NESSLAU: Eine der letzten Baustellen

Hinter den Gerüstplanen vor dem Neubau der Raiffeisenbank Obertoggenburg tut sich viel. In diesen Tagen fallen die Planen, und zum Vorschein kommt ein Sichtmauerwerk, welches hier selten gesehen wird.

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Franco Pellegrini hat zwei Seelen in der Brust: Er liebt das Alte genauso wie das Moderne. (Bilder: PD)

Franco Pellegrini hat zwei Seelen in der Brust: Er liebt das Alte genauso wie das Moderne. (Bilder: PD)

Loslassen liegt Franco Pellegrini nicht allzu sehr. Seit vergangenem Jahr ist er im Pensionsalter und doch geht er, ausser Freitags, noch täglich ins Büro. Auch auf der Baustelle der Raiffeisenbank ist der Architekt, langjähriger Mitinhaber des Büros Wickli + Partner AG, anzutreffen. Aktuell nur einen Katzensprung vom Büro entfernt im Neubau der Raiffeisenbank Obertoggenburg. Ihm gefällt, was hier im Entstehen ist. Wenn einer der Handwerker eine Frage hat, gibt Franco Pellegrini Tipps.

Cyril Rutz übernimmt die Nachfolge

Die Hauptverantwortung für die markante Baustelle im Dorfzentrum trägt er allerdings nicht. Mit dem einheimischen Cyril Rutz ist nicht nur ein guter Bauleiter gefunden worden, sondern auch ein würdiger Nachfolger als Geschäftsführer des Architekturbüros. «Mit Cyril Rutz haben wir eine sehr gute Lösung gefunden. Er ist ein guter Manager und in Sachen heutiger Technologie bewandert», sagt Pellegrini.

Warum Letzterer dennoch im Büro ist, obschon er den Ruhestand geniessen könnte? «Ich sehe meine letzte Aufgabe darin, Cyril zu unterstützen, um ihm einen guten Einstieg zu ermöglichen.» Ende Juni will er in Pension gehen und nur noch beratend tätig sein. Beim Umzug in die Büroräumlichkeiten im neuen Bankgebäude, wird der 66-Jährige wohl nicht mehr dabei sein.

Und doch steht Pellegrini an einem Nachmittag im Frühling inmitten des künftigen Büros im ersten Stock des Neubaus. Die Räumlichkeiten von Haus B stehen für die künftigen Mieter zur Verfügung, während sich die Bank über zwei Geschosse in Haus A einrichten wird.

Eine Fassade, verspielt und doch klar strukturiert

Die Leichtbauarbeiten sind im Gange. Auch die Wohnungen in den darüber liegenden Geschossen haben Form angenommen. Grosszügig sind Raumhöhe und Wohnfläche, viel Licht fällt ein. Zum Bahnhof lenken die Fensterfronten den Blick nach draussen. Auch die Balkone befinden sich hier, an Betonstützen befestigt. In der künftigen Schalterhalle und im Treppenhaus bildet der Terrazzoboden einen Blickfang.

Hinter den Gerüstplanen steckt noch die Fassade, lange Zeit versteckt vor den Augen der Öffentlichkeit. Doch jetzt ist der Zeitpunkt gekommen für die Präsentation. Die Planen werden in diesen Tagen abgenommen. Verspielt und doch klar strukturiert schaut die Fassade dahinter hervor. Die vorgefertigten Teilstücke aus einem feinen Backstein sind vor Ort zufällig zusammengemauert worden. «Ein Sichtmauerwerk wie dieses, speziell in dieser Dimension, sieht man im Toggenburg eher selten», sagt der Architekt. Franco Pellegrini und Hans Rudolf Wickli haben in über vier Jahrzehnten etliches gebaut und geplant.

Das Portfolio des Büros Wickli+Partner umfasst Neubauten, Umbauten, Einfamilienhäuser, Einkaufsgeschäfte, öffentliche Anlagen, Holzbauten und moderne Glas- und Betonvillen gleichermassen. Meistens zeichnete Pellegrini für den Entwurf verantwortlich – sein Lieblingsmetier –, manchmal für die Bauleitung, manchmal für Entwurf, Ausführungsplanung und Bauleitung von A bis Z. Franco Pellegrini ist keiner, der eine typische Handschrift hinterlassen hat, dafür einer mit reichem Erfahrungsschatz. Zusammen mit seinem Partner hat er gut 40 Lehrlinge ausgebildet. Sich an diversen Wettbewerben beteiligt – mal erfolgreich, mal nicht. Sich um die ausführenden Arbeiten eines Projektes gekümmert, dessen Wettbewerb ein anderes Büro gewonnen hat. Neidlos. «Im Sinne guter Architektur bin ich ein Befürworter von Wettbewerben», betont er. Beste Voraussetzung für den Neubau des Bankgebäudes in Nesslau, hinter dessen Planung die Architekten Jeannette Geissmann und Tom Munz stehen. (pd/lim)