Nachfolgeregelung zeitig angehen

Einen geeigneten Nachfolger für sein Unternehmen zu finden, ist keine leichte Aufgabe. Dennoch werden alle KMU früher oder später mit diesem Problem konfrontiert. Was es dabei zu beachten gilt, thematisierten zwei Referenten auf Einladung der Toggenburger Raiffeisenbanken.

Urs M. Hemm
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EBNAT-KAPPEL. In der Schweiz – und diese Zahlen sind auch auf das Toggenburg anwendbar – wird sich jedes vierte KMU in den kommenden fünf Jahren mit der Frage nach einem Nachfolger befassen müssen, sagte Urs Wohlgensinger, Mitglied der Bankleitung der Raiffeisenbank Unteres Toggenburg, in seiner kurzen Einführung. Dabei werde aber oft unterschätzt, welche betriebswirtschaftliche, aber auch menschliche Herausforderung die Regelung der Unternehmensnachfolge bedeuten kann. Der ehemalige St. Galler Regierungsrat und Vorsteher des Volkswirtschaftsdepartements, Josef Keller, beleuchtete in seinem Referat die volkswirtschaftliche Bedeutung einer geregelten Nachfolge. Im Anschluss stellte Andreas Salcher, Leiter Segment Firmenkunden, Raiffeisen Schweiz, ein Modell vor, welches Firmeninhabern in jeder Phase des Nachfolgeprozesses Hilfestellung leisten kann – sei es durch Fachberatung oder durch Coaching. Der Einladung der Toggenburger Raiffeisenbanken am Dienstagabend in das Hotel Kapplerhof folgten gut 110 Interessierte.

Bedeutung der KMU erkannt

«Aus volkswirtschaftlicher Sicht ist eine frühzeitige und erfolgreiche Nachfolgeregelung in KMU von zentraler Bedeutung, sind doch in den kommenden fünf Jahren rund 300 000 Betriebe mit fast 3,2 Millionen Mitarbeitern mit dieser Thematik konfrontiert», sagte Josef Koller eingangs seines Referats. Werde die Regelung der Nachfolge zu spät angegangen oder die Entscheidung nicht sorgfältig genug getroffen, seien volkswirtschaftliche Kosten die Folge. Diese zeigten sich beispielsweise im Aufschub von nötigen Investitionen oder geringerer Innovationskraft. Das wiederum könne zu Verunsicherung Dritter wie Kunden und Lieferanten führen. Nicht zuletzt gefährde ein Unternehmer, der sich der Relevanz einer sorgfältigen Nachfolgeregelung nicht bewusst sei, Arbeitsplätze, so Josef Keller. «Nicht nur Unternehmer, auch die Politik, Verbände und die Beratungsbranche waren sich der Wichtigkeit der Nachfolgeregelung in den vergangenen Jahren nicht immer bewusst. Der Fokus lag primär auf der Gründung von Firmen oder deren Neuansiedlung», stellte er fest. Mittlerweile jedoch wurde erkannt, dass in diesem Bereich Nachholbedarf besteht und Institutionen, wie beispielsweise die Stiftung KMU Next, ins Leben gerufen. Diese, von Banken, Beratungs- und Anwaltsfirmen sowie von Universitäten getragene Stiftung fokussiert ihre Arbeit auf massgeschneiderte und damit Erfolg versprechende Unternehmensnachfolgen, so Josef Keller.

Stolpersteine erkennen

Die Übergabe eines Unternehmens – sei es innerhalb der Familie oder an externe Käufer – sei nicht ein einziger Akt, sondern ein Prozess, der sich über mehrere Jahre hinweg ziehen könne, fuhr Josef Keller fort. «Im Verlauf dieses Prozesses gibt es verschieden Stolpersteine, die eine erfolgreiche Übergabe verzögern oder gar verunmöglichen können», schildert er. Dazu gehörten emotionale Hemmnisse wie eine starke Bindung des Patrons an die Unternehmung oder unterschiedliche Auffassungen und Erwartungen zwischen Unternehmer und potenziellem Nachfolger. Oft werde auch der Zeitbedarf unterschätzt. Dabei könnten unnötige Verzögerungen ein Unternehmen schwächen, weil die Zukunft des Unternehmens, beispielsweise für Lieferanten, unklar ist. Zudem ist abzuklären, ob nicht betriebsnotwendige Mittel wie Immobilen, den Verkauf des Unternehmens erschweren könnten.

In der Regel wolle ein Unternehmer seine Firma nicht an den Nächstbesten verkaufen, sondern ist sich seiner Verantwortung gegenüber seinen Mitarbeitern, Kunden und Lieferanten bewusst, meinte Josef Keller. Daher wird er sich zuerst grundsätzliche Gedanken darüber machen müssen, ob er eine familieninterne oder externe Lösung verfolge. Auch über die Höhe der Verkaufssumme werde er sich Gedanken machen müssen aufgrund seiner persönlichen Vermögenslage, Einkommenssicherung und privater Altersvorsorge.

Nachfolgemodell der Raiffeisen

Dass die Bewältigung eines derart komplexen Themas alleine fast nicht mehr zu schaffen ist, liege auf der Hand, sagte Andreas Salcher. Daher habe Raiffeisen Schweiz ein Modell entwickelt, das den Unternehmer während des ganzen Prozesses begleite. «Um Übersicht zu schaffen, haben wir den Prozess in in vier Schritte gegliedert: In die Initiierung, die Vorbereitung, die Umsetzung und schliesslich die Nachbearbeitung», erklärte er. Zum ersten Schritt gehört der Raiffeisen-Nachfolge-Check. Das ist ein Online-Fragebogen zur Selbstbeurteilung und Analyse der aktuellen Situation des Unternehmens. «Im so genannten Nachfolge-Dialog werden die Ergebnisse dieser Analyse und das weitere Vorgehen besprochen», erläuterte Andreas Salcher. Als Nächstes können für eine vertiefte Analyse externe Berater zugezogen werden. In einer dritten Phase werden die beschlossenen Massnahmen umgesetzt. «Wichtig dabei ist ein steter Informationsaustausch zwischen Unternehmer, den Beratern und der Bank, um nötigenfalls rechtzeitig korrigierend eingreifen zu können.» Schliesslich komme es zur Übergabe des Unternehmens und in einem vierten Schritt zur Nachbereitung.

Nicht warten – handeln

Entscheidend sei der Zeitfaktor. «Eine Firmenübergabe zu planen, vorzubereiten und durchzuführen, braucht Zeit», betonte Andreas Salcher. Es sei daher nicht ratsam, bis zum letztmöglichen Zeitpunkt damit zuzuwarten. «In der Banche sagt man: mit 50 Jahren darf man, mit 55 soll man und im Alter von 60 Jahren muss man sich um die Nachfolgeregelung kümmern», so Andreas Salcher. Die Raiffeisen unterstütze die Stiftung KMU Next und verfüge zudem für alles, was nicht mit Finanzierung oder Anlageberatung zusammenhänge, selber über ausgesuchte Netzwerkpartner, die als Berater in betriebswirtschaftlichen, rechtlichen oder treuhänderischen Fragen fachkundig-beratend jederzeit zur Seite stehen, versicherte Andreas Salcher.