Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Spass beim Lesen.

NESSLAU: «Seeben» für einen Tag wieder geöffnet

Seit fünf Jahren sind in der «Seeben» abgewiesene asylsuchende Familien und allein reisende Frauen untergebracht. Mit der Öffnung des Restaurants Seeben am Samstag wurde eine Art «Dankeschön» an die Bevölkerung zelebriert.
Adi Lippuner
Luciano Benic, Leitung-Stellvertreter, Kilian Looser, Gemeindepräsident Nesslau, und Michael Forster, Leitung Asylunterkunft Seeben (von links). (Bilder: Adi Lippuner)

Luciano Benic, Leitung-Stellvertreter, Kilian Looser, Gemeindepräsident Nesslau, und Michael Forster, Leitung Asylunterkunft Seeben (von links). (Bilder: Adi Lippuner)

Adi Lippuner

redaktion

@toggenburgmedien.ch

Bis zum Frühjahr 2012 wurde das Gasthaus Seeben-Säge von der Familie Louis betrieben. Nach dem Verkauf entstand, nur einen Monat später, die Unterkunft für abgewiesene Asylsuchende. Seither sind dort allein reisende Frauen, Familien und teilweise auch unbegleitete Jugendliche untergebracht. Als Dankeschön an die Bewohnerinnen und Bewohner der Gemeinde Nesslau wurde das Restaurant am Samstag, aus Anlass des fünfjährigen Bestehens der Asylunterkunft, für einen Tag geöffnet.

Für den Leiter des Asylzentrums, Michael Forster, seinen Stellvertreter Luciano Benic und das gesamte «Seeben»-Team bedeutete die Geste gegenüber den Gemeindeeinwohnern eine zusätzliche Herausforderung. «Wir haben keine Ahnung, wie viele Besucherinnen und Besucher kommen werden, aber wir sind gerüstet», so Michael Forster. Um die Mittagszeit waren die Terrasse und das Restaurant jedoch gut besetzt. «Eigentlich ist es schade, dass wir hier nicht regelmässig einkehren können», lautete eine der gehörten Aussagen.

Friedliches Nebeneinander

Die anfängliche Skepsis gegenüber dem Unbekannten ist bei der Bevölkerung gewichen, wie Michael Forster bestätigt. «Zu Beginn gab es Ängste, dank klarer Regeln und der konsequenten Durchsetzung unserer Hausordnung herrscht aber heute ein friedliches Nebeneinander.» Diese Aussage wurde von einem Ehepaar, das unweit der Asylunterkunft wohnt, bestätigt. «Zu Beginn waren wir äusserst skeptisch, denn wir wussten ja nicht, was auf uns zukommt. Doch dank der offenen Kommunikation und der guten Leitung gab es nie Probleme.»

Bei der temporären Öffnung des Restaurants war auch Niklaus Louis, der ehemalige Besitzer und Wirt mit seiner Familie unter den Gästen. «Ein bisschen Wehmut kommt schon auf, wenn ich wieder hier bin. Es war eine gute Zeit, aber jeder wird älter und deshalb war der Verkaufsentscheid richtig», blickt er zurück. Kulinarisch wurden die Gäste mit Grilladen, aber auch Spezialitäten aus den Herkunftsländern der abgewiesenen Asylsuchenden verwöhnt. Teigtaschen aus Tibet, süsse «Ruine» und «General» aus Tschetschenien, Baklava aus der Türkei oder Harisse aus Syrien waren nur einige der Köstlichkeiten, die bereitstanden.

Abgewiesen und trotzdem noch da

Im Gespräch mit Michael Forster war einiges über die Bewohnerinnen und Bewohner der Asylunterkunft zu erfahren. «Unsere Klienten müssten eigentlich, nachdem sie einen ablehnenden Entscheid erhalten haben, ausreisen. Einige konnten wir in der Vergangenheit bei Gesprächen überzeugen, dass sie in ihre Heimat zurückkehren, andere nutzen die vom Gesetz vorgesehenen Rekursmöglichkeiten.»

Im Haus selbst sei die Stimmung gut. «Doch der Umgang mit unseren Klienten ist eine tägliche Gratwanderung. Wir wissen, dass die Menschen eigentlich ausreisen sollten, haben aber Familien mit Kindern da und gerade Letztere sollten in die Gesellschaft integriert werden.» Einzelne Bewohnerinnen, aber auch Familien sind zwischen einem und drei Jahren in der Asylunterkunft Seeben. «Viele davon packen bei den täglichen Aufgaben im Haus tatkräftig mit an. Ihre Kinder sprechen sehr gut deutsch und trotzdem wissen wir, dass sie eigentlich ausreisen sollten.»

Michael Forster hat noch ein Anliegen an die Bevölkerung: «Jugendliche Asylsuchende, welche während der Sommerferien nicht die für sie gewohnte Tagesstruktur haben, sollen einen Aufenthalt auf einer Alp geniessen dürfen. Wir suchen für diese Aufgabe engagierte Erwachsene die bereit sind, zusammen mit den jungen Menschen verschiedener Herkunftsländer einige Zeit auf einer Alp zu verbringen.»

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.