Nächste Haltestelle: Olten

HERISAU. Seine Karriere verlief im Schnellzugstempo. Daniel Abderhalden aus Herisau ist mit 36 Jahren Geschäftsführer des SBB-Reisezentrums Olten. Der begeisterte Guggenmusiker ist noch immer regelmässig in der alten Heimat anzutreffen.

Karin Erni
Drucken
Teilen
Bild: KARIN ERNI

Bild: KARIN ERNI

Der Bahnhof Olten ist einer der wichtigsten Knotenbahnhöfe der Schweiz. 80 000 Fahrgäste passieren ihn pro Tag. Gemessen an der Anzahl Züge ist er der drittgrösste Bahnhof der Schweiz. Hier ist der Herisauer Daniel Abderhalden Bahnhofvorstand. Wer sich nun einen älteren Herrn mit grün-weisser Kelle und steifem Uniformhut vorstellt, liegt ziemlich falsch. Der 36-Jährige präsentiert sich in lockerem Outfit. «Bahnhofvorstand war gestern», erklärt Daniel Abderhalden. Heute laute sein Titel «Geschäftsführer SBB Reisezentrum».

Zwischenhalt in Bern

Ja, er habe ziemlich schnell Karriere gemacht, sagt Daniel Abderhalden. Nach seiner Lehre in Uznach und Rorschach habe er schnell seine Wunschstelle im Flughafenbahnhof bekommen. «Die internationale Atmosphäre dort hat mir gefallen», sagt Abderhalden. Neun Jahre hat der Appenzeller im Flughafen gearbeitet. Doch irgendwann hatte er genug davon, immer an der Front zu stehen. Er absolvierte eine Weiterbildung am Hauptsitz der SBB in Bern und war dort anschliessend mehrere Jahre selbst als Ausbilder im Bereich Kommunikation für SBB-Verkäuferinnen und -Verkäufer tätig.

Heimwehappenzeller

Im Jahr 2012 zog es ihn wieder zurück an die Front. Er übernahm die Stelle als Stellvertreter des Geschäftsführers in Olten. Nach einem Jahr trat dieser ab, und Abderhalden konnte auf seinen Stuhl nachrutschen. In die Ostschweiz zieht es ihn vorerst nicht. «Ausser in St. Gallen steht dort kein Bahnhof in vergleichbarer Grösse von Olten zur Verfügung.» Und ausserdem gefalle es ihm in Olten sehr gut. Immer wieder trifft er dort auf Ostschweizer. «Kürzlich habe ich in der Altstadt einen ehemaligen Schulkollegen getroffen, der jetzt beim Energiekonzern Alpiq arbeitet.»

Wird man in Olten als Appenzeller wahrgenommen? «Die Leute nehmen mich einfach als Ostschweizer wahr. Das gibt immer wieder Anlass für Smalltalk.»

Leidenschaft Guggenmusik

Oft fragen ihn Kunden nach Ausflugstips. «Da gebe ich natürlich gerne einen Steilpass auf das Appenzellerland», lacht Daniel Abderhalden. Hier ist der Heimwehappenzeller im übrigen fast jedes Wochenende anzutreffen. Der ehemalige Präsident der Guggenmusik Herischrenzer besucht Herisau regelmässig. Von Oktober bis zur Fasnacht probt er jede Woche mit der Guggenmusik, und auch ausserhalb der Saison bestreiten sie regelmässig Auftritte. Für all das nimmt er sich gerne Zeit. «In den 15 Jahren des Bestehens haben sich einige sehr wertvolle Freundschaften gebildet, und wir halten auch ausserhalb der Musik Kontakt zueinander», so Abderhalden.

Familienmensch

Das Wichtigste ist ihm aber seine Familie. Mit seinen Eltern, insbesondere dem Vater, der ihm den Zugang zur Musik vermittelte, tauscht er sich regelmässig aus. In besonderer Erinnerung hat er seine Grossmutter. «Sie sagte immer, sie sei schuld an meiner Bähnlerkarriere», lacht Abderhalden. «Als ich noch ein kleines Kind war, ist sie jeden Abend mit mir an den Bahnhof gegangen, weil ich nicht schlafen wollte, ohne vorher die Züge gesehen zu haben.»

Aktuelle Nachrichten