NACHGEFRAGT

«Abschirmen macht keinen Sinn» In einem offenen Brief hatte sich das Solidaritätsnetz Ostschweiz an die Vereinigung der St. Gallischen Gemeindepräsidentinnen und Gemeindepräsidenten VSGP gewandt (Toggenburger Tagblatt vom 7. April).

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«Abschirmen macht keinen Sinn»

In einem offenen Brief hatte sich das Solidaritätsnetz Ostschweiz an die Vereinigung der St. Gallischen Gemeindepräsidentinnen und Gemeindepräsidenten VSGP gewandt (Toggenburger Tagblatt vom 7. April). Es warf unter anderem die Frage auf, weshalb in der Asylunterkunft Girlen keine Besuche gemacht werden können. Einige Vertreter waren am Tag der offenen Tür im Girlen. Josef Wirth schildert seine Eindrücke.

Herr Wirth, wie war Ihr Eindruck vom Asylzentrum Girlen?

Mein erster Eindruck: Es läuft nicht gut dort oben. Nach dem, was ich gesehen habe, halte ich die Fragen, die wir im offenen Brief gestellt hatten, für berechtigt.

Konnten Sie Ihre Fragen stellen?

Wir haben viele kritische Fragen gestellt. Entsprechend sind wir auch wie Stänkerer behandelt worden. Den Präsidenten der VSGP, Beat Tinner, habe ich schon bei einem früheren Gespräch auf das Besuchsverbot und das bemängelte Essen angesprochen. Ich frage mich immer noch: Weshalb muss man die Asylsuchenden so abschirmen?

Haben Sie Antworten erhalten?

Die Begründung lautet, man wolle die Privatsphäre der Asylsuchenden nicht verletzen. Doch im Ernst: Ist ein Achterzimmer, wo jeder eine Matratze und eine Kiste für Hab und Gut hat, noch Privatsphäre? Abgesehen davon wird niemand in die Zimmer gehen, sondern Besuche sollen im Aufenthaltsraum stattfinden. Der Tag der offenen Tür und die Möglichkeit auf Gesellschaft hat den Asylsuchenden Freude bereitet. Auch haben sie mir erzählt, dass sie an Ostern, als sie in die Kirche gehen durften und unter Leuten waren, das erstemal wie Menschen behandelt worden sind. Insofern fühle ich mich bestätigt.

Und das Essen?

Darüber haben sich einige Asylsuchende beklagt. Natürlich ist das Geschmacksache – aber wenn es gleich mehrere sind, die das Essen bemängeln, frage ich mich, weshalb es nicht möglich ist, etwa Besseres, weniger Billiges auf den Tisch zu bringen.

Was werden Sie nach dem Besuch weiter tun?

Mir wurde am Samstag vom Leiter Bela Gabanyi gesagt, dass man auf Einladung eines Asylsuchenden von 10 bis 18 Uhr Besuche machen kann. Darauf will ich mich berufen. Ich werde versuchen, Leute dazu zu bewegen, auf Besuch zu gehen. Die Asylsuchenden sind doch sonst völlig allein gelassen.

Sie bleiben also aktiv.

Absolut. Ich werde wohl auch mit Menschen aus Ebnat-Kappel in Kontakt treten, um herauszufinden, ob es nicht möglich ist, einen Fahrdienst einzurichten, damit die Asylsuchenden ins Dorf gelangen können. Eine Betreuungsperson hat mir gesagt, dies sei durchaus erlaubt. Und ferner werde ich die Möglichkeit eines Spielnachmittags im Girlen weiter verfolgen. Diesbezüglich hat mir der Leiter ebenfalls bestätigt, dass das in Ordnung geht. Wenn doch nicht, war alles ein bedauernswerter Bluff.

Wie wollen Sie vorgehen?

Nun, das muss sicher gut organisiert werden. Ich werde den Kontakt mit der Pfarrei suchen, vielleicht ergeben sich Möglichkeiten, die Besuche, den Fahrdienst und die Spielnachmittage so aufzugleisen. (ohu)

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