MUTTERKUHBETRIEBE IM APPENZELLERLAND: Kühe wollen ihre Ruhe

Im Appenzellerland führen Wanderwege nicht selten durch die Weiden von Kühen. Handelt es sich dabei um Mutterkühe, kann es für die Benutzer der Wege ungemütlich werden. Die Landwirte treffen Massnahmen. Und auch die Wanderer sind gefordert.

Bruno Eisenhut
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Bruno Eisenhut

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@appenzellerzeitung.ch

Kräftige Stiere können furchteinflössend wirken. Begegnet man ihnen auf einer offenen Wiese, umso mehr. Aber nicht nur Stiere erfordern Respekt. Insbesondere Mutterkühe, die junge Kälber beschützen, seien ebenso zu beachten, sagt Landwirt Stefan Freund. In Bühler betreibt er seit dem Jahr 2000 einen Mutterkuhbetrieb.

Vor zwei Jahren wurde in Laax (GR) eine Wanderin beim Durchqueren einer eingezäunten Kuhherde von Mutterkühen angegriffen und getötet. Ein solcher Vorfall soll sich nicht wiederholen, auch nicht im Appenzellerland, wo zahlreiche Wanderwege durch das Weideland führen. Landwirt Stefan Freund zäunt deshalb die Wanderwege nach Möglichkeit aus. Als Beispiel nennt er den vielbenutzten Wanderweg zwischen Bühler und Leimensteig. Mit dem Auszäunen sorgt Stefan Freund vor. Ein junges Kalb sei zwar sehr niedlich und verlockend zu streicheln, gerade wenn Jungtiere in einer Herde sind, lauere aber die grösste Gefahr. Die Muttertiere seien mit einem ausgeprägten Verteidigungstrieb ausgestattet, so Landwirt Stefan Freund, und sie würden nicht zögern, ihre Jungen zu verteidigen. Wanderern, Bikern oder anderen Passanten rät Freund deshalb, den nötigen Abstand vor Mutterkühen zu wahren. «Nur wenn sich die Tiere bedrängt fühlen, greifen sie an.»

Erwartung Tourismus

Auch der Verband Mutterkuh Schweiz hat die Gefahr erkannt. Als Präventionsmassnahme stellt dieser den Landwirten Tafeln zur Verfügung, welche am Wegrand auf die Gefahr der Mutterkuhherde hinweisen. So heisst es beispielsweise in grossen Buchstaben «Kuhmütter schützen ihre Kälber – halten Sie Distanz!» Weiter heisst es darauf, dass Hunde an der Leine zu führen seien. Dass auch Hunde die Kühe aufschrecken können, hat Stefan Freunds Hund vor einigen Jahren am eigenen Leib erfahren. Zu nahe an der Herde, gingen die Kühe auf ihn los und beförderten ihn unsanft von der Weide. In all den Jahren, seit er Mutterkühe besitze, sei dies der einzige Vorfall auf seinem Betrieb gewesen, sagt Stefan Freund. Dazu beigetragen habe bestimmt die sichere Handhabung bei der Zäunung, so Stefan Freund.

Eines der Aushängeschilder ist das Wandern für den Ausserrhoder Tourismus. Die Thematik der Mutterkuhherden und die daraus entstehenden Gefahren für die Wanderer ist deshalb auch beim Ausserrhoder Tourismusverband keine Unbekannte. Insbesondere der Verein Ausserrhoder Wanderwege (VAW) steht im Kontakt mit den Landwirten. Tourismus-Geschäftsführer und VAW-Vorstandsmitglied Urs Berger sieht aber auch bei den Wanderern einen grossen Erklärungsbedarf. Viele wüssten nicht, wie sie sich verhalten müssten, wenn sie plötzlich inmitten einer Herde stünden, so Berger. Persönlich appelliert Berger an die gegenseitige Rücksichtnahme. Dass die die Landwirte die Wege nach Möglichkeit auszäunen, sei ideal.