der verschiedenen Leistungserbringer an: Peter Wild vertritt die Hausärzte, Roswitha Fässler und Claudia Brunner die Spitexanbieter, Peter Will die Alters- und Pflegeheime. Die Freiwilligengruppen werden durch Angela Koller, die Sozialarbeit und die Behindertengruppen durch Astrid Graf repräsentiert. Mit dabei ist auch Silvia Hablützel (Pro Senectute, Trauercafé) und Lilian De Cassai (Psychiatrie, psychosoziale Betreuung). Dem Forum gehören ausserdem Iris Schmid Hochreutener als Kirchenvertreterin, Barbara Bicker vom Gemeinderat Schwellbrunn sowie Philipp Langenegger als Vertreter des Kulturbereichs an.

Der Mensch steht immer im Zentrum

Die Gründe, warum Sterbenskranke den letzten Lebensabschnitt oft im Spital verbringen, sind vielfältig. Meist fehlten pflegende Angehörige oder diese seien überfordert mit dem schwierigen Thema, sagt Annekäthi Daberkow. «Für Palliativpflege braucht es ein grosses Netz aus medizinischen Fachkräften, Betreuungsinstitutionen und Freiwilligen. Jeder Fall ist anders und nicht jeder benötigt dieselben Leistungen.» Das Forum Hinterland bezweckt eine bessere und schnellere Kommunikation zwischen den verschiedenen Beteiligten. «Wenn man sich kennt, können leichter und unkomplizierter Lösungen gefunden werden», ist die Präsidentin überzeugt. Das sei wichtig, denn in diesem Lebensabschnitt können sich die Bedürfnisse manchmal schnell ändern, so Daberkow. «Bei allen unseren Überlegungen steht der Mensch und nicht der Patient im Zentrum.»

Oft erlebe sie, dass das Wort «Palliative Care» gewisse Ängste auslöse, sagt Daberkow. Diese seien jedoch unbegründet. «Die Inanspruchnahme von Palliativ-Care-Leistungen muss nicht bedeuten, dass der baldige Tod bevorsteht.» Entgegen der verbreiteten Meinung richtet sich das Angebot nicht nur an sehr alte Leute und Krebsbetroffene.

«Auch wer unter einer Krankheit mit fortschreitenden chronischem Verlauf leidet, tut gut daran, sich rechtzeitig mit den entsprechenden Stellen in Verbindung zu setzen, um die nötige Unterstützung zu erhalten.» 

Daberkow empfiehlt auch Gesunden, mittels Patientenverfügung dafür zu sorgen, dass der letzte Wille bis zum Schluss umgesetzt wird.

Startanlass mit Film und Diskussion

Um die Öffentlichkeit auf die Gründung des Forums Palliative Care AR Hinterland aufmerksam zu machen, wurde eine Auftaktveranstaltung in der alten Stuhlfabrik Herisau organisiert. Im Dokumentarfilm «Apfel und Vulkan» begleitet Nathalie Oestreicher ihre krebskranke Freundin. Der berührende Film über Tod, Erinnerungen, Familie und Freundschaft lässt die Zuschauer auch verschiedene Aspekte der Palliative Care erleben. Im anschliessenden Gespräch wird das Forum vorgestellt und die Beteiligten stehen für Fragen zur Verfügung. Der Anlass wird von Philipp Langenegger moderiert. Yvonne Blättler-Göldi vom Amt für Soziales und Katharina Linsi von der Geschäftsstelle Palliative Ostschweiz werden die Veranstaltung eröffnen.

Für die Auftaktveranstaltung am Samstag, 16. November, um 19 Uhr in der Alten Stuhlfabrik Herisau ist eine Anmeldung erwünscht bis 12. November unter info@parta.ch oder Tel: 0712236830