NESSLAU: So ähnlich wie bei den Galliern

Ein Polizisten- und Grenzwachtchörli, eine Jägergruppe, ein Kirchenchor und zwei Jodlerclubs folgten der Einladung des Jodlerklubs Männertreu zur Jodlerunterhaltung. Das Singspiel «Üsers Dorf» war originell.

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Der «Kirchenchor von Schlepfmatt» mit ihrem Hippie-«Gemeindepräsidenten». (Bild: PD)

Der «Kirchenchor von Schlepfmatt» mit ihrem Hippie-«Gemeindepräsidenten». (Bild: PD)

Viele auf hohem musikalischen Niveau stehende traditionelle Naturjodel sowie einige Jodellieder vermochten das Publikum im Büelensaal in Nesslau im ersten Teil des Programms in ihren Bann zu ziehen. Vereinspräsident Emil Wicklis humorvolle Begrüssung zum ersten von zwei Unterhaltungsabenden liess die Erwartungen des Publikums in die Höhe schnellen.

Eine Uraufführung stand bevor. Der von Dirigent Matthias Ammann komponierte Naturjodel «De Metzler» zu Ehren des zurückgetretenen, langjährigen Vorjodlers Christian Metzler und seiner grossen Arbeit für den Verein. Der Naturjodel verlangte dem Publikum mit seiner Melodieführung und den unerwarteten Tonartwechseln einiges ab, wurde jedoch von Roman Metzler und seinen Kameraden so exakt vorgetragen, dass man ihn gerne ein zweites Mal gehört hätte. Mit «Heimweh» von Robert Fellmann gab es wieder etwas leichtere Kost, die von den Zuhörern gerne entgegengenommen wurde.

Weil es so schön ist, z’Alp z’fahre

Schon durfte das überaus disziplinierte Publikum die Gäste aus dem Nachbardorf, das Jodelchörli Hüsliberg aus Ebnat-Kappel, begrüssen. Die zwölf Jodler und vier Jodlerinnen mussten beim ersten Witz ihres Vereinspräsidenten Ueli Roth selber schmunzeln, bevor sie den traditionellen Naturjodel «De Forrer» sowie das Lied «Sunneliecht» von Daniel Bietenhader in gewohnt sennischer, urtümlichen und stimmlich perfekten Art vortrugen. Es folgten zwei schöne Vorträge der Gastgeber mit dem Jodel «Scherrer» und der von Ehrendirigent Willi Valotti ursprünglich für die Wattwiler Jodler geschriebene «Ueli-Jodel». Das lüpfige «Chilterlied» von Ernst Nievergelt und der von Dirigent Daniel Bietenhader komponierte «Spitzmösler» zeigten einmal mehr die stimmliche Verteilung der einzelnen Teile auf die Vorjodler der Hüsliberger. Etwas unpassend zur Jahreszeit, wie Präsident Emil Wickli für die Nesslauer zugab, sei das Lied «Alpfahrt» von Max Lienert und Hans Täschler. Aber weil es so schön sei, z’Alp zu fahren, wolle man sich auf den nächsten Frühling einstimmen. Mit dem virtuosen und die Stimmen fordernden «Stadelwendeli» gab es einen würdevollen Abschluss des musikalischen Teils des Abends.

Nach der Pause erwartete das Publikum das etwas andere Singspiel «Üsers Dorf». Mit kunstvollen Filmsequenzen und gelungenen chorischen Darbietungen erzählt es vom kleinen Dorf Schlepfmatt, das sich – ähnlich wie damals die Gallier – den Regeln der Gesellschaft und Obrigkeit widersetzt. Idee und Regieführung stammten von Werner Stauffacher, der in professioneller Weise musikalisch und textlich von Dirigent Matthias Ammann unterstützt wurde. Viel Gelächter ernteten die originellen Verkleidungen der Jodler, viel Bewunderung die abgerundeten Gesangseinladen eben dieser Polizisten, Jäger und Kirchgänger. Den Vortritt liessen die Nesslauer ihren Gästen beim Abschluss des Abends. Der «Alpherbst» von Walter Hofer brachte die wehmütigen Älpler zurück in die Realität, während der Naturjodel «Stotzweid» den gediegenen Jodlerabend abschloss. Selbstverständlich erwartete das Publikum eine Zugabe, die in Form des Naturjodels «Der 100-jährige» von Willi Valotti daherkam und ein überaus zufriedenes, festlich gestimmtes Publikum zurückliess. So manche Darbietung wurde danach im Saal und in der Kaffeestube in kleinerer Runde noch vorgetragen, während die Gäste gerne ein Stück Torte aus der perfekten Festwirtschaft genossen. (pd)