Nati-Spielerin auf Heimaturlaub

Victoria Bischof studiert und trainiert seit August in den USA. Die Fussballerin aus Teufen möchte sich für Aufgaben im U19-Nationalteam empfehlen und arbeitet dazu nach einem individuellen Plan ihres Collegetrainers.

Mea Mc Ghee
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Die Aussicht auf den Säntis vermisst Victoria Bischof, die seit fünf Monaten am Georgia Gwinnett College in den USA studiert. (Bild: Mea Mc Ghee)

Die Aussicht auf den Säntis vermisst Victoria Bischof, die seit fünf Monaten am Georgia Gwinnett College in den USA studiert. (Bild: Mea Mc Ghee)

«Verlieren kann ich nichts», sagte sich Victoria Bischof. Talentspäher hatten ihr angeboten, für ein Collegeteam in den USA Fussball zu spielen. Im Frühsommer 2017 war die Teufnerin den Scouts bei einem Meisterschaftsspiel für den FC St. Gallen-Staad aufgefallen.

Mit dem KV im Sack in die USA

Nach reiflicher Überlegung beschloss sie vergangenen Sommer, den Lehrabschluss im KV im Sack, auf die Karte Fussball zu setzen. Von mehreren Angeboten überzeugte jenes des Georgia Gwinnett College am meisten. In der Kleinstadt Lawrenceville studiert die 18-Jährige seit gut fünf Monaten mit einem Stipendium «Business Management».

Im Zentrum ihres Alltags steht aber der Fussball. Täglich trainiert Victoria Bischof mit ihrem neuen Team, den Georgia Gwinnett Grizzlies. Mit den Spielen und dem Athletiktraining kommen pro Woche gut zehn Sporteinheiten zusammen. In der Schweiz waren es vier Trainings pro Woche im Verein, dazu kamen die Meisterschaftsspiele.

Acht Stunden im Car für Auswärtsspiele

Bei den Grizzlies sammelte die Teufnerin in der Collegemeisterschaft fleissig Skorerpunkte. «Das gibt Selbstvertrauen», sagt sie. Ihr Spiel sei dynamischer geworden, sie habe an Kraft zugelegt. Etwa die Hälfte ihrer Mitspielerinnen sind Amerikanerinnen, der Rest sind Studentinnen aus aller Welt. «Ich lerne verschiedene Kulturen und Ausdrücke in mehreren Sprachen kennen», sagt die 18-Jährige. Nicht zuletzt während der langen Carreisen zu den Auswärtsspielen. Bis zu acht Stunden sei das Team jeweils pro Weg im Bus unterwegs. Eindrücklich sei die mehrtägige Teamreise nach Florida gewesen. Nebst zwei Auswärtsspielen besuchten die Grizzlies den Evergladespark und sahen Alligatoren.

Thanksgiving in Atlanta

Um sich in Lawrenceville fortbewegen und einkaufen zu können, hat Victoria Bischof ein Velo gekauft. Viel sei nicht los in der Stadt mit ihren rund 28000 Einwohnern. Am Feiertag Thanksgiving war die Teufnerin eingeladen nach Atlanta zur Familie einer Studienkollegin. Diesen Einblick in die amerikanische Kultur habe sie genossen. Victoria Bischof lebt in einer Studenten-WG auf dem College-Campus. Vier ihrer sieben Mitbewohnerinnen spielen mit ihr im Fussballteam. Nebst Familie und Freunden sowie der Aussicht auf den Alpstein vermisst die 18-Jährige das Schweizer Essen am meisten. Ausserhalb der Collegekantine gebe es hauptsächlich Fastfood, eine «furchtbare Esskultur».

Hoher Stellenwert des Frauenfussballs

Vieles sei anders in den Staaten, auch der Stellenwert des Frauenfussballs. Die Spiele werden auf der College-Website live kommentiert. Zweimal musste Victoria Bischof als Best-Player ein Interview geben, eine Herausforderung für die Gaststudentin. Damit sie sich optimal entwickeln kann, hat ihr Collegetrainer Michael Guiliano für die zweite Saisonhälfte einen individuellen Trainingsplan mit vier Schwerpunkten erstellt.

«Er ist wie ein Vertrag und ich verpflichte mich, hart zu arbeiten.»

Um sich zu verbessern, wird sie Trainings mit den Männern der Grizzlies absolvieren. Victoria Bischof möchte sich nämlich bei U19-Nationaltrainerin Nora Häuptle für die zweite Phase der EM-Qualifikation aufdrängen. Dazu gehört ein Trainingslager im Februar im spanischen La Manga. Im April spielt die Schweiz dann in Belgien das Qualifikationsturnier gegen die Gastgeberinnen, Finnland und Polen.

Aktuell weilt Victoria Bischof auf Heimaturlaub im Elternhaus in Teufen. Irgendwann im Januar wird sie wieder in die USA fliegen. Je nachdem, ob sie das zweitägige Trainingslager in Tenero mit dem U19-Nationalteam mitmacht. Bereits im vergangenen Sommer kam sie an der U19-Heim-EM zum Einsatz. Und anlässlich der laufenden EM-Qualifikation erzielte sie im Oktober gegen Zypern ihr erstes Tor im Nationaldress.

Für Aufgaben im Ausland empfehlen

Im Mai endet Bischofs Schuljahr als Freshman am Georgia Gwinnet College. Ob sie weitere Studienjahre im Ausland anhängen wird, lässt sie offen und sagt: «Ich würde gerne professionell Fussball spielen.» Die Einsätze mit der U19-Nati und eine allfällige EM-Teilnahme in Schottland wären für sie eine gute Plattform, um sich bei einem Verein im Ausland ins Gespräch zu bringen.