«Muss nicht immer High-Tech sein»

Am 28. April 2016 wird zum sechsten Mal der Innovationspreis des Wirtschaftsforums Toggenburg vergeben. Die Präsidentin des Forums, Claudia Frei, und Jurypräsident Hanspeter Bär sind davon überzeugt, dass dieser Wettbewerb für das Toggenburg die ideale Plattform ist, um sich und seine Ideen zu präsentieren.

Urs M. Hemm
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Claudia Frei und Hanspeter Bär geben viel auf die Innovationskraft der Toggenburger und sind gespannt, was der Innovationspreis zutage fördert. (Bild: Urs M. Hemm)

Claudia Frei und Hanspeter Bär geben viel auf die Innovationskraft der Toggenburger und sind gespannt, was der Innovationspreis zutage fördert. (Bild: Urs M. Hemm)

Der Innovationspreis Toggenburg wird seit 2003 vergeben. Wie kam es damals zu dieser Idee?

Claudia Frei: Die Idee ist bei der Regionalplanungsgruppe – heute toggenburg.ch – entstanden. Später wurde die Preisverleihung in das Wirtschaftsforum integriert. Seither sponsern die verschiedenen Serviceclubs, sprich die Business and Professional Women, die Junior Chamber International Toggenburg, der Kiwanis Club Wattwil-Toggenburg, der Lions Club Oberes Toggenburg und der Rotary Club Toggenburg diese Plattform für die Toggenburger Firmen, damit sie sich präsentieren können.

Hat der Gewinn dieser Auszeichnung den bisherigen Gewinnern auf ihrem späteren Erfolgsweg geholfen?

Frei: Wir vom Forum bieten den Firmen lediglich die Plattform, um eine Marketingaktivität zu starten. Wie die Unternehmen diese Auszeichnung am Ende nach aussen vermarkten und welche Wirkung damit erzielt wird, kann ich nicht bewerten.

Hanspeter Bär: Ich glaube, es gibt zwei Wirkungen – eine nach aussen und eine nach innen. Gerade für die Mitarbeiter einer Firma ist so eine Auszeichnung wichtig. Denn sie sehen, dass ihre Arbeit in der Region anerkannt und geschätzt wird. Auch wenn man nicht den ersten Preis gewinnt, lohnt sich eine Teilnahme: Man kann sich mit anderen Unternehmen messen und man erfährt, wo man beispielsweise mit seinen Produkten steht. Es ist also auch eine Art Standortbestimmung für die Firmen, wenn sie sich an so einem Wettbewerb beteiligen.

Frei: Durch diesen Wettbewerb werden auch Arbeitskräfte auf die Firmen aufmerksam gemacht. Gerade im Toggenburg gibt es viele Pendler, die Tag für Tag weite Wege auf sich nehmen, um an ihren Arbeitsplatz zu kommen. So finden sie vielleicht auch hier in der Region eine interessante Herausforderung bei einer innovativen Firma.

Was verstehen Sie persönlich unter innovativ?

Bär: Es muss etwas Neues, aber auch etwas Erfinderisches, Spezielles, Überraschendes sein. Es ist aber nicht nur mit einer genialen Erfindung getan, es gehört auch die Umsetzung dazu. Die Idee alleine reicht nicht aus. Bei einem Produkt zum Beispiel wären das die erfolgreiche Markteinführung und damit auch der wirtschaftliche Erfolg. Die Idee muss ja auch auf eine Resonanz treffen im Markt. Oft schaffen Unternehmungen aber leider aus den unterschiedlichsten Gründen den Weg von der guten Idee bis zur Umsetzung nicht.

Frei: Ich sehe es ähnlich, aber mehr noch die Wirkung. Schliesslich können sich Firmen gegenüber der Konkurrenz mit ihren Innovationen profilieren, indem sie sich ein einzigartiges Verkaufsmerkmal schaffen. Gerade bei uns im Toggenburg, wo es zwar schön ist, wirtschaftlich aber nicht immer optimal läuft, soll man zeigen, was man zu leisten vermag.

Wie beurteilen in dem Sinne Sie die Kreativität der Toggenburger – seien es Unternehmen oder Einzelne?

Frei: Ich denke, wir hatten gute, sogar sehr gute Eingaben in der Vergangenheit. Ich war oft überrascht, was es bei uns alles gibt, welches Potenzial für wirklich gute Ideen da ist. Man muss es einfach sichtbar machen.

Bär: Ich spreche jetzt als Innovationsmentor der KTI (siehe Kasten, Anm. der Red.), dessen Aufgabe es ist, Innovationen zu finden und diese zu fördern. In dieser Rolle besuchte ich viele Firmen auch hier im Toggenburg, wo ich interessante Gespräche geführt habe. Nun ist die Messlatte bei der KTI relativ hoch. Da muss eine Innovation nicht nur regional etwas Spezielles, Einzigartiges sein, sondern global. Und da habe ich grosses Potenzial im Toggenburg gefunden.

Wie kommt das?

