NATURERLEBNIS: Das schwarze Eis wird zunehmend weiss

Am Wochenende haben Hunderte den gefrorenen Seealpsee besucht: Schlittschuhläufer, Geniesser, Familien, Eishockeyspieler, Fotografen, Hunde. Einheimische und Touristen freuen sich gleichermassen am Spektakel.

Lukas Pfiffner
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Die einen betreten das Eis auf dem Seealpsee keck, die anderen vorsichtig. (Bilder: Urs Bucher)

Die einen betreten das Eis auf dem Seealpsee keck, die anderen vorsichtig. (Bilder: Urs Bucher)

Lukas Pfiffner

lukas.pfiffner

@appenzellerzeitung.ch

«Schau, da steht das Gasthaus Seealpsee. Dann kann es bis zum Seealpsee selber nicht mehr weit sein.» Ein Vater klärt den Nachwuchs auf, der mit ihm am Samstagmittag in einem der letzten steilen Aufstiege von Wasser­auen her unterwegs ist.

Einheimische und Touristen tragen Eishockeystöcke, Helme und Schlittschuhe vom Parkplatz oder von der Endhaltestelle der Appenzeller Bahnen auf 1141 Meter über Meer. Der Weg zum seltenen Naturerlebnis ist streng und autofrei. Nur Fahrzeuge mit schriftlicher Sonderbewilligung dürfen zum Seealpsee fahren. Besondere Naturphänomene reichen dafür nicht aus.

Bremswege der Hunde fallen länger aus als üblich

Wer die knapp 50 Minuten zu Fuss bewältigt hat, wird mit einem Spektakel belohnt. Eine junge Frau posiert mit einer Gruppe von Kolleginnen und Kollegen für Handyfotos. «Schnell, es knistert und knackt schon unter den Füssen!» Ihre Aussage ist nicht ernsthaft gemeint, sondern soll den Spass im Alpstein vertiefen. Eine professionelle Fotografin legt sich bäuchlings auf das Eis und bittet einen Mann, seine beiden Kinder auf Rutschtellern immer wieder hin und her zu ziehen. «Ja, klar. Das machen wir.» Der Nachwuchs jubelt. Daneben werden Hunde gelobt. Die rutschige Unterlage bremst deren Ehrgeiz beim gewohnten Steckliholspiel nicht. Die Bremswege fallen allerdings etwas länger aus als üblich. Ein paar Knirpse suchen die Eisfläche nach besonders interessanten Stellen ab. An einigen Stellen sind Luftblasen zu erkennen, an anderen macht die Durchsichtigkeit fast bis zum Seegrund der Bezeichnung «schwarzes Eis» alle Ehre.

Ein «Bröckli Südwind» gegen tiefe Temperaturen

Die Schlittschuhaktivitäten der vergangenen Tage führen aber dazu, dass kräftige Gleit- und Kratzspuren das Eis zunehmend weiss erscheinen lassen. Hunderte haben in den vergangenen Tagen das Natureis besucht. Als richtig winterlich lässt sich die Ambiance nicht bezeichnen. Schnee ist am Ufer und auf den Wiesen nur da und dort in ganz sanfter Pulverform vorhanden. Im Juni habe es «dort oben» mehr Schnee gehabt, berichtet ein älterer Innerrhoder und zeigt mit dem Arm in die Höhe. Dass es derzeit gar nicht so kalt sei, wie man vielleicht vermuten würde, habe mit einem «Bröckli Südwind» zu tun, ergänzt er. Der Einheimische gehört zur schlittschuhlosen Fraktion am Seealp­see. Diese geniesst anstelle der sportlichen Aktivität die reizvolle Umgebung und das gemütliche Zusammensein.

Das Restaurant Forelle wird derzeit allerdings umgebaut, auch die Fensterläden des Gasthofs Seealpsee sind geschlossen. Dafür ist im Freien eine Wirtschaft eingerichtet – mit Feuern, Getränken und Verpflegungsangeboten. Sich stärken macht Sinn, auch wenn der Rückweg um einiges leichter fallen wird.

Die Innerrhoder Behörden warnen mit dieser Tafel.

Die Innerrhoder Behörden warnen mit dieser Tafel.

Viel freies Eis für diesen Läufer und ein paar Spuren mehr auf dem See.

Viel freies Eis für diesen Läufer und ein paar Spuren mehr auf dem See.