Nanas und Hühner zur Premiere

Mit dem «Kultur plus» an der Loretostrasse 6 ist Lichtensteig um ein Kulturlokal reicher. Ab heute Donnerstag bis Sonntag stellt Galeristin Barbara Broger aus Stein vier Künstlerinnen vor.

Patricia Wichser
Drucken
Teilen

Lichtensteig. «Wir haben hier eine fröhliche Kunstausstellung, die das Gemüt erheitert», bringt es Galeristin Barbara Broger auf den Punkt. «Allgemein, die Kunst muss etwas im Besucher auslösen, muss ihm etwas sagen und sie ist nicht zuletzt eine persönliche Sache», erklärt die Steinerin. Eine eigene Galerie hatte Barbara Broger schon lange im Hinterkopf. «Doch dass ich so schnell die geeignete Lokalität und dann noch eine in Lichtensteig finden werde – damit habe ich nicht gerechnet», meint sie glücklich. Die Ausstellung zeigt vier verschiedene Kunstrichtungen, die einander weder konkurrenzieren noch stören. Trendig sind die Ausstellungsstücke, ohne dem Mainstream zu verfallen. Sie üben eine Faszination aus, die wohl viele Besucher berührt, weil sie auf die Sehnsucht des Menschen nach Lebensfreude abzielt.

Endlich Nanas statt Nanos

Eine Gruppe von «Nanas», der überdimensionalen Frauenfiguren von Nicki de Saint Phalle, vermittelt Lebensfreude und Heiterkeit. Die Henauer Künstlerin Michelle Sutter bringt nun die Figuren in einer Wohnzimmer tauglichen Dimension ins Toggenburg. Gleich anschliessend sind die kunstvollen Keramikplättchen von Franci Grünenfelder auf Leinwand zu sehen. Goldige Einschlüsse auf dunkelblauem Hintergrund. «Ich lebte lange Zeit am Meer und für mich symbolisiert das Dunkelblau das Meer und das Gold die Insel und die Sonne», erklärt die Künstlerin, welche auch schon in Rom, Neapel und New York ausgestellt hat.

Worin liegt der Unterschied zwischen einem Schweizer Ausstellungsbesucher und einem New Yorker? «Das ist schwierig, weil es meine erste Ausstellung hier in der Schweiz ist», erklärt Franci Grünenfelder. «Schweizer kaufen Kunst selbstbewusst und nach Gefühl. Berührt sie ein Werk, so kaufen sie es», schätzt die Kunstschaffende. «Ein New Yorker organisiert seinen Kunstkauf durch einen Art-Manager, liest Kunstkritiken und schätzt ein, wie das Erstandene bei anderen ankommt.»

Schwemmholz-Gecko

Miriam Wohlgensinger stellt ihre Schwemmholz-Designs aus: Huhn und Hahn, ein grosser anmutiger Gecko und Fische. Das auserwählte Schwemmholzstück erhält mit kecken Blechgliedern das gewisse Etwas. Doch auch kleinere Ausstellungsstücke wie Schwemmholz-Vasen oder -Kerzenständer passen gut in fast jede Wohnung. Sogar Miriam Wohlgensingers Rosthühner wirken mit Perlketten frech und peppig. Die vierte Künstlerin im Bunde, Claudia Leu, präsentiert ihre Feuersäulen aus rostendem Stahl. Im Innern ist eine kleine Feuerstelle, durch welche die kunstvollen Ausschnitte die schönsten Licht- und Schattenspiele projizieren. «Aus den Schnittabfällen stelle ich die Stahlkugeln oder -schalen her», erklärt Claudia Leu.

Galeristin Barbara Broger zeigt sich zufrieden mit dem Aufbau der ersten Ausstellung. Im Untergeschoss war sie mit einer Wand konfrontiert, die Wasser durchlässt. Statt sich über die wasserbedeckte Ecke aufzuregen, stellte sie einen Holzsteg hinein und dekorierte diesen mit mediterranen Kunstwerken und modernen Gummistiefeln. Und sie hat auch schon weitere Projekte im Köcher: eine Ausstellung über Papieriges aus Pflanzen, kreative Sachen im Advent und einen Vortrag über Entwicklungshilfe. «Denn die Galerie soll nicht nur für Kunst genutzt werden sondern allgemein für die Kultur», lässt Barbara Broger durchblicken.

Aktuelle Nachrichten