Nein zur zweiten Gotthardröhre

Entgegnung auf den Leserbrief von Max Büeler Ausgabe vom 5. Januar 2016

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Ich fühle mich geehrt, dass ein Urner sich die Mühe nimmt, auf mich einzugehen. Da können Sie es mir nicht verargen, dass ich wissen wollte, wer sich um mich bemüht: Der Sekretär des Ueberparteilichen Komitees für die zweite Gotthardröhre. (Sieben der zwölf Initianten dieses Komitees haben Mandate in Bauunternehmen.) Hier meine Antworten auf Ihre Behauptungen: Weniger Staus dank der 2. Röhre? Mehr Strassen bauen, um den Stau zu verhindern, sei genauso wie «seinen Hosengürtel öffnen, um Übergewicht loszuwerden», Zitat von Forscher Lewis Mumford 1955. Weit mehr als der Gotthard sind die Agglomerationen von Zürich, Genf Lausanne, Basel, Härkingen, Wiggertal von Staus betroffen (bei Genf an 270 Tagen, am Gubristtunnel an 347 Tagen). Mehr Transitverkehr bedeutet mehr Staus in der Schweiz. Drum die Verlagerung des Güterverkehrs auf die Schiene. Immenser Flächenverbrauch für die Verladestationen? Laut Berechnungen einer Gruppe von Experten der ETH und den SBB werden für die Terminals in Rynächt und in Biasca je eine Fläche von rund fünf Fussballfeldern gebraucht. Nur schon die Baustellen für die 2. Röhre in Airolo und Göschenen sind acht Fussballfelder gross; Millionen von Tonnen Ausbruchmaterial müssen transportiert und deponiert werden. Zur Lebensqualität die Ansicht der Ärztinnen und Ärzte für Umweltschutz (AefU): Eine 2. Röhre hätte schwerwiegende Folgen auf die Gesundheit der Tessiner Bevölkerung, die schon heute sehr stark unter der Luftverschmutzung durch den Transitverkehr leidet.

Catherine Lieberherr, Lärchenrain 9, 9630 Wattwil

Sicherheit auf den Strassen

Die Mitglieder des Komitees bedanken sich für die anregenden Rückmeldungen auf den Artikel vom 28. Dezember. Dabei zeigte sich, dass einige der Umweltfreunde verunsichert sind durch die Behauptung der Befürworter, eine zweite Autotunnelröhre senke die Unfallgefahr. Weil die Frage der Sicherheit viele beschäftigt, möchten wir auf diesem Weg Antwort geben: Sobald die Verkehrsmenge durch eine zweite Röhre auch nur um drei Prozent zunimmt, geht gemäss einer Studie der Beratungsstelle für Unfallverhütung (bfu) der Sicherheitsgewinn durch den spurgetrennten Tunnel wegen den zusätzlichen Unfällen ausserhalb des Tunnels wieder verloren.

Auch gibt es Massnahmen, um das Unfallrisiko zu senken: Bei der Sanierung des bestehenden Tunnels kann eine absenkbare Mittelleitplanke eingebaut werden. Der Einbau verunmöglicht Frontalkollisionen. Ab 2015 müssen neue Lastwagen mit Spurhalte- und Schnellbremsassistent ausgerüstet sein. Auch bei Personenwagen sind technische Sicherheitseinrichtungen auf dem Vormarsch. So kann die Unfallgefahr weiter reduziert werden. Ausserdem sterben rund 3500 Menschen jährlich an den Folgen der verkehrsbedingten Luftverschmutzung!

Die grösste Sicherheit bietet die Verlagerung des alpenquerenden Güterverkehrs auf die Schiene. Zwischen 1992 und 2012 sind laut bfu 23 Menschen im Tunnel gestorben.

Bei 21 waren Lastwagen involviert. Werden Lastwagen konsequent auf die Schiene verlagert, wie es die Verfassung vorschreibt, wird die Sicherheit im Tunnel markant erhöht. Zu diesem Zweck wird der Gotthard-Basis-Bahntunnel in diesem Jahr eröffnet.

Warum soll dieser konkurrenziert werden?

Wer also für mehr Sicherheit auf den Strassen ist, sagt nein zur zweiten Gotthardröhre. «Toggenburger Komitee 2. Gotthardröhre nein»,

Ursa Baltensperger, Remy Holenstein, Catherine Lieberherr, Hermann Müller, Christa Wellauer, Lärchenrain 9, 9630 Wattwil

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