Naturpark stimmt Bauern skeptisch

Kürzlich hat die Projektgruppe des Regionalen Naturparks Neckertal die Bevölkerung zu einem Informationsabend in Hemberg eingeladen. Vor allem von Seiten der Landwirte gab es kritische Stimmen. Sie fürchten zusätzliche Vorschriften und einen aufgeblähten Büroapparat.

Matthias Giger
Merken
Drucken
Teilen

HEMBERG. Einige der Landwirte sind noch nicht vom Nutzen eines Regionalen Naturparks Neckertal überzeugt. Auch am Informationsabend in Hemberg, an dem die Projektgruppe Interessierte über den aktuellen Projektstand orientierte, wurden kritische Stimmen laut. Es hiess, man sehe nicht ein, weshalb es für die schon jetzt intakte Natur im Neckertal einen teuren Büroapparat benötige. Auch das Referat von Landwirt Christian Schnider, der seine Erfahrungen mit dem seit zehn Jahren bestehenden Naturpark Biosphäre Entlebuch schilderte, vermochte die Zweifel am Nutzen eines Regionalen Naturparks Neckertal nicht zu zerstreuen. «Wir können all das, was Sie uns geschildert haben, auch ohne Naturpark-Label auf die Beine stellen», gab einer der Landwirte zu bedenken. Christian Schnider sagte, dass der Naturpark kein Erfinder sei, jedoch ein Partner, um innovative Produkte oder Dienstleistungen besser zu vermarkten. Vreni Wild, Gemeindepräsidentin von Neckertal und Leiterin der Spurgruppe, betonte, dass das Management des Naturparks beispielsweise verschiedene touristische Angebote vernetzen könnte.

Angeblich kein Geld mehr

Einer der kritisch eingestellten Landwirte sagte, er habe mit einem Parlamentarier gesprochen. Dieser habe ihm gesagt, der Bund würde die Beiträge für Naturpärke kürzen und ab 2017 den Geldhahn ganz zudrehen. Auf Nachfrage meinte Ulf Zimmermann, wissenschaftlicher Mitarbeiter des Bundesamtes für Umwelt, ihm sei nichts dergleichen bekannt. Es gäbe auch keinen parlamentarischen Vorstoss dazu. Weiter sagte er: «Die bestehenden Naturpärke geniessen eine hohe Akzeptanz in der Bevölkerung. Ich kann nicht verstehen, wie der namentlich nicht genannte Parlamentarier zu dieser Einschätzung gelangt ist.» Wie bereits an früheren Informationsveranstaltungen und Workshops zum Naturpark, äusserten einige Landwirte die Befürchtung, es könnten im Zusammenhang mit dem Naturpark zusätzliche Vorschriften auf Landwirte zukommen. Vreni Wild betonte, dass mit dem Naturpark keine weiteren Vorschriften erlassen würden. Die kritischen Landwirte zeigten sich offen und diskutierten nach dem Informationsteil des Abends nicht nur mit ebenfalls kritisch eingestellten Kollegen, sondern auch mit Befürworten. Christian Schnider, Landwirt des Birkenhofs Sörenberg im Entlebuch, erläuterte die Entstehung des Naturparks Biosphäre im Entlebuch. Schuld an der Entstehung sei eigentlich die Rothenthurm-Initiative zum Schutz der Moore von 1978. Damit seien die Moorgebiete im Entlebuch unter Schutz gestellt worden, ohne dass die Landwirte dies wollten. Erwacht sei man aber erst 1990, als es hiess, das gesamte Skigebiet Sörenberg liege im Moorgebiet, wofür sich jedoch ein Kompromiss fand. Die Entlebucher hätten sich gesagt, wenn die Natur ohnehin schon geschützt sei, könne man sich beim Bund auch Geld für die Pflege des Gebietes holen. «Widerstand gegen das Naturpark-Projekt gab es auch bei uns. Davon ist heute aber nichts mehr übrig», sagte Christian Schnider.

Stand des Projekts

Seit dem letzten Workshop, an dem die Bevölkerung mitwirkte, sind die Natur- und Kulturwerte im Neckertal von der Degersheimer Firma Geos inventarisiert worden. Derzeit erarbeitet die Projektgruppe den Managementplan.

Beim Apéro präsentierten die Arbeitsgruppen an verschiedenen Marktständen ihre Projektideen. Im Bereich der touristischen Angebote wurde beispielsweise das Projekt von E-Bike-Touren oder jenes eines Jurten-Dorfes vorgestellt. Jurten sind runde, wetter- und winterfeste Nomadenzelte. Im Bereich der Umweltbildung stellte Pavel Beco das Projekt des Lern- und Schulbauernhofes Albisboden in Dicken vor. Es umfasst Führungen, Wochenkurse für Schulklassen und Gruppen, Projekttage und Halbtages-Angebote zu Themen wie Wildbienen, Wildobst, Landwirtschaft und Naturschutz sowie der Herstellung von Lebensmitteln.

Regionalförster Christoph Gantner stellte das Projekt «Offener Wald» vor. Die Angebote umfassen einen halben Tag mit dem Förster durch den Wald zu gehen, selbst Hand im Bergwald anzulegen, lernen selbst «Böscheli» herzustellen oder einen dreitägigen Kurs zur Herstellung von Holzkohle. Brigitte Boukherbata aus Schönengrund zeigte ihre Kurse zur Herstellung von gesunden Hausmitteln. Esther Ferrari präsentierte die Projektidee des Kulturwegs Neckertal. Der vom Zivilschutz Neckertal erstellte Kulturweg Neckertal soll dabei instand gestellt und mit weiteren Angeboten ergänzt werden.