Nein zur Hotelfinanzierung aus Steuergeldern

«Ein Impuls für die ganze Region», Ausgabe vom 29. März

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Es ist erfreulich, wenn private Investoren sowie die Hotelkette Jufa Potenzial in unserer Tourismusregion sehen und in der Gemeinde Wildhaus – Alt St. Johann ein Hotelprojekt realisieren wollen.

Meiner Meinung nach sollte eine politische Gemeinde solche Projekte mit geeigneten Rahmenbedingungen für eine reibungslose Realisierung unterstützen. Ein Zeichen dafür ist der ausgehandelte Baurechtsvertrag sowie die Vereinbarung über die Parkplätze, welche meiner Meinung nach gerechtfertigt sind. Den A-fonds-perdu-Beitrag von sieben Millionen Franken aus der öffentlichen Hand sprengt dann aber gewaltig den Rahmen. Die politische Gemeinde sollte sich nicht derart in die Privatwirtschaft einmischen und ein Drittel des Hotelbaus mit unseren Steuergeldern finan-zieren.

In unserer Gemeinde gibt es innovative, motivierte Unternehmer, die sich das Kapital für ihre Unternehmung ebenfalls selber in der Privatwirtschaft beschaffen mussten. Gegenüber all denen ist es nicht gerecht, wenn die Gemeinde dann bei einem ausländischen Investor sofort tief in die Tasche greift. Somit ist diese Hotelfinanzierung zu Lasten des Steuerzahlers nicht nur ein Risiko für den Gemeindehaushalt, sondern auch eine starke Marktverzerrung.

Lukas Huber, Hauptstrasse 885, 9657 Unterwasser

Jufa-Hotel in Wildhaus – «Wir können uns das leisten». Werter Herr Züllig, diese Aussage erscheint mir recht überheblich, oder sind die sieben Millionen Franken Ihr Geld? Nein, es ist das Geld unserer Gemeinde, unserer Stimmbürgerinnen und Stimmbürger sowie Steuerzahlerinnen und Steuerzahler. Grundsätzlich bin ich nicht gegen das Projekt eingestellt, aber ich wehre mich dagegen, einem Investor, der ohnehin genug Geld hat, noch sieben Millionen Franken zu schenken. Ausser diesen sieben Millionen müssen wir auch noch Zinsen bezahlen, was insgesamt 7,8 Millionen Franken ausmacht. Dazu kommt die Zurverfügungstellung des Baulandes, dies über einen Zeitraum von 60 Jahren. Die ITW/Jufa bezahlen uns dafür einen lächerlichen Betrag von knapp 7000 Franken jährlich. Wenn die Gruppe uns stattdessen 70000 Franken jährlich, das wären 4,2 Millionen Franken in 60 Jahren, abliefern würde, sähe die Sache anders auch. Anlässlich der Informationsveranstaltung vom 27. März wurden pro forma einige Fragen beantwortet, aber es besteht weiterhin grosse Unklarheit über viele finanzielle Aspekte. Wenn die ITW/Jufa derart vom Standort Wildhaus und der Rentabilität des Projektes überzeugt sind, warum finanzieren sie das Bauvorhaben nicht aus eigener Hand?

Ein weiterer Punkt ist, dass erst drei Wochen vor der geplanten Abstimmung «die Katze aus dem Sack» gelassen wird, nach dem Motto «friss oder stirb». Normalerweise, und vor allem wenn es um finanzielle Geschenke dieser Art geht, muss der Bürgerschaft eine angemessene Zeit zur Diskussion und zur Meinungsbildung eingeräumt werden. Mit zwei Informationsveranstaltungen – zwei und eine Woche vor der Abstimmung – wird diese Frist in keiner Weise eingehalten. Der Gemeinderat wirbt um Vertrauen in die Investoren und den Betreiber. Vertrauen kann nur gewährt werden, wenn die Parteien transparent und offen ihre Beweggründe, Finanzen, Zukunftspläne und Betriebsabrechnungen darlegen. Aufgrund der vielen Unstimmigkeiten und fadenscheinigen Begründungen muss ich das Ganze als einen gut verdeckten Kuhhandel interpretieren. Diese Vorlage soll abgelehnt und an den Gemeinderat zurückgewiesen werden mit dem klaren Auftrag zu Nachverhandlungen. Denn so, wie das Ganze jetzt aufgestellt ist, werden wir als Bürgerinnen und Bürger über kurz oder lang das Nachsehen haben.

Yvonne Zwingli, Egg, 9658 Wildhaus