Bär: Das liegt vielleicht auch daran, dass es hier viele kleine und mittlere Betriebe gibt, die noch von richtigen Unternehmern geführt werden, die aufgrund der teils schwierigen Marktverhältnisse gezwungen sind, Innovation zu betreiben. Angesichts der hohen Kosten bei uns in der Schweiz im Vergleich zum benachbarten Ausland können wir nur gewinnen, wenn wir schlauer sind, schneller sind, effizienter und innovativer sind. Und diese Einstellung ist in vielen Betrieben hier im Toggenburg zu finden. Dabei muss es nicht immer High-Tech sein. Es gibt genügend andere Bereiche, in denen über Innovationen noch Fortschritte möglich sind.

Frei: Ich bin davon überzeugt, dass in vielen Firmen gute Ideen irgendwo in Schubladen schlummern. Vielleicht ist so eine Ausschreibung wie diese hier genau der Ansporn, den es braucht, um sich zu melden und diese Ideen umzusetzen.

Bär: Man darf dabei nie vergessen, dass Innovationen immer auch ein Risiko bergen. Man begibt sich auf ein völlig neues Gebiet und man kann nicht immer abschätzen, wo der Weg genau hinführt. Man kann also scheitern, was abschrecken kann, aber ohne Risiko gewinnt man nichts. Darum muss man den Unternehmern und Mitarbeitern Mut machen, das Risiko einzugehen. Hier kann die KTI helfen, indem sie einen Teil der Risiken abdeckt. So betreibt der Bund Wirtschaftsförderung.

Gibt es Bereiche, in denen Sie sich mehr innovative Ideen wünschen würden?

Bär: Das Spektrum ist bereits sehr breit. Man werfe nur einen Blick auf die vergangenen Jahre. Es sind Einzelpersonen, die Projekte präsentieren bis hin zum High-Tech-Unternehmen. Das ist sehr wichtig für den Innovationspreis Toggenburg. Deswegen kann sich eigentlich jeder für den Innovationspreis anmelden, der etwas zu präsentieren hat und auch will.

Frei: Das belegen auch die Preisträger der letzten Austragungen, wo wir die Brauerei St. Johann, die IST AG oder die AVM Engineering AG in den vorderen Rängen hatten. Die Projekte kommen aus den unterschiedlichsten Bereichen und Anwendungen. So unterschiedlich präsentieren sich auch die Eingaben. Die einen reichen ein schriftliches Dossier, die anderen ein Modell ein. Ich denke, es ist genau diese Vielfalt, die den Wettbewerb auch so spannend macht.

Bär: Ich würde mir für den kommenden Innovationspreis auch ein Projekt aus dem Tourismusbereich wünschen. Denn der Tourismus – insbesondere im oberen Toggenburg – ist für die Region ein wichtiger Wirtschaftszweig.

Von der zündenden Idee bis zu deren Realisierung ist es oft ein langer Weg. Was ist ein sinnvolles Vorgehen bei der Umsetzung eines Projekts?

Bär: Man muss schon mit dem Beginn des Projekts an die Umsetzung denken. Denn eine Idee, eine Innovation macht nur dann Freude und bringt schliesslich Geld, wenn sie auch umgesetzt wird. Das Ziel muss von Anfang an definiert sein. Dann teilt man sich den Weg am besten in Etappen ein. Hat man ein Etappenziel erreicht, muss man immer überprüfen, ob man sich noch auf dem Weg zum Ziel befindet oder ob man davon abweicht. Je nachdem muss man dann korrigierend eingreifen und im schlimmsten Fall das Ziel und damit auch das Projekt aufgeben. Das ist Teil des Risikos. Die Art und Weise des Umgangs mit dem Risiko ist unter anderem auch ein Entscheidungskriterium für die KTI, ob sie ein Projekt fördert und schliesslich auch finanziell unterstützt. Dazu muss ein Projekt aber auch von Anfang bis Ende durchdacht und dokumentiert sein. Zudem müssen die notwendigen Fähigkeiten und Kompetenzen vorhanden sein, die es für die Umsetzung dieser Idee benötigt.

Nach welchen Kriterien und Anforderungen wählen Sie in der Jury den Preisträger aus?

Frei: Die Kriterien sind im Reglement klar definiert. Da ist zum einen die Innovationshöhe, also worin liegt die Innovation und welche Vorteile bringt sie. Zum anderen die Marktfähigkeit der Innovation, insbesondere die Anwendungsgebiete und Zielgruppen und schliesslich die Einschätzung der positiven wirtschaftlichen Auswirkungen auf die Region.

Haben Sie hinsichtlich der kommenden Preisverleihung bereits Kenntnis von Projekten, die Sie sich als Preisträger vorstellen könnten oder wünschen würden?

Frei: Wir haben in den Serviceclubs eine Umfrage durchgeführt, ob überhaupt noch ein Interesse an diesem Wettbewerb besteht. Der Tenor war überaus positiv, so dass wir in der Wirtschaft noch immer breit abgestützt sind. Aus diesem Grund bin ich sicher, dass einige spannende Projekte eingereicht werden. Konkret haben wir noch keine Eingaben für den Innovationspreis 2016.