NESSLAU: 43 Jahre lang Reallehrer

Kurt Grünenfelder war Reallehrer mit Leib und Seele. Nach 43 Jahren – 37 davon in Nesslau – geht er in Pension. Viel habe sich in dieser Zeit verändert, sagt er rückblickend.

Sabine Schmid
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Kurt Grünenfelder mit seiner Frau Margrith, die ebenfalls als Lehrerin gearbeitet hat. (Bild: Sabine Schmid)

Kurt Grünenfelder mit seiner Frau Margrith, die ebenfalls als Lehrerin gearbeitet hat. (Bild: Sabine Schmid)

Dass ein Lehrer so lange im Schuldienst bleibt, wird es kaum mehr geben. Nicht nur, dass er auf der Schiefertafel schreiben gelernt und bei der Pensionierung viel in den Computer getippt hat. Er war Reallehrer und wurde in seiner Ausbildung berufsbegleitend zum Allrounder ausgebildet. «Wir mussten alle Fächer unterrichten, von Sprachen über geometrisches Zeichnen bis zum Werken», erzählt er. Sogar einen Gartenbaukurs an der Bäuerinnenschule musste er während der Ausbildung belegen. Sechs Jahre unterrichtete der gebürtige Sarganser die Realschülerinnen der Politischen Gemeinde Quarten in Murg. Dann zogen er und seine Frau Margrit, die ebenfalls als Lehrerin arbeitete, nach Nesslau. «Ich hatte eine gute Zeit hier», zieht Kurt Grünenfelder Bilanz.

«Reallehrer ist ein Volljob»

Als er 1980 ins Toggenburg gekommen ist, gab es das Oberstufenzentrum Büelen in Nesslau bereits. Aber die Sekundar- und die Realschule waren noch räumlich getrennt. Während die Sekundarklassen von verschiedenen Lehrkräften unterrichtet wurden, war ein Reallehrer für seine Klasse zuständig. Klassenlehrer zu sein, war ein Volljob. Ein Vorteil war sicher, dass der Stundenplan flexibler war und man Schwerpunkte setzen konnte. Bis zuletzt unterrichtete er in einem 100-Prozent-Pensum als einer der wenigen im Lehrerkollegium an der Nesslauer Oberstufe. Dies brachte mit sich, dass sich die Lehrer und die Schüler gut kannten. Kurt Grünenfelder lag viel daran, dass die Schüler eine Lehrstelle fanden, und es interessierte ihn, welchen Weg sie gegangen sind. «Oft habe ich gestaunt, was aus den ehemaligen Schülern geworden ist», sagt er. Sogar die Berufsmittelschule hat ein Schüler absolviert. Auch wurden viele Weiterbildungen angepackt. Auch der Lehrplan hat sich in all den Jahren verändert. «Der Anteil an musischen und handwerklichen Fächern wurde stark gekürzt oder sind zu Wahlfächern geworden», bedauert Kurt Grünenfelder.

«Kontakte knüpfen war nicht schwierig»

Gut in Erinnerung bleibt ihm das Lehrerteam auf der Oberstufe Nesslau. Man konnte während vieler Jahre auf bewährte Kolleginnen und Kollegen zählen. Der Beruf habe es mit sich gebracht, dass er viel Kontakt zu Menschen hatte – zu Berufskollegen, Schülern, Eltern und Lehrbetrieben. «Ich gehörte einfach dazu», sagt Kurt Grünenfelder.

Grosse Pläne hat Grünenfelder nicht. Er merke wohl erst mit der Zeit, dass die Belastung zurückgehen werde, da man in diesem Beruf ­stark mit menschlichen Anliegen konfrontiert werde. Freuen wird sich auf jeden Fall seine Frau Margrit. Auch sie könne nun ihre Pension besser geniessen, meint sie.