Nach 70 Jahren heimgekehrt

Durch eine glückliche Fügung ist das Dorf Bazenheid in den Besitz eines Teils des künstlerischen Schaffens von Johann Oefelin (1878–1946) gekommen.

Josef Moser
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Weizenernte, Öl auf Karton, Rückseite mit handschriftlicher Notiz: «Im Schweisse deines Angesichtes soll's du dein Brot essen.» (Bilder: PD (signiert J.O. 1905))

Weizenernte, Öl auf Karton, Rückseite mit handschriftlicher Notiz: «Im Schweisse deines Angesichtes soll's du dein Brot essen.» (Bilder: PD (signiert J.O. 1905))

Die Berichterstattung des Toggenburger Tagblatts über die Reorganisation des Dorfarchivs liess den ehemaligen Grundbuchverwalter und Antiquitätensammler Hans Rüttemann hellhörig werden, weil er ein Ölbild mit dem Motiv der Weizenernte und eine Mappe mit Kohle-Graphit-Bildern und Aquarellen von Johann Oefelin aufbewahrte. Vor Jahren erwarb er diesen Nachlass aus den Händen der Schwester des Künstlers, nämlich von Anna Fäh-Oefelin aus Bräägg bei Bazenheid. Hans Rüttemann schenkte nun diesen Nachlass dem Dorf Bazenheid, der zeitweiligen Wirkungsstätte von Oefelin.

Flachmaler und talentierter Künstler

Der in Gähwil in eine Bauernfamilie geborene Kunstschaffende hielt sich in jungen Jahren oft bei seinen Verwandten in Bräägg auf, wo er einst in sicherer Formvollendung Ross und Reiter an die Stallwand gemalt hatte. Nach seiner Malerlehre erfolgten in der Zeit von 1898 bis 1911 intensive Wanderjahre mit zehn Wohnortwechseln innerhalb der Schweiz.

Im jungen Erwachsenenalter erarbeitete er an der Gewerbeschule St. Gallen die Techniken für das figürliche Gestalten und setzte seine weitere Ausbildung fort an den Maler-Akademien in München, Köln, Düsseldorf und Hamburg. 1920 erhielt er an der Städtischen Kunstgewerbeschule München eine feste Anstellung als Fachlehrer, die fünf Jahre später mit der Beförderung zum Oberlehrer gekrönt wurde. Die Leute in seinem Münchner Umfeld schätzten den mittlerweile anerkannten Lehrer und Künstler nicht zuletzt auch wegen seiner materiellen Bescheidenheit. Was er nicht dringend zum Leben brauchte, gab er den Mittellosen. Weil er sich für ein wahres Christsein starkmachte, inhaftierten ihn die Nazis während zweieinhalb Jahren.

Vom Ort, wo man damals begrüsst wurde mit «Du bist rechtlos, ehrlos, wehrlos und hast zu schuften oder zu krepieren!», blieben körperliche Gebrechen am Leib des tapferen Künstlers haften. Johann Oefelin arbeitete wieder als Kunstmaler, nach seinem Wegzug von München vor allem in der Spitalkirche von Pattendorf, einem Ortsteil der Stadt Rottenburg an der Lahn in Niederbayern, wo er am 7. Februar 1946 von einem grossen Freundeskreis zu Grabe getragen wurde.

Bilder mit Charakter

«In der Kunst ist nur das schön, was Charakter hat.» Dieser treffende Ausspruch des französischen Bildhauers Rodin, dem Meister der Darstellung seelischer Haltungen, trifft insbesondere auch auf Johann Oefelin zu. Seine Porträts atmen den Geist derjenigen Menschen, deren Antlitz die Bürde der Arbeit, die verdiente Lebensfreude während der sonntäglichen Arbeitsruhe, die zwischenmenschlichen Beziehungen in ihrer bäuerlich-handwerklichen Welt geprägt haben. Beim genaueren Hinsehen nimmt der Betrachter aber auch teil an Oefelins durchlebter Zeitstimmung der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Es ging ihm nicht darum, wie es heute allzu oft der Fall ist, um jeden Preis aufzufallen. Indem er seinen Weg ging, verlieh er seinen Bildern Charakter und machte sie dadurch kulturhistorisch wertvoll und unverwechselbar.

Frau mit Hut, Porträtstudie Kohle/Graphit. (Bild: (unsigniert))

Frau mit Hut, Porträtstudie Kohle/Graphit. (Bild: (unsigniert))

Mann mit Schnauz und Kinnbart. (Bild: (signiert J. Oe))

Mann mit Schnauz und Kinnbart. (Bild: (signiert J. Oe))

Bücher, Block, Bleistift, Aquarell. (Bild: (signiert Joh. Oefelin))

Bücher, Block, Bleistift, Aquarell. (Bild: (signiert Joh. Oefelin))

Bärtiger Mann, Kohle/Graphit. (Bild: (signiert 22.II.18))

Bärtiger Mann, Kohle/Graphit. (Bild: (signiert 22.II.18))

Frau mit Kopftuch, Kohle/Graphit. (Bild: (signiert JohOefelin 20))

Frau mit Kopftuch, Kohle/Graphit. (Bild: (signiert JohOefelin 20))

Johann Oefelin (1878–1946), (Bild: (Toggenburger Chronik 1946))

Johann Oefelin (1878–1946), (Bild: (Toggenburger Chronik 1946))