«Närrisch sein»?

Die Fasnachtszeit ist eine Zeit der Verkleidung, der Maskierung und des närrischen Treibens. «Närrisch sein» kann auch «Christ sein» bedeuten.

Jürgen Kaesler
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Jürgen Kaesler Pastoralassistent, Seelsorgeeinheit Bazenheid-Gähwil-Kirchberg (Bild: pd)

Jürgen Kaesler Pastoralassistent, Seelsorgeeinheit Bazenheid-Gähwil-Kirchberg (Bild: pd)

Die Fasnachtszeit ist eine Zeit der Verkleidung, der Maskierung und des närrischen Treibens. «Närrisch sein» kann auch «Christ sein» bedeuten.

Der junge Professor Josef Ratzinger hat in seinem berühmten Buch «Einführung ins Christentum» das Gleichnis des Philosophen Kierkegaard über den Clown und das brennende Dorf aufgenommen. In dieser Geschichte geht es um einen Reisezirkus in Dänemark, der in Brand gerät.

Daraufhin wird der Clown des Zirkus, der schon geschminkt war, in das nächste Dorf geschickt, um Hilfe herbei- zuholen. Doch die Dorfbewohner nahmen das wilde Geschrei des Clowns nicht ernst und lachten sich halbtot, da sie das Geschrei für einen ausgebufften Werbetrick hielten. Je mehr der Clown herumfuchtelte, desto mehr lachten die Dorfbewohner. So zog dieses Spiel sich hin, bis tatsächlich der Brand auf das Dorf übergriff und jede Hilfe zu spät kam. So könne der Christ, so Ratzinger, sich ebenfalls vorkommen wie ein Clown, der in eine andere «heutige Welt eingetreten ist» (Zitat aus dem Buch Joseph Ratzinger, «Einführung in das Christentum», München 1990, Seite 17).

Bisweilen kann man also, ausgehend von den frühen Schriften des späteren Papstes Benedikt XVI., «Christsein» als «Clownsein» verstehen: eine etwas andere Lebensweise mit verrückten, zurechtgerückten, das heisst christlichen Ansichten und Wertvorstellungen, die nicht dem Mainstream entsprechen. Verrückte Ansichten brauchen Mut und sind nicht immer leicht durchzuhalten. Es kann sogar passieren, dass man von anderen selbst als verrückt angesehen wird, wenn man zum Beispiel aus einer christlichen Einstellung heraus freiwillig Nachteile in Kauf nimmt. Wir sind immer wieder eingeladen, diesen Mut zu wagen, im Denken, in der Einstellung, sogar im Tun, auch wenn wir uns vielleicht etwas verrückt vorkommen mögen. In diesem Sinne – eine närrische Zeit

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