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NESSLAU: Eine Gesellschaft wird 300 Jahre alt

An den kommenden Wochenenden wird das Jubiläumsschiessen der Schützengesellschaft durchgeführt. In der Festschrift zum 300-jährigen Bestehen findet sich Amüsantes. Früher hiessen die Anlässe «Schüssete», und wer in ein Amt gewählt wurde, musste bezahlen.
Heidi Hildebrand
Die Schützengesellschaft Nesslau feiert mit einem Jubiläumsschiessen an zwei Wochenenden ihr 300-jähriges Bestehen. (Bild: PD)

Die Schützengesellschaft Nesslau feiert mit einem Jubiläumsschiessen an zwei Wochenenden ihr 300-jähriges Bestehen. (Bild: PD)

Erste schriftliche Aufzeichnungen sind zwar erst aus dem Jahr 1757 erhalten, doch dort wird beschrieben, dass am 22. Wintermonat eine «gewohnte Schüssete» veranstaltet wurde, die darauf schliessen lässt, dass die Gründung 1717 erfolgt sein musste. Bis Mitte des vorletzten Jahrhunderts fanden die «Schüssete» statt, an denen oft auch die Gesellschaft von Krummenau teilgenommen hat. Die Preise wurden gestiftet von Gönnern und Mitgliedern, die geheiratet hatten. Und es durften auch Frauen am Geschehen teilnehmen. Zwar nicht als aktive Schützinnen, sondern sie konnten einen Schützen bestimmen, der für sie die Gabe herausschiessen sollte.

Eigenes Schützenhaus beim «Rössli» entstand

1858 hörten diese Ehrengabenschiessen auf und ein neues Reglement trat in Kraft. Wer in ein Amt unter Eid gewählt wurde, musste 2.40 Franken bezahlen, bei Wiederwahl nur noch 1.20 Franken. Auch Mitglieder, die erben konnten, hatten ihren Teil abzugeben.

Die Feldschützengesellschaft, die bis 1820 den Namen «Thurtal» trug, zog bis Anfang 19. Jahrhundert in den Gemeinden Nesslau und Krummenau umher. Im Jahr 1858 gestattete der Ochsenwirt im Sidwald, dass von seinem Saal aus geschossen werden könne, sofern ihm das alte Schützenhaus verkauft würde. Es kam aber nicht dazu. Man baute ein Schützenhaus beim «Rössli» und blieb dort bis 1910. In diesem Jahr konnte die heute noch bestehende Schiessanlage Berstel eingeweiht werden. Die 14000 Franken Schulden lasteten schwer auf den knapp 20 Mitgliedern. Das 200-jährige Bestehen, 1917, wurde in einem ganz einfachen Rahmen gefeiert. Weil wegen dem 1. Weltkrieg keine Munition vorhanden war, wurde ein Armbrustschiessen veranstaltet. Im Jahre 1920 kam dann die Wende. Die Kreisalpenkorporation Krummenau-Nesslau leistete 10000 Franken und die Gläubiger verzichteten auf die übrigen Forderungen. Eine fast überbordende Schiessfreudigkeit stellte sich ein, und somit auch erste Erfolge, wobei die Gruppe «Fähnli» erstmals erwähnt wurde. 1970 fand eine grosse Renovation statt, Schützenläger und Warnerpulte wurden neu errichtet und der Scheibenstand wurde neu gebaut und mit zwölf handgezeigten Scheiben ausgestattet.

Heute noch aktive Schützen

1990 folgte erneut ein Umbau mit 596 Frondienststunden. Sechs elektronische Scheiben wurden eingebaut, die Decken und die Wände wurden isoliert, Lärmschutzwände aufgestellt und somit wurde der Schiesslärm für die Umgebung erträglicher und die Schiesszeiten konnten reduziert werden. 1992 beim 275- Jahr-Jubiläum nahmen an den drei Schiesstagen 962 Schützen teil. 567 Schützen erreichten das Kranzresultat. In den Einzelranglisten mit dem Punktemaximum konnte man Namen von Personen lesen, die heute noch aktiv schiessen. 50 Punkte erreichte Jakob Schweizer, SV Stein, oder Heini Bösch aus Ebnat-Kappel. Bei den Kategorien waren die Stadtschützen Wil , Brunnadern, Urnäsch, Trübbach-Wartau und SG Wilhelm Tell bei den einzelnen Kategorien auf dem 1. Rang.

Der Militärschützenverein Lutenwil (gegründet 1887) schoss, nachdem die Schiessanlage in der Germen geschlossen wurde, ebenfalls im Berstel. Mangels Mitglieder und Nachwuchs wurde 1994 das Zusammenlegen der Schiesszeiten und ein Fusionieren beider Vereine in Betracht gezogen. So hiess der neue Verein Schützengesellschaft Nesslau mit dem Gründungsjahr 1717.

Das St. Galler Kantonalschützenfest fand 2009 im Toggenburg statt und die Schützengesellschaft Nesslau durfte Gast­geber sein. Damit aber alle Sicherheitsvorschriften und Forderungen eingehalten werden konnten, mussten die elektronischen Scheiben ersetzt und auf acht Scheiben ausgebaut werden. Ein Kugelfangsystem wurde eingebaut. Erneut viele Stunden Fronarbeit, aber es hat sich gelohnt. Auch das Schützenhaus bekam einen neuen Anstrich. Zu gleicher Zeit wurden aber auch zwei Schiessstände in der Gemeinde geschlossen und im April 2010 wurde eine Standgemeinschaft mit dem Militärschützenverein Speer-Laad gegründet. Mit dem Jungschützenkurs und den Schiessübungen werden die Schiesstage optimiert. Auch wurden acht Schallschutztunnel eingebaut, somit konnte der Schiesslärm für die Umgebung nochmals reduziert werden.

Das Feldschiessen im August ist etwas Besonderes

Die Schützengesellschaft Nesslau besteht heute aus 20 Aktivmitgliedern und acht B-Mitgliedern. Die zehn nicht mehr aktiven Ehrenmitglieder und den Ehrenpräsidenten Martin Baumann sieht man ab und zu im Schützenhaus. Jedes Jahr reisen die Schützen mit ihren Sportgeräten an ein kantonales Schützenfest. Bis zu zehn Schiessan­lässe ausserhalb des eigenen Standes werden besucht. Das Feldschiessen Obertoggenburg am dritten Augustwochenende ist immer ein besonderes Erlebnis und alle sieben Jahre wird turnusgemäss die Schützengesellschaft Nesslau im Berstel diesen Anlass auch durchführen. Das war 2013 letztmals der Fall.

Heidi Hildebrand

Jubiläumsstich, Vereinswettkampf und Auszahlungsstich. Schiesszeiten: Heute Freitag, 16. Juni, von 14 bis 19 Uhr. Morgen Samstag, 17. Juni, von 8 bis 12 und 13.30 bis 18 Uhr. Am Samstag, 24. Juni, von 8 bis 12 und 13.30 bis 18 Uhr. Am Sonntag, 25. Juni, von 8 bis 12 Uhr.

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