Nachgefragt

«Zeit nehmen für Betroffene» Die zahlreichen Missbrauchsfälle haben die Schweiz erschüttert. Der früher im Thurgau tätige Herbert Wyss, ist als jetziger Leiter Task Force Gewalt auch für die betroffenen Ausserrhoder Heime zuständig.

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«Zeit nehmen für Betroffene»

Die zahlreichen Missbrauchsfälle haben die Schweiz erschüttert.

Der früher im Thurgau tätige

Herbert Wyss, ist als jetziger Leiter Task Force Gewalt auch für die betroffenen Ausserrhoder Heime zuständig. Er spricht über Reaktionen und das weitere Vorgehen.

Herr Wyss, wie haben Sie die letzten 24 Stunden erlebt?

Ich habe bei den Mitarbeitern eine grosse Betroffenheit gespürt. Sie sind tief erschüttert. Seitens der Eltern haben wir noch keine Reaktionen erhalten. Die Eltern aller im Werkheim Neuschwende und im Heim Columban untergebrachten behinderten Menschen haben von uns einen Brief und eine Einladung zu einem Informationsanlass erhalten. Ich gehe davon aus, dass sie uns dann ihre Anliegen, Ängste und Sorgen mitteilen werden.

Wie läuft dieser Anlass ab?

Wir reden von drei betroffenen Elterngruppen, die unterschiedliche Fragen haben werden. Eine Gruppe sind Eltern, deren Kind zum Zeitpunkt der Übergriffe noch nicht in einem der beiden Heime waren. Dann gibt es Eltern, deren Kind damals schon in Trogen respektive Urnäsch lebte, jedoch nicht missbraucht wurde. Und dann gibt es die Gruppe von Eltern, deren Kind sexuell missbraucht wurde. Wir werden uns für sie Zeit nehmen, sie informieren und unterstützen. Zudem können sie sich auch an die Opferhilfe wenden.

Wurden die Heimbewohner über die Vorfälle informiert?

Nein. Das würde keinen Sinn machen, denn dadurch würde nur eine sekundäre Traumatisierung ausgelöst. Sie alle verhalten sich völlig normal. Wir werden aber genau hinschauen, um allfällige Auffälligkeiten festzustellen und dann wenn nötig Massnahmen ergreifen. Auch behinderte Menschen sind in der Lage, sich nach einem Schock wieder zu stabilisieren, ohne psychisch daran zu erkranken. Wir dürfen nicht vergessen, die Vorfälle liegen über 20 Jahre zurück.

Sie kennen die Ausserrhoder Heimaufsicht. Wie schätzen Sie deren Arbeit ein?

Die zuständigen Personen in Ausserrhoden haben eine hohe Problemsensibilität. Das hat sich in den letzten Tagen deutlich gezeigt. Das Ausserrhoder System muss daher den Vergleich mit grösseren Kantonen nicht scheuen. Die Aufträge an die Heime betreffend Qualitätsmanagement sind klar und werden hier auch umgesetzt. (bra)

Unter der Nummer 031 634 34 34 ist eine Hotline eingerichtet

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