Nach zwanzig Jahren singt auch der Wirt

Gehörig gehört ein Jubiläum gefeiert. Die Krummenauer «Sonne» hatte eines zu feiern und begann damit gleich mit der Geburtstagsfeier der Schweiz. Da warens 720 Jahre und 700 Jahre weniger waren es bei der «Sonne». 20 Jahre also, aber immerhin.

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Gehörig gehört ein Jubiläum gefeiert. Die Krummenauer «Sonne» hatte eines zu feiern und begann damit gleich mit der Geburtstagsfeier der Schweiz. Da warens 720 Jahre und 700 Jahre weniger waren es bei der «Sonne». 20 Jahre also, aber immerhin. Am Montag bestellte Wirt Peter Bösch Roger&the Wild Horses in die «Sonne», am Mittwoch zur eigentlichen Jubiläumsparty den ehemaligen Velofahrer Bruno Risi als Star-Gast hinter der Bar, am Freitag die Appenzeller Sioux als Stimmungsmacher und am Samstag, zum grossen Finale, Invade, die eigentliche Hausmusik der «Sonne». Ergänzend sei bemerkt, dass damit noch nicht Schluss war mit der Feierei, denn zum Frühschoppen am gestrigen Sonntag spielte das Duo Ruedi & Lothar zu Kaffee und Gipfeli auf.

Es wurde gemunkelt

Doch zurück zum Samstag. Er sollte der Höhepunkt werden, nicht nur wegen der angesagten Band, sondern weil auf der Bühne ganz Besonderes geschehen würde. Es wurde gemunkelt, dass ein ganz besonderer Gast auf der Bühne auftreten würde. Gastmusiker waren angesagt, zwei Namen waren schon im Voraus halbwegs durchgesickert. Aber man wusste auch, dass das bestimmt noch nicht alles war. Wie wahr. Da stellte sich auch noch ein Dritter in die Reihe, doch davon später. Doch im ersten Drittel spielte Invade erst mal ohne Beigemüse sein Programm. Nicht zum ersten Mal waren die neuen und alten Songs an dieser Stätte zu hören, denn die fünf Toggenburger Musiker Sandro Pantaleoni, Cello Pedrett, Franco Pellegrini, Markus Schälli und Heinz Wellauer gehen in der «Sonne» sozusagen ein und aus. Invades-Fans ebenso und darum kam schnell Stimmung auf im Saal.

Auf dem Höhepunkt

Dann die ersten Gäste: Hans Rüegg und Rolf Bischof, zwei profunde Gitarristen, letzterer auch ein begnadeter Sänger. «Can't find my way home» gaben die sieben Aufrechten zum Besten, und das, ohne geprobt zu haben, wenigstens nicht mehr seit vier Wochen vor diesem Auftritt. Denn auch Musizierende haben Ferien verdient und ebensolche hatten auch die Invadler und ihre Gäste genossen. Das sei etwas speziell, liess Franco Pellegrini verlauten, vielleicht war das als vorauseilende Entschuldigung gemeint, wenn denn nicht alles nahtlos klappen sollte. Aber es klappte alles und wenn es das nicht hätte – musikalisch wohlbemerkt – dann hätte es niemand bemerkt. Im Publikum war die Aufmerksamkeit für kleine Fehler längt geschwunden, es befand sich in der Mitte des zweiten Sets, so um eine Stunde vor Mitternacht, auf einem Stimmungshöhepunkt.

Der Star-Gast des Abends

Doch dann kam der Star-Gast des Abends. Er hätte schon seit seiner Kindheit das Gefühl, dass er singen könne, liess der Mann über seine Lippen. Aber dann formte er ebendiese nicht zum Singen, sondern zum Pfeifen. «Ich kann auch gut pfeifen», verkündete er, es sei ein Kompromiss, denn als er unlängst mit seiner Idee vor die Invadler trat, hätten sie ihm das Singen ziemlich schnell ausgeredet. Aber er wollte auf die Bühne, unbedingt, schliesslich war und ist es seine Bühne, und er ist derjenige, der etwas zu feiern hat: Peter Bösch, der Wirt höchstpersönlich. Also pfiff Bösch sein Liedchen und ging fast unter im tosenden Applaus. Doch es war klar, das konnte noch nicht alles gewesen sein und tatsächlich, Bösch meinte, dass das mit der vernichtenden Kritik der Musiker nur ein Scherz war, denn in Wahrheit seien allen fünf die Kinnladen heruntergefallen als er beim «Casting» zu einem Liedchen ausholte.

Premiere des singenden Wirts

So wurde also das Jubiläum der «Sonne» zur Premiere des singenden Wirts. Bösch gab zwei Songs zum Besten und das schier wie ein abgebrühter Profi. Niemand glaubte ihm danach, dass er das einfach so aus dem Stegreif machte, denn was er bot, war Sonderklasse in der Kategorie Laien. Doch nicht nur, weil er gerne mal auf einer Bühne stehen wollte, habe er diesen Auftritt geplant, sondern auch: «Erstens weil ich so etwas von der Gage zurückbekomme und zweitens wegen dem Backstage-Grappa nach dem Auftritt.» Wurde da in der Nacht des 6. August in Krummenau ein Star geboren?

Michael Hug

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