Nahe an der Strasse, aber erlaubt

WATTWIL. Bald wird die ehemalige Buwag an der Ebnaterstrasse abgerissen. Sie macht Platz für drei Mehrfamilienhäuser. Dass zwei davon näher an die Strasse gebaut werden als im Baureglement steht, gibt nun zu reden.

Hansruedi Kugler
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So werden die Mehrfamilienhäuser aussehen.

So werden die Mehrfamilienhäuser aussehen.

Urs Keller ist ein aufmerksamer Zeitgenosse. Und er ist zum wiederholten Mal verärgert. Gegen die Sanierung der Ebnaterstrasse hatte er im Frühjahr 2014 fast im Alleingang das Referendum ergriffen – in der Abstimmung allerdings verloren. Er hatte sich daran gestört, dass Parkplätze verschwinden und kein durchgehendes Trottoir gebaut wird. Nun ärgert er sich, dass bei der geplanten Überbauung auf dem Areal der ehemaligen Buwag, der heutigen Toggenburg Medien AG, an der Ebnaterstrasse 18, die Strassenabstände nicht eingehalten werden. Strassenabstände für Neubauten sind nämlich in Artikel 20 des Baureglements der Gemeinde Wattwil festgelegt: An Staatsstrassen und Gemeindestrassen 1. und 2. Klasse haben Bauten und Anlagen einen Mindestabstand von fünf Metern einzuhalten. An der Ebnaterstrasse 18 sind es hingegen nur 3,65 Meter. Deshalb fragt er per Leserbrief, ob sich die Gemeindebehörden bei Baubewilligungen nicht an das eigene Baureglement halten müssten.

Näher wegen Überbauungsplan

Die Planauflage und die Bauanzeige der Überbauung sind seit 3. Dezember und bis 16. Dezember im Erdgeschoss des Gemeindehauses aufgehängt und öffentlich einsehbar. Peter Schweizer, Leiter Bau und Planung der Gemeinde Wattwil, erklärt die Abweichung beim Strassenabstand gegenüber dem Baureglement: Gemäss kantonalem Baugesetz (Artikel 22 bis 24) kann vom definierten Strassenabstand abgewichen werden, wenn ein Überbauungsplan besteht. Einen solchen hat der Gemeinderat Wattwil Anfang April 2014 für das Areal an der Ebnaterstrasse 14 bis 18 genehmigt. Dieser Überbauungsplan lag vom 3. April bis zum 2. Mai öffentlich auf. Die Einsprachen dagegen wurden bereinigt und der Überbauungsplan wurde mit der Genehmigung des Kantons am 22. Oktober rechtskräftig.

Innere Verdichtung als Ziel

Worum ging es bei diesem Überbauungsplan, der den Baubereich der Gebäude festgelegt hat? In einer Interessenabwägung waren die Grundeigentümer, die Gemeinde, das kantonale Tiefbauamt als Eigentümerin der Strasse und die Denkmalpflege zur Ansicht gekommen, dass die Baulinie näher als die fünf Meter an die Ebnaterstrasse gelegt werden könne, erklärt Peter Schweizer. Die Neubauten können so bis 3,65 Meter an die Kantonsstrasse erstellt werden. Die abgestuften Neubauten werden somit maximal auf die gleiche Flucht wie die bestehenden Gebäude erstellt.

Mit diesem Überbauungsplan sollte eine architektonisch und ortsbaulich gute Gesamtüberbauung in verdichteter Bauweise ermöglicht werden, schrieb der Wattwiler Gemeinderat Anfang April. Innere Verdichtung ist seit Jahren ein erklärtes bauliches Ziel der Gemeindebehörden. «Die Relesta, welche im Auftrag der Bauherrschaft für Architektur und Bauleitung der Überbauung zuständig ist, hat aus unserer Sicht vorbildlich informiert», sagt Peter Schweizer. Bereits vor der öffentlichen Auflage des Überbauungsplans seien alle Nachbarn informiert worden.

Was nun im Gemeindehaus als Bauanzeige einsehbar ist, orientiere sich selbstverständlich am rechtskräftigen Überbauungsplan, sagt Peter Schweizer. Diese Bauanzeige und Planauflage kann man bis 16. Dezember im Erdgeschoss des Gemeindehauses einsehen.

Drei Mehrfamilienhäuser sind auf der Buwag-Parzelle geplant.

Drei Mehrfamilienhäuser sind auf der Buwag-Parzelle geplant.

Die Bauvisiere vor der ehemaligen Buwag stehen nur 3,65 Meter vom Strassenrand entfernt. (Bilder: Hansruedi Kugler)

Die Bauvisiere vor der ehemaligen Buwag stehen nur 3,65 Meter vom Strassenrand entfernt. (Bilder: Hansruedi Kugler)

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