Nachhaltig in die Energie-Zukunft

Am Dienstag informierte die Gemeinde Lichtensteig gemeinsam mit dem Förderverein «Energietal Toggenburg» und dem regionalen Forstamt über aktuelle Energiethemen. Dabei wurde der Nutzen von Investitionen in erneuerbare Energiequellen herausgearbeitet.

Nadine Rydzyk
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LICHTENSTEIG. Die von der Energiekommission Lichtensteig organisierte, öffentliche Informationsveranstaltung in der Bodega Noi lieferte einen Überblick über die Energiepolitik der Gemeinde, die politischen Rahmenbedingungen und Fördermöglichkeiten sowie das Potenzial des in der Region vorhandenen Holzes als Energieträger.

Energielabel im Blick

Wie Gemeinderat und Energiekommissionsmitglied Martin Fricker erklärte, sei es nicht wünschenswert, heute Geld sparen zu wollen, welches die nächste Generation zu zahlen habe. Zudem habe man schon bei vielen Neuerungen, wie beispielsweise dem flächendeckenden Anschluss an die Kläranlagen, einst geglaubt, dass dies nicht möglich sei. Aus diesem Grund habe man sich in Lichtensteig entschieden die Strategie des Energielabels einzuschlagen, solange dies noch auf freiwilliger Basis erfolgen kann. Dazu gehöre, dass neben der Priorität Versorgungssicherheit auch das Bewusstsein in der Bevölkerung geschärft und die Nutzung erneuerbarer Energiequellen gefördert werde. «Wir wollen aktiv an diesen Themen arbeiten», stellte er in Aussicht, zumal dies in Lichtensteig keine Utopie, sondern real erreichbare Vorhaben seien.

Attraktive Förderungen

Thomas Grob, Präsident des Fördervereins «Energietal Toggenburg», erläuterte, wie diese Vorhaben und eine dezentrale Energiezukunft mit dem Grundeigentümer als Energieproduzenten aussehen kann und wie diese gefördert wird. Denn, im gleichen Atemzug, wie es eine Verbrauchsreduzierung bedürfe, brauche es auch Energie aus erneuerbaren Quellen. Bund und Kanton bieten den Hauseigentümern hier für Investitionen die Hand und finanzielle Unterstützung. So konnte Thomas Grob von einigen Neuerungen berichten, die eine entsprechende Investition erleichtern. So dürfen, mit Ausnahme von geschützten Kulturdenkmälern, Solaranlagen neu im Meldeverfahren errichtet werden. Neben Gestaltungsregeln informierte er zudem über Anpassungen in der kostendeckenden Einspeisevergütung. Diese wird bei Kleinanlagen neu mit einer Einmalvergütung von einem Drittel der Investitionskosten unterstützt. Bei mittleren Anlagen hat der Eigentümer die Wahl zwischen einer einmaligen oder einer wiederkehrenden Zahlung. «Der einzige Wermutstropfen sind die langen Wartezeiten», resümierte Thomas Grob. Er blickte aber auch in die Zukunft der Energiestrategie 2050 und musste feststellen, «dass eine verlässliche Energiepolitik noch auf sich warten lässt». Als positive Neuerung konnte er aber noch ergänzen, dass die Eigenverbrauchsregelung angepasst wurde und nun der selbstproduzierte Strom auch rechtlich festgeschrieben selbst verbraucht werden darf. So machte er generell Mut zur Investition in eine Zukunft mit dezentral produzierter Energie aus erneuerbaren Quellen.

Energieholz aus der Region

Revierförster Ernst Aerne klärte entsprechend mit aktuellen Zahlen über die heutige Nutzung des ältesten Energieträgers der Menschheit, des Holzes, auf. Im Toggenburg ist rund ein Drittel der Fläche bewaldet. Der Wald allerdings dient nicht nur der Holzgewinnung, sondern nimmt auch eine Funktion als Schutzparameter, als Lebensraum und als Erholungsgebiet ein. Dennoch werden hier jährlich 108 000 Festmeter Holz gewonnen, von denen rund 31 000 Festmeter Energieholz sind. Dieses kommt als Nebenprodukt zum Bau- und Industrieholz aus dem Wald. «Der Grossteil der Stückholzmenge wird im Toggenburg im Kleingewerbe erzeugt», erläuterte Ernst Aerne. Neben diesem fallen noch Holzschnitzel und energieliefernde Abfallprodukte der Sägewerke an. Wie er erklärte, sei das Potenzial des Energieholzes aus dem Toggenburg allerdings angesichts der als Abnehmer vorhandenen oder geplanten Holzenergieanlagen fast ausgeschöpft, doch bestünde hier noch eine gewisse Reserve. Für die Gemeinde sei eine Holzschnitzelheizung für die Primarschule jedenfalls eine denkbare Variante, wie Martin Fricker erklärte. Diesbezüglich befinde man sich im Evaluationsprozess, der einer der vielen Schritte hin zu einer energiebewussten Zukunft in Lichtensteig ist.