«Nebel reinigt die Luft von Feinstaub»

Nebel muss nicht unbedingt zu erhöhter Luftbelastung durch Feinstaubpartikel führen. Das lässt sich meteorologisch erklären, aber auch durch flächendeckende Messungen empirisch beweisen.

Urs M. Hemm
Drucken
Teilen

EBNAT-KAPPEL. Nebliges Wetter wird häufig mit dadurch erhöhter Feinstaubbelastung in Verbindung gebracht. «Das ist nur teilweise richtig», sagt Susanne Schlatter vom Kantonalen Amt für Umwelt und Energie. Wenn es sich um eine Hochnebelschicht handle, könne das unter bestimmten Voraussetzungen zutreffen. In dichtem Nebel jedoch verhalte es sich genau umgekehrt, so Susanne Schlatter.

Wie ein Deckel

Hochnebel sei ein Phänomen, das hauptsächlich im Herbst und Winter auftrete. «Dabei ist die Luft in Bodennähe kühler als in den höheren Luftschichten», sagt Susanne Schlatter. Weil die Temperatur mit steigender Höhe normalerweise sinke, werde diese Wetterlage als Inversion bezeichnet. «Wird der Boden durch die Sonne erwärmt, verdunstet Feuchtigkeit, die als Nebel aufsteigt. Da aber kalte Luft schwerer als warme ist, hat sich in der Höhe eine Inversionsschicht, also eine Trennschicht, zwischen den beide Luftmassen gebildet, die der Nebel nicht durchdringen kann», sagt Susanne Schlatter. Diese Nebelschicht wirke wie ein Deckel, der Feinstaub und andere Schadstoffe wie Ozon oder Stickstoffdioxyd einschliesse. Bei so einer Wetterlage könne es – wenn es windstill ist – zu erhöhten Messwerten kommen.

Wasser bindet Feinstaub

Wenn man sich mitten im Nebel befinde, sehe die Situation, was die Feinstaubbelastung betreffe, anders aus, sagt Susanne Schlatter. «Feinstaubpartikel, vor allem von Holzheizungen, sind häufig salzhaltig», erklärt die Umweltfachfrau. Steige Feuchtigkeit auf, würden sich die feinen Wassertröpfchen mit dem Salz, das heisst mit dem Feinstaubpartikel, verbinden. Dadurch würden aus dem Dampf grössere Tropfen entstehen, die dann für uns als Nebel sichtbar würden. «So gesehen reinigt der Nebel die Luft von Feinstaubpartikeln, weil er sie bindet», so Susanne Schlatter. Diese Partikel würden dann als Niederschlag wieder zur Erde zurückkehren. Von daher sei die Belastung mit Feinstaub bei sehr nebligem Wetter eher tiefer.

Flächendeckende Messungen

Für die Überwachung der Feinstaubbelastung in der Region ist die Organisation Ostluft verantwortlich. Sie betreibt in der ganzen Ostschweiz Messstationen, unter anderem auch in Ebnat-Kappel. Gemäss ostluft.ch hat die Station an der Gillstrasse während der letzten 60 Tage den Grenzwert für Feinstaub von 50 Mikrogramm pro Kubikmeter nicht einmal überschritten. «Die Werte werden aber in den Wintermonaten, wenn der Boden erst richtig ausgekühlt ist und mehr geheizt wird, erfahrungsgemäss ansteigen», so Susanne Schlatter.