Natron, Glyzerin und gefärbter Kartoffelstock: So rücken Foodstylisten das Essen ins richtige Licht

Zu den Aufgaben von Assata Walter aus Niederteufen gehört das Kreieren, Kochen und Fotografieren von Speisen für Magazine und das Internet. Tricks seien heute weniger gefragt, verrät die gelernte Köchin.

Karin Erni
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Foodstylistin Assata Walter ist auch als Rezeptautorin und Fotografin tätig.

Foodstylistin Assata Walter ist auch als Rezeptautorin und Fotografin tätig.


Bild: Benjamin Manser

Lebensmittel sollen auf Fotos besonders «amächelig» aussehen, damit sie sich besser verkaufen lassen. Dafür ist die Berufsgruppe der Foodstylisten zuständig. Oftmals, so die Vorstellung, wird für das perfekte Bild gehörig geschwindelt. Es kursieren Geschichten wie jene vom Cappuccino, der aus Motorenöl gebraut ist und dessen schöne Crema aus Rasierschaum besteht. Das sei früher tatsächlich oft so gemacht worden, sagt Foodstylistin Assata Walter aus Niederteufen. «Heute geht der Trend eher Richtung natürliches Aussehen der Speisen.» Es gebe allerdings Dinge, die sich in echt kaum fotografieren liessen, so die Fachfrau.

«Glacekugeln beispielsweise werden in der Regel aus eingefärbtem Kartoffelstock anfertigt. Diese Masse schmilzt nicht und man kann damit regelmässig strukturierte Kugeln formen.»

Gelegentlich muss auch sie in die Trickkiste greifen. Damit das Gemüse auf dem Bild richtig grün aussieht, kocht sie es kürzer als normal. Eine Prise Natron helfe ebenfalls, verrät sie ihren Küchentrick. «Bei Getränken muss man manchmal mit künstlichen Eiswürfeln arbeiten und die schönen Tröpfchen am Glas macht ein Glyzerinspray.»

Bekannte Auftraggeber

Die Speisen erhalten den letzten Schliff, bevor das Foto geschossen wird.

Die Speisen erhalten den letzten Schliff, bevor das Foto geschossen wird.


Benjamin Manser

Die Foodstylistin und Rezeptautorin arbeitet für verschiedene Kunden aus dem Lebensmittelbereich. Darunter sind bekannte Namen wie Migros oder Betty Bossy zu finden. Für die Gesundheitsnachrichten des Verlags A.Vogel in Teufen kreiert die gelernte Köchin jeden Monat ein saisonales Rezept, das im Magazin und online erscheint. «Für diesen Auftrag achte ich darauf, besonders gesunde und saisonale Zutaten zu verwenden», so Assata Walter. Zehn Vorschläge reiche sie der Redaktion jeweils ein. Zwei davon würden realisiert. Das Kochen und Fotografieren dieses Auftrags kann sie zu Hause erledigen. In der Familienwohnung hat sich die Mutter von zwei Kindern ein improvisiertes Fotostudio gebaut. Das Fotografieren habe sie sich mit Hilfe von Tipps von Fotografen selber beigebracht. Auf dem Stubentisch hängt an einem Fotostativ ein auswechselbarer Hintergrund. Als Reflektoren benutzt sie eine Styroporplatte oder einen mit Aluminium beschichteten Karton. Pinzette, Pipette und Wattestäbchen sind unverzichtbare Utensilien für die Arbeit, denn das Bildmotiv wird minutiös angeordnet. Manchmal putzt sie mit Wasser noch schnell etwas weg oder setzt ein entscheidendes Glanzpünktchen.

Die Utensilien liegen bereit.

Die Utensilien liegen bereit.


Benjamin Manser

Der Weg zum perfekten Bild

Etwas Geduld braucht auch, wer zusieht, wie lange Assata Walter für die Komposition des perfekten Bildes für das A.-Vogel-Rezept braucht. Immer wieder kontrolliert sie im Sucher, ob die Birnenstiele in die richtige Richtung schauen und korrigiert die Anordnung anschliessend. Auch beim Lichteinfall pröbelt sie mit reflektierenden Materialien, bis die Speisen «gluschtig» aussehen. Bei den Plakatproduktionen für die grossen Kunden arbeite sie mit Fotografen zusammen, sagt Walter. «Das ist noch viel extremer, da muss praktisch jedes Zuckerkörnchen am richtigen Ort sein.»

Eine grosse Herausforderung bei ihrer Arbeit sei, dass sie produktionsbedingt bis zu einem halben Jahr im Voraus arbeiten müsse, so die Foodstylistin. Das bedeutet, im Hochsommer Weihnachtsguetzli zu backen und im tiefsten Winter Erdbeerdesserts zu kreieren. Da spiele ihr die Globalisierung in die Hände. «Ich kann mir die benötigten Zutaten heute besser beschaffen und muss dafür nicht mehr die Grossmärkte in Zürich abklappern.» Überhaupt macht das Auftreiben von Zutaten und Dekoartikeln einen grossen Teil ihrer Arbeit aus. Gerne verwendet sie alte Backbleche, Werkzeuge oder Förmchen, die sie bei Betriebsauflösungen oder im Brockenhaus findet. «In meinem Stammbrocki kennen sie meine Wünsche und legen mir manchmal etwas auf die Seite, das sonst im Abfall landen würde. Auf einem Foto sieht ein altes, gebrauchtes Schneidebrett viel authentischer aus, als ein neues aus dem Laden.»

Ihren Beruf mache sie aus Freude am Essen. «Ich liebe es, überall auf der Welt alles zu probieren. Meine Familie findet das allerdings nicht immer so spannend.»