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Nach dem Wahlkrimi in Ausserrhoden: Auf der Suche nach den 159 Stimmen

Die Allianz zwischen FDP und SP reüssierte nicht. Nun steht die Ursachenforschung an: Lag es an den Linken oder den freisinnigen Gewerblern, die nicht so geschlossen für Jennifer Abderhalden stimmten, wie sich dies die Parteistrategen gewünscht hatten? Der bestätigte SVP-Nationalrat David Zuberbühler hofft unterdessen auf eine bessere Zusammenarbeit der bürgerlichen Kräfte.
David Scarano
Zittern im Wahlstübli: Jennifer Abderhalden im Gespräch mit FDP-Kantonalpräsidentin Monika Bodenmann. (Bild: David Scarano)

Zittern im Wahlstübli: Jennifer Abderhalden im Gespräch mit FDP-Kantonalpräsidentin Monika Bodenmann. (Bild: David Scarano)

Der Wahlherbst mit dem sonntäglichen Hitchcock-Finale hat Spuren hinterlassen. Der im letzten Moment wiedergewählte SVP-Nationalrat David Zuberbühler erlebte eine kurze Nacht. Bereits um 4 Uhr war der Herisauer hellwach. «Das lag am Riesensteak, das ich mir nach dem Wahlkrimi gegönnt habe», erzählt er am Montag und lacht. Aber nicht nur. «Mir ist auch vieles noch durch den Kopf gegangen.»

Nach 19 ausgezählten Gemeinden war für ihn klar, dass er die Wiederwahl nicht schafft. Die 1000 Stimmen schienen uneinholbar. Doch dann kam Herisau. David Zuberbühler liess seinen Emotionen freien Lauf. Er sagt:

«Ich habe immer noch das Bild meines vor Freude weinenden Sohnes vor mir, das mich immer noch zu tiefst berührt. Ich bin meiner Gemeinde Herisau so dankbar.»

Besondere Genugtuung ist für ihn, dass er der Allianz zwischen FDP und SP getrotzt hat. Sie war ihm von Anfang ein Dorn im Auge, nicht nur weil seine Wiederwahl deswegen in Gefahr war. Seiner Meinung nach gehören der Freisinn als bürgerliche Kraft und die Linken nicht zusammen.

Zuberbühler hofft nun, dass sich die FDP wieder auf ihre Wurzeln besinnt und in Zukunft auf kantonaler Ebene besser mit der SVP zusammenarbeitet. «Wir Bürgerlichen müssen zusammenhalten», sagt er auch angesichts der grünen Welle in der Schweiz. Den Verlust der zwölf Sitze der nationalen SVP bezeichnet er als schmerzlich. «Der Anspruch der Grünen auf einen Bundesratssitz kommt zu früh. Sie müssen sich erst noch beweisen. Grüne und GLP sind gefordert, machbare und erträgliche Lösungsansätze vorzuschlagen. Und das Thema Klima könnte vielleicht bis zur nächsten Legislatur auch wieder etwas in den Hintergrund rücken», sagt Zuberbühler, der Mitglied der Parteileitung der SVP Schweiz ist.

Mit Ergebnis in der Heimatgemeinde nicht zufrieden

Die Gemütslage der unterlegenen FDP-Kandidatin Jennifer Abderhalden schwankt zwischen Enttäuschung und Genugtuung. Die Hauptmission, der Einzug in den Nationalrat, hat sie knapp verpasst. Schmerzhaft ist für sie zudem, dass auf nationaler Ebene Kandidaten mit ihrem Profil reüssierten: Politikerinnen mit einer ausgeprägten Klimapolitik. «Aber meine persönlichen Ziele habe ich erreicht», sagt sie. «Ich habe allen bewiesen, dass ich eine valable Kandidatin bin. Und ich bin David Zuberbühler im Ergebnis sehr nahe gekommen.»

Wie ihre politische Zukunft nach dem kurzen, aber heftigen Wahlkampf aussieht und ob und in welcher Form sie sich auf kantonaler Ebene engagieren möchte, lässt sie derzeit noch offen. Für sie und die FDP stehen zunächst die Aufarbeitung der Nationalratswahlen im Vordergrund. In der Nachschau dürfte die Frage nach den fehlenden 159 Stimmen natürlich rasch aufkommen.

