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Zittern im Wahlstübli: Das lange Warten auf die Entscheidung

Im Wahlstübli in Herisau durchleben die Nationalratskandidaten und ihre Entouragen einen emotionalen Steigerungslauf.
Yann Lengacher
Auch im Abderhalden-Camp rechnete man mit. (Bilder: Yann Lengacher)

Auch im Abderhalden-Camp rechnete man mit. (Bilder: Yann Lengacher)

Normalerweise ist der Kantonsratssaal im Herisauer Regierungsgebäude eine der wichtigen politischen Bühnen in der Ausserrhoder Politik. Am gestrigen Wahlsonntag nimmt allerdings das Foyer vor dem Saal diese Rolle ein. Um die Mittagszeit steigt der Tonpegel hier allmählich. Laufend treffen die Gäste ein, darunter natürlich auch die beiden Hauptprotagonisten dieses politischen Schauspiels, Jennifer Abderhalden und David Zuberbühler. Die zwei Nationalratskandidaten wirken anfangs locker, plaudern mit ihren Entouragen und gliedern sich somit perfekt in die Szenerie ein, die einem gemütlichen Apéro gleicht. Die Gäste brauchen nicht lange, bis sie sich mit Kaffee oder Orangensaft versorgt haben. Es wird gelacht. Viele Blicke sind noch nicht auf die Leinwand gerichtet. Wieso auch? Im Rennen um den Nationalrat ist noch nichts Entscheidendes zu sehen und bei der Ständeratswahl enteilt Andrea Caroni erwartungsgemäss seinem Konkurrenten Reto Sonderegger.

Spannend wird es um 12.25 Uhr. Zu diesem Zeitpunkt zeigt das Balkendiagramm auf der Leinwand einen 1000 Stimmen starken Vorsprung für Jennifer Abderhalden. Nun würden die Stimmen der Gemeinde Herisau ausgezählt, informiert Ratsschreiber Roger Nobs die Anwesenden. Herisau sollte zur Gemeinde werden, welche die Nationalratswahl entscheidet. Sowohl im Abderhalden- als auch im Zubi-Camp wird jetzt gerechnet. Angespannter scheint nun besonders David Zuberbühler zu sein: Sein Blick richtet sich immer wieder steif auf die Leinwand. Zwischendurch wischt sich der Unternehmer mit einem Taschentuch den Schweiss von der Stirn. Auch die übrigen Gäste drehen den Kopf nun in einer höheren Kadenz zur Leinwand, die Spannung im ­Foyer steigt.

Mama Abderhalden hält es fast nicht aus

«Jetzt, jetzt, jetzt, ach nein nicht schon wieder!» Ute Abderhalden, die Mutter von Jennifer Abderhalden, kann es kaum fassen, als eine Aktualisierung auf der Leinwand immer noch das gleiche Resultat zeigt. Sie wolle Gewissheit, dass es endlich vorbei ist. Die Minuten fühlen sich für die Involvierten immer länger und länger an.

Gegen 13 Uhr stellt sich Roger Nobs abermals vor die Leute, bittet um Aufmerksamkeit. Das Resultat für die Nationalratswahl stehe fest. Alle Kameras sind auf Abderhalden gerichtet, sie hat noch immer mehr Stimmen als Zuberbühler. «Gewählt ist mit 7720 Stimmen David Zuberbühler.» Sekunden nach der Verkündigung des Resultats bildet die Zubi-Entourage eine Jubeltraube um ihren Kandidaten, das SVP-Lager jubelt. Die Kameraleute hasten in die Ecke des bisherigen und neuen Nationalrats und filmen, wie es aus dem Herisauer und seiner Frau Yasmine herausbricht. Die beiden liegen sich weinend in den Armen. Und Jennifer Abderhalden? Auch sie umarmt ihre Leute und trägt die Niederlage mit Fassung. Mit 7561 Stimmen hat sie 159 weniger als Zuberbühler erzielt. Beide angetretenen Kandidaten erhalten Applaus. Das erwartete knappe Wahlresultat habe sich somit bewahrheitet, sagt FDP-Parteipräsidentin Monika Bodenmann später: «Ich glaube, dass es genauso gut auf unsere Seite hätte kippen können.» Bei ihr überwiege aktuell die Enttäuschung. Doch sei sie stolz auf das «starke Ergebnis» ihrer Kandidatin.

Ganz anders ist natürlich die Gefühlslage beim Ausserrhoder SVP-Parteipräsidenten Annick Reto Volger. Er sagt: «Es ist ein grosser Tag für unsere Partei, aber vor allen Dingen ein grosser Tag für David Zuberbühler. Ich denke, dass letztendlich seine Persönlichkeit den Unterschied ausgemacht hat.»

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