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NATUR: Der Wald hat viele Gesichter

In Kirchberg trafen sich Waldeigentümer kürzlich zu einer Begehung des Forsts. Es zeigte sich: Wer Wald besitzt, trägt viel Verantwortung – ob in ökologischer, sicherheitstechnischer oder ideologischer Hinsicht.
Ursula Ammann

Der Wald ist Rohstofflieferant, Lebensraum für Tiere, Erholungsraum für Menschen und Beschützer vor Naturgefahren. Ein so komplexes Gebilde erfordert Wissen. Die Waldregion 1 lädt deshalb die Waldeigentümer im Sommer in allen Forstrevieren zu einer Veranstaltung ein. Kürzlich waren Wil und Kirchberg an der Reihe. In letzterem Forstrevier gibt es eine grosse Besonderheit. «Während in der Waldregion 1 rund 60 Prozent des Waldes in Privatbesitz sind, liegt dieser Anteil in Kirchberg bei 90 Prozent», sagte Roman Habrik. Er stand nicht in der Funktion des Gemeindepräsidenten vor den über 40 Anwesenden, sondern als Waldrat.

Eschentriebsterben beschäftigt seit Jahren

Fünf Posten warteten auf die Waldeigentümer. Unter anderem zum Thema Ökologie. Bereits im Vorfeld des Anlasses hatte sich jemand über das Eschentriebsterben erkundigt. Dieser Pilzbefall beschäftige seit 2008, sagte Regionalförster Raphael Lüchinger. «Ein Mittel dagegen gibt es nicht.» Ein einstelliger Prozentsatz an Eschen sei resistent. Auf keinen Fall empfehle es sich, im Voraus Eschen zu fällen. Der Eschenmarkt sei mittler­weile sowieso überschwemmt. Eine weitere Herausforderung für den Wald ist der Klimawandel. Den Fichten macht dieser zu schaffen. Nicht unbedingt wegen der wärmeren Temperaturen, sondern wegen der Trockenheit. Es gebe aber auch Profiteure, so Raphael Lüchinger. Die Eiche beispielsweise. In Bezug auf Schädlinge zeigt der Klimawandel jedoch wieder seine negativen Seiten. «Sie überleben besser bei wärmeren Temperaturen», so Lüchinger. Grundsätzlich gilt: Je artenreicher der Wald, desto widerstandsfähiger ist er gegenüber Schädlingen.

Eine Rolle für den Artenreichtum im Wald spielen Waldränder. Verlaufen diese stufig, so fördert das die Vernetzung und die Biodiversität. Vor diesem Hintergrund merkte ein Waldeigentümer an, man müsse das Mulchen von Weg- und Strassenrändern überdenken. Denn damit zerstöre man die dort vorhandene reiche Artenvielfalt.

Dass ein ökologisches Thema wie das Eschentriebsterben sich auch auf die Sicherheit auswirken kann, zeigte sich beim Posten, der vom Kirchberger Revierförster Marco Signer betreut wurde. «Ganze Kronenteile können welken und abbrechen», sagte er. Das birgt Risiken. Für Erholungssuchende, die im Forst unterwegs sind: Spaziergänger, Biker, Pilzler oder Schneeschuhläufer. Der Wald wird zunehmend mehr bevölkert, was die Eigentümer beschäftigt. Wie kann verhindert werden, dass bei den Forstarbeiten kein Unbeteiligter unverhofft dazustösst und verletzt wird? Wer ­haftet? Wichtig sei, grössere Fällarbeiten nicht alleine durchzuführen und das Gebiet immer abzusperren, sagte Marco Signer.

Auf die Verantwortung der etwas anderen Art machte Walter Wohlgensinger die Gruppe am Posten zum Thema «Schweizer Holz» aufmerksam. Der ehemalige Inhaber der Wohlgensinger AG Holzbau Mosnang appellierte an die Waldbesitzer, zu ihrem Rohstoff zu stehen. Wohlgensinger sieht in diesem grosses Potenzial. Gerade die jüngere Generation achte beim Hausbau immer mehr auf ökologische Aspekte. Diese Zielgruppe gelte es zu überzeugen von einem Haus aus Holz, aus Schweizer Holz. Der Entscheid für den einheimischen Rohstoff koste die Bauherrschaft rund 4000 Franken mehr, als wenn diese ein ausländisches Produkt wähle. «4000 Franken pro Haus, wohlverstanden».

Was die Unterstützung der Forstwirtschaft betreffe, sei auch die öffentliche Hand gefordert, befanden einige Waldbesitzer. Es könne nicht sein, dass der Kanton eine deutsche Firma bevorzuge, wie dies beim Fenstereinbau des landwirtschaftlichen Zentrums Salez der Fall war.

Hochleistungsfähiger Forstschlepper

Auch die Technik kam an der Waldbegehung nicht zu kurz. Renaldo Vanzo, Revier­förster Wil, und sein Team präsentierten den HSM 805 HD der Ortsgemeinde Wil. Der neue hochleistungsfähige Forstschlepper erleichtert die Arbeit im Wald erheblich.

Ursula Ammann

ursula.ammann@wilerzeitung.ch

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