Ein Blick auf die Wahlstatistik zeigt aber: Entscheidend war nicht nur, dass Jennifer Abderhalden im Hinterland und vor allem in Herisau eher schlecht abgeschnitten hat. Sie war auch in einigen Mittel- und Vorderländer Gemeinden zu wenig gut, um dieses Handicap wettzumachen. In ihrer Heimatgemeinde Speicher etwa haben sich ein Drittel der Wähler für David Zuberbühler entschieden. «Dass ich nicht deutlicher gewonnen habe, erstaunt mich. Vielleicht war ich zu wenig präsent», sagt sie. Bereits am Sonntag diskutierten freisinnige Politiker im Wahlstübli, wie es zu dieser knappen Niederlage kommen konnte. Die einen zeigten mit dem Finger auf FDP-Gwerbler, denen Jennifer Abderhalden wohl zu links gewesen sei. Andere warfen der SP vor, zu wenig getan zu haben.

FDP-Parteipräsidentin Monika Bodenmann will sich diesen Standpunkten nicht anschliessen. Sie nimmt ihre Partei und ihren Allianzpartner in Schutz. Sie spricht bei einem so knappen Ausgang hingegen von einem «Zufallsergebnis». Sie wehrt sich zudem gegen die Kritik, die FDP hätte zu wenig getan. «Die elf Wochen Wahlkampf haben gereicht. Ich bin der Meinung, dass wir mit mehr Zeit kein besseres Ergebnis erzielt hätten», sagt sie.

Amtsbonus war entscheidend

Zu den Verlierern zählen die Sozialdemokraten. Das Bündnis mit FDP fruchtet nicht wie von den Parteistrategen erhofft. Jens Weber, Präsident der SP, verteidigt aber das Vorgehen. «Das Wahlresultat zeigt klar, dass es eine gute Strategie war. Wären wie 2015 drei Kandidatinnen oder Kandidaten angetreten, wäre die Wahl von David Zuberbühler noch deutlicher ausgefallen», sagt der Trogner. Für den SP-Politiker verdankt der Nationalrat seine Wiederwahl dem Amtsbonus, der im Hinterland und Herisau entscheidend gespielt habe. Als wenig hilfreich bezeichnet er den späten Einstieg der FDP in den Wahlkampf, vor allem angesichts der Tatsache, dass Aberhalden wenig bekannt war. Den Vorwurf, seine Partei habe sich in den vergangenen Wochen zu wenig engagiert, weist Weber von sich. «Die SP hat das, was möglich war, gemacht. Wir haben auf eine Kandidatur verzichtet und Abderhalden nach einem Hearing und der Delegiertenversammlung intern und öffentlich unterstützt», sagt er. Auffallend ist allerdings, dass etwa in der SP-Hochburg Trogen, die zwar klar für Abderhalden stimmte, die Wahlbeteiligung eher unterdurchschnittlich war. Am Sonntag gingen 45 Prozent an die Urne. 2015 lag der Anteil bei knapp
58 Prozent. Damals kandidierte mit Jens Weber allerdings ein Einheimischer. Aber 2011 gingen 54 Prozent wählen. Zudem: 2019 nahmen in Trogen mehr Personen (53,9 Prozent) an den Ständerats- als an den Nationalratswahlen teil.

Das Ende der Allianz?

Die Frage, warum es die SP nicht geschafft habe, trotz Öko-Welle mehr Menschen zu mobilisieren, bezeichnet der Kantonalpräsident allerdings als «irritierend». Denn dies sei nicht Aufgabe der SP gewesen, sondern die aller Parteien. «Im Speziellen stand aber die FDP mit ihrer unbekannten Kandidatin in der Verantwortung», sagt er. Es sei aber enttäuschend, dass gut 55 Prozent der Wählerinnen und Wähler von ihrem Recht nicht Gebrauch machten.

Als weiteren Grund für die Niederlage des Bündnisses nennt Weber, dass die Wählerschaft anscheinend ein Doppelmandat der FDP in Bern nicht mehr akzeptiere. Heisst das nun, dass die Allianz einmalig war und die SP in vier Jahren wieder selber antreten wird? Man werde das Ergebnis intern diskutieren und eine Auslegeordnung machen. «Tatsache bleibt, dass unsere politischen Werte durch David Zuberbühler gar nicht und von Andrea Caroni nur in überschaubarem Masse vertreten werden», so der SP-Präsident.

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