Naturtöne erklingen in Mühlrüti

Am Samstagvormittag reiht sich Auto an Auto am Strassenrand in Mühlrüti. Ein Blick auf die Kennzeichen verrät, dass die Halter aus den unterschiedlichsten Kantonen der Nordostschweiz kommen. Was ist nur los im kleinen Dorf am Fusse der Hulftegg?

Beatrice Bollhalder
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Der Gesamtchor spielte bei Regen im Freien auf. Ansonsten hielt man sich ans Schlechtwetterprogramm. (Bild: Beatrice Bollhalder)

Der Gesamtchor spielte bei Regen im Freien auf. Ansonsten hielt man sich ans Schlechtwetterprogramm. (Bild: Beatrice Bollhalder)

Am Samstagvormittag reiht sich Auto an Auto am Strassenrand in Mühlrüti. Ein Blick auf die Kennzeichen verrät, dass die Halter aus den unterschiedlichsten Kantonen der Nordostschweiz kommen. Was ist nur los im kleinen Dorf am Fusse der Hulftegg?

Die einen tragen eine Tasche mit sich, die kaum mehr als einen Meter lang ist, andere beginnen aus verschiedenen Teilen ein typisch schweizerisches Instrument zusammenzubauen, nämlich ein Alphorn. Ach ja, heute soll ja hier das 36. Alphorn- und Büchel-Wettblasen stattfinden. Dann dürften sich wohl in den Taschen solche Büchels befinden. Was das wohl für ein Instrument ist und wie es wohl tönt? Wer den Tag in Mühlrüti verbracht hat, weiss nun, dass dieses Instrument nicht nur optisch anders daher kommt, sondern auch durch seine speziellen, eher fanfarenmässigen Töne auffällt.

Vorträge in der Kirche

Bereits am Morgen regnet es, deshalb hat der Organisator, das Alphorntrio Mühlrüti, beschlossen, die Schlechtwettervariante zu wählen. Georg und Johann Hollenstein sowie Sepp Meile werden an diesem Tag durch viele Familienmitglieder unterstützt, die die Teilnehmer dieses Wettblasens nicht nur kulinarisch verwöhnen, sondern auch während der jeweiligen Wartezeit unterhalten. Viele von den Gästen sind aber meist in der Mühlrütner Kirche zu finden. Dort darf nämlich jeder ein Stück zum besten geben.

Die mehrköpfige Jury hört sich das genau an und macht sich Notizen. Bei den Solisten wird es darum gehen, wer schliesslich den Alphorn- und den Büchel-Wanderpreis mit nach Hause nehmen darf. Die Gruppen, Duetts, Trios oder Quartetts möchten dank der Bemerkungen der Jury – sie werden diese schriftlich erhalten – ihr Spiel weiter verbessern.

Obwohl Laien an diesem Tag bei den meisten Teilnehmern kaum einen falschen Ton hörten, werden die Jurymitglieder etwas finden, wie die Vorträge weiter verbessert werden können. Die Wettblasen-Teilnehmer haben sich seriös und mit noch mehr Üben als bisher auf diesen Tag vorbereitet. Wenn Mann oder Frau schon dem Nordostschweizerischen Jodlerverband angehört und sich bewerten lässt, dann will man auch alles geben. Entsprechend angespannt zeigten sich die Alphorn- und Büchelspieler vor ihrem wichtigen Auftritt in der Kirche und entsprechend erleichtert zu jenem Zeitpunkt, als der Applaus der vielen Zuhörer aufflammte.

Gratulation zum Jubiläum

Wer seinen wichtigen Auftritt bereits vormittags hinter sich gebracht hatte, konnte das Mittagessen in der Turnhalle in Mühlrüti eine Spur besser geniessen als jene, die erst nachmittags bewertet werden würden. Auch Georg und Johann Hollenstein sowie Sepp Meile hatten ihre Bewertung noch vor sich, aber die drei gebürtigen Mühlrütner, die seit vierzig Jahren gemeinsam auftreten, liessen es sich nicht nehmen, den Tag zu geniessen. Und die drei sind ja in dieser Beziehung «alte Hasen» und standen nicht zum ersten Mal vor einer Jury. Sie konnten also das Mittagessen inmitten Gleichgesinnter geniessen. Auch die «Tafelmusik», wie Johann Hollenstein Michi Juds musikalische Umrahmung nannte, passte zum Anlass. Nicht vorbereitet war das Trio darauf, dass sich gesangliche Gratulanten dazu gesellen würden. Das Jodelchörli Heimetfreud, dessen Unterhaltungsabend das Trio jeweils bereichert, stand unvermittelt vor den Jubilaren und erfreute dieses mit einigen Vorträgen.

Erleichterung nach Auftritt

Nachmittags folgte der grosse Auftritt des Alphorntrios Mühlrüti. Zahlreiche Zuhörer haben sich in der Kirche eingefunden, um sich ein Bild davon zu machen, wie es aussieht, wenn sich die Mühlrütner einer Jury stellen. Lockere Auftritte des Trios vor Publikum kennt man aus deren vierzigjährigem Wirken zuhauf, denn sie bereichern nicht nur Gottesdienste oder Unterhaltungsabende. Die Diaschau in der Turnhalle verriet ausserdem, in welche Städte und Länder ihr Hobby die drei schon geführt hatte. Beim Alphorntrio – wie später auch bei Johann Hollenstein, der sich ausserdem als Solist bewerten liess – stand die Erleichterung nach dem Auftritt ins Gesicht geschrieben. Das Stück scheint sehr gut gelungen zu sein. Die Bestätigung kam beim späteren Rangverlesen, konnten sich die Mühlrütner doch als dritte von den mehr als ein Dutzend bewerteten Trios feiern lassen. Bevor aber die Wanderpreise überreicht wurden, versammelten sich die Teilnehmer auf dem Kirchenvorplatz für den Gesamtchor. Die Jubilare wurden auf einem alten, geschmückten «Schilter» dorthin gefahren. Trotz Nieselregens genossen die Zuhörer das Konzert der vielen Alphörner.

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