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«Nach 25 Jahren ist die Luft raus»

Kommt das Ende für einen Traditionsanlass? Es sieht tatsächlich danach aus, dass das jährliche Hornschlittenrennen, ein Publikumsmagnet, der Tausende von Zuschauern regelmässig ins Toggenburg lockte, 2013 zum letzten Mal durchgeführt wird.
Christopher Eggenberger

ALT ST. JOHANN. Das Hornschlittenrennen von Alt St. Johann lockte in den vergangenen 24 Jahren das Publikum jeweils in Scharen an. Es war das grösste Rennen der Schweiz und wurde 24 Jahre ohne Unterbruch durchgeführt. Hinter der Erfolgsgeschichte steckte aber immer jede Menge Arbeit, die nun offenbar ihren Tribut fordert.

Jubiläum bildet den Abschluss

Hans Alpiger, der Präsident des Hornschlittenclubs Alt St. Johann, der den Anlass organisiert, erklärt: «Wir machen das jetzt seit bald 25 Jahren; die Luft ist einfach raus.» Hinter dem Hornschlittenrennen stecke ein extrem hoher Aufwand, der jeweils bereits im September des Vorjahres beginne. Insgesamt stünden rund 100 sowohl freiwillige, als auch bezahlte Helfer im Einsatz. Ein grosser Aufwandposten sei auch die Tennishalle, die man jeweils für die Party, die im Anschluss an das Rennen stattfindet, mietete.

An der diesjährigen Hauptversammlung des Hornschlittenclubs wurde nun beschlossen, nur noch den Jubiläumsanlass – die 25. Ausgabe – im nächsten Jahr durchzuführen. «Ich denke, dass dann nochmals sehr viele Teilnehmer kommen werden – einerseits wegen des Jubiläums und andererseits, weil es das letzte Mal ist», sagt der Vereinspräsident. Zuvor hatte man sinkende Teilnehmerzahlen verzeichnet. Heuer nahmen «nur» 80 Schlitten teil. Zur Erinnerung: In Spitzenjahren waren über 200 Schlitten am Start.

Bedeutender Anlass geht verloren

Eine Aussicht darauf, dass der Anlass durch den «Nachwuchs» weitergeführt wird, bietet sich im Moment nicht. Laut Hans Alpiger hätten die Jungen die Befürchtung geäussert, dass es ohne Erfahrung nicht so gut funktioniert wie bis anhin. Ein Argument, für das Hans Alpiger Verständnis aufbringen kann. Dennoch hätten er und seine OK-Kollegen erklärt, dass sie allfälligen neuen Organisatoren beratend zur Seite stehen würden. «Aber so hört man besser auf, solange es noch schön ist», so Hans Alpiger.

Erste Rückmeldungen aus der Bevölkerung tönen alle gleich: «schade» oder «ein Verlust». Es ist klar, das Hornschlittenrennen geniesst das Wohlwollen der Bevölkerung und einen starken Rückhalt. Mit seinem bunt gemischten, internationalen Teilnehmerfeld hat es auch eine Bedeutung für den Tourismus. Umso mehr erstaunt Hans Alpigers Aussage, dass man gerade von Toggenburg Tourismus «null» Unterstützung bekommen habe. Das Bedauern darüber ist gross, dass das Hornschlittenrennen in Alt St. Johann bald Geschichte sein wird. Sowohl für den Tourismus, wie auch für den Verband und die Gemeinde fällt ein wichtiger Anlass weg.

Toggenburg ins Zentrum gerückt

Das Hornschlittenrennen in Alt St. Johann sei auch aus touristischer Sicht ein wichtiger Anlass, wie Christine Bolt, Direktorin von Toggenburg Tourismus, erklärt. Der Anlass locke viele Menschen an, es werde konsumiert und damit Wertschöpfung generiert. Ausserdem habe er einen grossen Teil dazu beigetragen, dass das Toggenburg die Aufmerksamkeit der Medien erlangte – nicht zuletzt, als der süddeutsche Fernsehsender SWR über das Hornschlittenrennen berichtete. Das Rennen erzeuge genau jenen «Vermarktungseffekt», der auch mit den übrigen Anstrengungen von Toggenburg Tourismus verfolgt wird: «Echtheit und Originalität», wie Christine Bolt erklärt.

Im Gespräch hatte Hans Alpiger, der Präsident des Hornschlittenclubs Alt St. Johann, jedoch harsche Kritik an Toggenburg Tourismus geübt. Man habe in all den Jahren keinerlei Unterstützung von Toggenburg Tourismus erhalten.

Laut Christine Bolt stelle sich die Frage nach der Erwartungshaltung von Seiten des Hornschlittenclubs. Es sei nicht möglich, «im Namen des Hornschlittenclubs Werbung für das Hornschlittenrennen zu machen». Dies sei nicht die Aufgabe von Toggenburg Tourismus. Dass man aber überhaupt keine Unterstützung gegeben habe, lässt Christine Bolt nicht gelten. «Ich werte diese Aussage als Ausdruck des Frusts», sagt sie. Im Gegenteil, man habe für das Hornschlittenrennen mehr getan, als für andere Events. So sei es etwa stets prominent in Broschüren, auf der Webseite, in Veranstaltungskalendern und den Medienmitteilungen erschienen. Der Schweizerische Hornschlitten- und Schlittenverband (SHSV) bedauert sehr, dass das Hornschlittenrennen Alt St. Johann nächstes Jahr zum letzten Mal ausgetragen wird.

«Eigentlich nicht zu ersetzen»

Wie Verbandspräsident Maximilian Brand erklärt, falle damit nicht nur ein ausgesprochenes Traditionsrennen («quasi ein Kultanlass») in der schweizerischen Hornschlittenszene weg. Dass damit gleichzeitig auch das einzige Rennen im Toggenburg entfällt, sei genauso schade. Der Anlass in der bisherigen Aufmachung könne wegen des sehr grossen, beinahe schon professionellen Aufwandes eigentlich nicht ersetzt werden. Dennoch: Es seien Gespräche im Gang, ob und wie ein Nachfolge-Hornschlittenrennen im sportlichen Sinn wieder im Toggenburg durchgeführt werden könnte. Laut Brand bräuchte es dazu aber wieder eine einheimische Trägerschaft.

Weil die Hornschlitten-Begeisterung mittlerweile – auch international – etwas vorüber sei, müsse dazu viel Überzeugungsarbeit geleistet werden. Der SHSV selber könne als Trägerschaft oder Veranstalter keine Rennen übernehmen.

«Pioniergeist» erhalten

«Es ist natürlich sehr schade. Unserer Gemeinde geht ein Grossanlass verloren, der zudem in einer sehr interessanten Zeit stattfand», erklärt Rolf Züllig, Gemeindepräsident von Wildhaus-Alt St. Johann. Gleichzeitig habe er aber Verständnis für die Veranstalter: Es könne nun einmal vorkommen, dass sich mit den Jahren «eine gewisse Müdigkeit» einstelle. Dennoch hofft Rolf Züllig, dass der «Pioniergeist» des Hornschlittenclubs Alt St. Johann erhalten bleibt, und es deshalb bald wieder eine neue Veranstaltung in der Gemeinde gibt. «In diesem Fall können die Organisatoren mit der Unterstützung der Gemeinde rechnen», sagt Rolf Züllig.

Der Hornschlittenclub Alt St. Johann bleibt aber weiterhin bestehen. Und was auch gesagt werden darf: Der Verein ist bestrebt, einen neuen Anlass ins Leben zu rufen. Was für einen, das ist allerdings noch nicht bekannt.

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