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Nach 30 Jahren: Der Vater der Stiftung Tosam geht

Vor 30 Jahren gründete Martin Grob die Stiftung Tosam, deren Geschäftsleiter er seither war. Nun geht der Ur-Herisauer in Pension. Grob blickt auf ein erfolgreiches Berufsleben zurück und freut sich auf den Ruhestand.
Yann Lengacher
Martin Grob in seinem Büro, in das er "gedrängt" wurde. (Bild: Yann Lengacher)

Martin Grob in seinem Büro, in das er "gedrängt" wurde. (Bild: Yann Lengacher)

«Es ist Zeit zu gehen. Ich möchte kein Sesselkleber sein und meinen Arbeitsplatz für jemand anderen freimachen», sagt Martin Grob. Noch dieses Jahr wird der Geschäftsleiter der Stiftung Tosam sein Lebenswerk verlassen.

Es war 1984, als Martin Grob vier Personen in seine Familie aufnahm, die unter anderem Suchtprobleme hatten. Er begann mit ihnen den Bauernhof Baldenwil zu bewirtschaften. Nach fünf Jahren wollte er für seinen Hof die Anerkennung als IV-Betrieb erlangen, doch dafür musste eine Trägerschaft gegründet werden. So entstand 1989 die Stiftung Tosam. Fortan wuchs «Tosam» und bot immer mehr Menschen eine Beschäftigung im, wie der 65-Jährige sagt, alternativen Arbeitsmarkt. Wurden die Angestellten in den ersten Jahren hauptsächlich in einem Brockenhaus in Degersheim und in einer Gartengruppe beschäftigt, kamen laufend Projekte dazu, die das Angebot an Arbeitsplätzen der Stiftung erweiterten. Ein Meilenstein war dabei die Eröffnung des Win-win-Marktes mit einer integrierten Recycling-Stelle. Herisau hatte im Jahr 2003 ein Bedürfnis nach einer neuen Entsorgungsstelle. Die Stiftung Tosam schloss mit der Gemeinde eine Leistungsvereinbarung ab und betreibt den Win-win-Markt seither. Heute beschäftigt die Stiftung in zwölf Betrieben über 300 Angestellte im zweiten Arbeitsmarkt. Gut ein Drittel davon in der Entsorgungsstelle. Gedacht, dass seine Stiftung so gross würde, hat Martin Grob nicht. «Es hat sich alles so ergeben.»

Pläne für die Zukunft, Erinnerungen an Momente

Über die Jahre ist nicht nur die Stiftung Tosam gewachsen. Mit ihrem Wachstum hat sich auch die Arbeit von Martin Grob verändert. «Am Anfang habe ich ja noch draussen gebauert. Mit der zunehmenden Grösse der Stiftung wurde ich immer mehr ins Büro gedrängt.» Eigentlich wäre Grob gerne mehr draussen gewesen: «Gerade bei schönem Wetter hätte ich einen etwas abwechslungsreicheren Alltag bevorzugt.» Aber die Stiftung habe halt die Büroarbeit eingefordert. Heute bewältigt er sie nicht mehr alleine. Im Ruhestand wird Martin Grob genügend Zeit haben, um an die Sonne zu kommen.

«Wenn draussen schönes Wetter ist, dann pack ich das Zelt, den Rucksack und meinen Hund und dann geht’s für ein paar Wochen auf Wanderung.»

Ansonsten freue er sich darauf, frei von Verantwortung zu sein. Herumsitzen wird er aber nicht. Auch wenn Grob noch nichts Genaueres weiss, sagt er: «Eine Aufgabe werde ich bald wieder finden.» In Erinnerung bleiben Martin Grob neben seiner langjährigen Arbeit die Schicksale seiner Klienten. Er erzählt eine Anekdote: «Vor einiger Zeit hielt ein schweres Motorrad vor dem Win-win-Markt. Auf dem Motorrad sass ein Mann im Ledergewand und mit volltätowierten Armen, auf dem Rücksitz seine Rockerbraut. Er stieg ab und sagte zu ihr: ‹Schau, das ist der Mann, der an mich geglaubt hat, als selbst ich nicht mehr an mich glaubte.› Das war für mich das schönste Kompliment.» Es seien solche Momente gewesen, die ihn in seiner Arbeit bestätigt hätten.

Eine funktionierende Organisation bleibt zurück

Martin Grob hinterlässt eine Organisation mit Angeboten, die genutzt werden. Er führt aus: «Die Gartengruppe hat viele zufriedene Kunden. Der Lebensmittelladen für Armutsbetroffene wird frequentiert und auch die Entsorgungsstelle läuft gut.» Die Organisation verfügt zudem immer über eine Reserve an Stellen im zweiten Arbeitsmarkt. Anders sieht es bei den finanziellen Reserven aus, über welche die Stiftung keine verfügt. Er sagt: «Finanziell steht die Stiftung nicht gut da. Daran bin ich Schuld, das darf man sagen.» 30 Jahre lang hat Grob mit Vertrauen gearbeitet. Das entspreche natürlich nicht mehr dem Zeitgeist, habe die Stiftung aber gewissermassen auch ausgezeichnet: «Wenn jemand bei uns arbeiten will, dann geben wir der Person eine Arbeit, egal ob wir von einer Drittstelle einen Beitrag an die Betreuungskosten erhalten oder nicht. Vom Sozialamt erhalten wir nur den Lohn für die Angestellten – ein Nullsummenspiel.» Man habe immer von der Hand in den Mund gelebt.

Sein Nachfolger, der Betriebsökonom Marcel De Tomasi, werde deswegen wohl die Strukturen in der Stiftung ändern. Ihn wird Martin Grob während eines Monats einarbeiten. «Das wird nochmals stressig. So kommt keine Wehmut auf. Vielleicht passiert das später.»

Hinweis

Die Stiftung Tosam feiert kommenden Samstag, ab 11 Uhr, ihr öffentliches Jubiläumsfest auf dem Hof Baldenwil in Schachen.

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