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Nach dem Nein zum Erlebnishotel in Wildhaus: SVP-Kantonsrat Ralf Menet will ein Jufa-Hotel nach Ausserrhoden bringen

Seit 2008 geht die Zahl der Logiernächte im Kanton Appenzell Ausserrhoden zurück. Der Grund: Es fehlen zeitgemässe Hotels. Nun will SVP-Kantonsrat Ralf Menet der Region zu neuem Aufschwung verhelfen – mit einem Jufa-Hotel.
Claudio Weder
So hätte die Südseite des geplanten Jufa-Hotels in Wildhaus ausgesehen. Nachdem das Projekt an der Volksabstimmung vom 15. April bachab geschickt wurde, liebäugelt der Herisauer SVP-Kantonsrat Ralf Menet nun mit der Idee, ein Jufa-Hotel nach Ausserrhoden zu bringen. (Visualisierung: Jufa)

So hätte die Südseite des geplanten Jufa-Hotels in Wildhaus ausgesehen. Nachdem das Projekt an der Volksabstimmung vom 15. April bachab geschickt wurde, liebäugelt der Herisauer SVP-Kantonsrat Ralf Menet nun mit der Idee, ein Jufa-Hotel nach Ausserrhoden zu bringen. (Visualisierung: Jufa)

Die Hotellandschaft Ausserrhodens gleicht einer Wüste: Im vergangenen Jahrzehnt sind bedeutende Hotels aus der Region verschwunden. Im ganzen Kanton, vor allem aber im Hinterland, fehlt es an Übernachtungsmöglichkeiten, wie der Herisauer SVP-Kantonsrat Ralf Menet sagt. «Es gibt weder in Hundwil noch in Waldstatt ein Hotel. Selbst in Herisau zählen wir gerade einmal 85 Hotelzimmer.» Neue, innovative Hotelprojekte, wie sie etwa im Ausland oder angrenzenden Umland zu finden seien, suche man vergebens.

Ein Hotel der österreichischen Jufa-Kette würde dem Kanton Appenzell Ausserrhoden zu neuem Aufschwung verhelfen, ist Ralf Menet überzeugt. Einen konkreten Standort könne er zwar noch nicht nennen, doch gerade das Hinterland könnte seiner Meinung nach davon profitieren. Aus diesem Grund hat Menet im April eine Interpellation eingereicht, in welcher er den Regierungsrat beauftragt, die Chancen eines solchen Hotelprojektes für den Geschäfts- und Individualtourismus einerseits sowie für die wirtschaftliche Entwicklung einer Gemeinde anderseits zu beurteilen. Auch verlangt er vom Regierungsrat, entsprechende Finanzierungsmöglichkeiten und deren gesetzliche Grundlagen zu prüfen. Die Antwort des Regierungsrates wird an der Kantonsratssitzung vom 24. September behandelt.

Anlass zur Interpellation gaben unter anderem die Bestrebungen zur Realisierung eines Jufa-Hotelprojektes im Toggenburg: Geplant war ein 21 Millionen teures Jufa-Erlebnishotel mit 70 Hotelzimmern und 200 Betten, Restaurant, Schwimmbad, Bowlingbahn und Mehrzweckgebäude in Wildhaus. Das Projekt, zu dessen Finanzierung die Gemeinde Wildhaus-Alt St. Johann einen Betrag von 7 Millionen Franken hätte beisteuern müssen, scheiterte an der Urne.

Gemeinden könnten profitieren

Dass in der Tourismusregion Toggenburg offenbar kein Interesse an einem Jufa-Hotel besteht, entmutigt Ralf Menet keineswegs. Im Gegenteil: «Durch den negativen Entscheid im Toggenburg könnten nun andere Standorte für ein Jufa-Erlebnishotel in der Ostschweiz möglich werden», sagt er. Ein familienfreundliches Jufa-Hotel wäre nicht nur in touristischer Hinsicht ein Mehrwert, sondern würde einer Gemeinde auch neue wirtschaftliche Möglichkeiten erschliessen. Zahlreiche Gemeinden in Ausserrhoden hätten Schwierigkeiten, sich im Wettbewerb zu behaupten, sagt er. Es fehle an Perspektiven, um sich zu entwickeln. Ein Projekt wie das Jufa-Hotel wäre daher eine ideale Lösung, weil die Gemeinde von der öffentlich zugänglichen Infrastruktur – etwa dem Hallenbad oder dem Mehrzweckgebäude – profitieren könnte. Dazu müsste sie aber, wie in Wildhaus, einen bestimmten Betrag zur Finanzierung des Projektes beisteuern.

Der im Zusammenhang mit dem Jufa-Hotel in Wildhaus losgetretenen Diskussion um den «Ausverkauf der Heimat» kann Menet nichts abgewinnen. Dass die Realisierung des Hotelvorhabens grösstenteils von fremden Händen gesteuert würde, sieht er nicht als Nachteil: «Man darf nicht wählerisch sein – Hauptsache, die Idee und das Produkt stimmen.» Die Wertschöpfung bliebe ja trotz ausländischer Betreibergesellschaft und ausländischer Investorenfirma in der Region: Mitarbeiter und Lieferanten – vom Beck bis zum Metzger – würden aus der Region stammen. Schliesslich bleibe bei einem solchen Projekt immer etwas für das Dorf oder die Gemeinde übrig.

Ausserrhoden habe kein Attraktivitätsproblem

Auch bei Urs Berger, Geschäftsführer von Appenzellerland Tourismus, findet Ralf Menets Idee Anklang. Laut einer kürzlich von der Tourismusorganisation Appenzell Ausserrhoden (ATAG) veröffentlichten Studie der HTW-Chur sind die Logiernächte im Kanton von 160000 im Jahr 2008 auf 123000 im Jahr 2016 zurückgegangen. Dies entspricht einem Rückgang von 23 Prozent. Dies liege aber nicht daran, dass Appenzell Ausserrhoden als touristisches Ziel unattraktiv geworden sei, wie Urs Berger betont. «Im Gegenteil.»

Auch Berger führt das Problem der sinkenden Logiernächte auf die grossflächig fehlenden Hotelbetten zurück. Zudem würden viele Gäste die Region für nur einen Tag besuchen. Dies habe vor allem mit der gestiegenen Mobilität und der guten Erschliessung zu tun.

Laut Berger würde die Ausrichtung und entsprechend das Gästesegment der Jufa-Gruppe gut zum Angebot im Appenzellerland und der Ostschweiz passen. Er würde ein Jufa-Hotelprojekt in der Region begrüssen: «Ein solcher Betrieb würde unumstritten die Wertschöpfung steigern und zu einer Frequenzsteigerung führen. In Appenzell Ausserrhoden ist Platz für ein grösseres Hotelprojekt.»

Auch Tourismusexperte Max Nadig aus Herisau ist überzeugt, dass der Region ein paar schöne, grössere Hotelbetriebe guttun würden. Er weiss, dass die Jufa nach Eintrittsmöglichkeiten im Schweizer Markt sucht, fragt sich aber gleichzeitig, ob das Appenzellerland für ein Jufa-Hotel genug attraktiv wäre. Denn in der Regel sei die Hotelkette auf der Suche nach Zweisaisonbetrieben für Sommer und Winter, was das Appenzellerland, das nicht unbedingt als Wintersportparadies bekannt ist, womöglich nicht genug attraktiv machen würde. Wie die Jufa-Stand- orte am Bodensee zeigen, mache die Jufa jedoch auch Ausnahmen.

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