Narregmend tagt in Hundwil

HUNDWIL. Am Landsgemeindesonntag kommt die Narregmend nach Hundwil. Schauspieler Philipp Langenegger lässt eine alte Tradition wiederaufleben und nimmt «keine Rücksicht auf Verluste».

Michael Genova
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Die Ratsherren der «Narregmend»: Cherchepfleger Güggel Ruedi, Sportstarmagischter Holme Jock, Hompe Chläppere Sepp, Rotsseckelmeischter Rössli-Stompe-Joggeli, Kässelibueb Rössli-Stompe-Joggeli-Bueb. (Bild: Lorenz Reifler)

Die Ratsherren der «Narregmend»: Cherchepfleger Güggel Ruedi, Sportstarmagischter Holme Jock, Hompe Chläppere Sepp, Rotsseckelmeischter Rössli-Stompe-Joggeli, Kässelibueb Rössli-Stompe-Joggeli-Bueb. (Bild: Lorenz Reifler)

In aller Heimlichkeit haben sich die Ratsherren in den vergangenen Wochen getroffen und die Narregmend vorbereitet. Lange war unbekannt, wo sie stattfindet, nun steht fest: Der alte Brauch wird im ehemaligen Landsgemeindeort Hundwil nach 200 Jahren Pause wieder auferstehen.

«Das musst du wieder machen»

«Es ist ein Versuch», sagt Philipp Langenegger. Im vergangenen Jahr machte der Schauspieler zusammen mit Hackbrettbauer Werner Alder und der Musikerin Maya Stieger mit dem Stück «Narregmend» auf sich aufmerksam. Danach seien Besucher auf ihn zugekommen und hätten gesagt: «Das musst Du wieder machen.»

Die Narrengemeinde oder Rhodsversammlung war eine Parodie des Staatswesens und ihrer Protagonisten. Jeweils am Tag nach der ordentlichen Landsgemeinde machte sich die Bevölkerung über die Obrigkeit lustig und kritisierte die Beamten und ihre Amtsführung.

Aufreger und Lachanfälle

Für das Revival der Narregmend hat Hauptmann Chläppere Sepp, alias Philipp Langenegger, neue Rhodsherren rekrutiert. Es sind dies der Cherchepfleger Güggel Ruedi, Sportstarmagischter Holme Jock, Rotsseckelmeischter Rössli-Stompe-Joggeli und Kässelibueb Rössli-Stompe-Joggeli-Bueb. Wer sich hinter den klingenden Namen verberge, bleibe bis zum Landsgemeindesonntag geheim, sagt Langenegger. Auch zu den politischen Geschäften könne er im voraus nichts Näheres verraten. Im März rief Langenegger dazu auf, die Regierung der Narregmend mit Insiderwissen zu versorgen. Er war auf der Suche nach Anekdoten und Geschichten, die im vergangenen Jahr für «Aufregung, Lachanfälle oder Ärger» gesorgt hatten. Neben der Ratsrechnung werden zwei bis drei Gesetze vors Volk kommen. Auch ein komplizierter Gerichtsfall werde behandelt, und es geht um Bestätigungswahlen. «Zudem suchen wir einen neuen Ratsherrn», so Langenegger.

Für die musikalische Begleitung ist das Matrosenorchester vom Möhliweiher verantwortlich. Ein Matrosenorchester aus dem Appenzellerland? Auch auf diese Frage reagiert Langenegger lediglich mit einem vielsagenden Lachen. Er erwähnt noch, dass mit einer Kollekte Geld für alle Gemeinden in «Ossere Rhoden» gesammelt werde.

Ein «Fährtli» nach Hundwil

Philipp Langenegger hofft, dass einige Ausserrhoder ihr traditionelles «Landsgemeindefährtli» dieses Jahr mit einem Besuch in Hundwil verbinden. Nach der Narregmend folgt im Restaurant Bären dann der gemütliche Teil. Ausklang bei Gesang, Speis und Trank. Wer nach Hundwil komme, müsse aber wissen: «Die Narregmend ist die Narregmend – ohne Rücksicht auf Verluste», sagt Langenegger – und wieder lacht er dabei schelmisch.

Narregmend, Landsgemeindesonntag, 26. April, um 16 Uhr, beim Restaurant Bären in Hundwil, bei schlechter Witterung im Saal.

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