Musikalisches Kribbeln auf der Haut

TOGGENBURG. Streichmusik in Originalbesetzung ist im Toggenburg rar – tritt aber eine Formation auf, ist ein volles Haus garantiert. Dies ist auch zum 50. Geburtstag der Toggenburger Striichmusig am Ostermontag so, das Konzert im Seegüetli ist bereits ausgebucht.

Adi Lippuner
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Toggenburger Striichmusig-Auftritt im «Rössli»-Saal Magdenau 1985: (von links) Vroni Kamm, Hugo Kamm, Samuel Forrer, Niklaus Frei und Willi Ammann bei einem der legendären Tanzabende in den 1980er-Jahren. (Bild: pd)

Toggenburger Striichmusig-Auftritt im «Rössli»-Saal Magdenau 1985: (von links) Vroni Kamm, Hugo Kamm, Samuel Forrer, Niklaus Frei und Willi Ammann bei einem der legendären Tanzabende in den 1980er-Jahren. (Bild: pd)

Hackbrett, zwei Geigen Cello und Contrabass sind die Instrumente, welche zur Originalbesetzung einer Streichmusik gehören. Und genau in dieser Besetzung spielt die Toggenburger Striichmusig, wenn während der vergangenen 50 Jahre auch mit verschiedenen Musikanten. Aktuell sind Vroni Kamm (Hackbrett), Susanne Bolt und Willi Kamm (Geige), Niklaus Frei (Cello) und Moritz Büchel (Bass).

Brunch ausverkauft

Am Geburtstagsfest am Ostermontag sind sämtliche «Ehemaligen» mit dabei – und dies ist, wie bei einem Gespräch mit Vroni und Hugo Kamm zu erfahren war, eine stattliche Anzahl. Gespielt wird Musik, die «Kribbeln auf der Haut auslöst», wie Peter Roth in den «Toggenburger Annalen» von 1983 schreibt. Schon seit einigen Jahren bereichert die Toggenburger Striichmusig den «Seegüetli»-Brunch am Ostermontag. «Sämtliche verfügbaren Plätze sind bereits ausgebucht», so Peter Roth. «Auch für das Geburtstagsfest am Nachmittag sind leider keine Plätze mehr verfügbar.»

Peter Roth als «Geburtshelfer»

Dass die Formation ihren 50. Geburtstag feiern kann, ist gemäss Vroni und Hugo Kamm Peter Roth zuzuschreiben. «Wäre er nicht als junger Lehrer in den Nesslauer Büel gekommen, würden wir heute nicht zusammenspielen.» Dank der Begegnung von Peter Roth und Willi Ammann, dem Vater von Vroni Kamm, erlebte die Streichmusik einen neuen Aufschwung. Vroni Kamm-Ammann erinnert sich: «Eines Morgens hörte ich ab unserem Tonband im Elternhaus Musik, die mich sofort in ihren Bann zog.» Es habe sich um Aufnahmen gehandelt, welche spätabends entstanden sind. Und Peter Roth schreibt dazu in den «Toggenburger Annalen: «Im Ackerhus lernte ich Willi Ammann vom Brandholz kennen. Er begeisterte sich schnell und gründlich für diese Musik und lernte gleich Hackbrett, Kontrabass und Cello spielen.» Begonnen hat das Ganze aber schon 1963: Im Lehrerseminar in Rorschach lernten sich Peter Roth und Hugo Kamm kennen. «Das war der Beginn des gemeinsamen Musizierens, welches dann im Toggenburg seine Fortsetzung fand.» Im Laufe der fünf Jahrzehnte haben verschiedene Musikanten bei der Toggenburger Streichmusik mitgespielt. Vroni Kamm erinnert sich an viele interessante Kollegen und Vorbilder. Sie selbst begann mit dem Hackbrettspiel 1966. «Mein Vater hat dieses eigenhändig gebaut.» Dass sie dann eines Tages anstelle von Peter Roth in der Formation mitspielte und dabei ihren späteren Mann Hugo Kamm kennen lernte, bezeichnen beide als «glückliche Fügung.» Heute ist es bereits die junge Generation, welche als «Brandhölzler» in der Streichmusikszene Furore macht. «Unsere Tochter Barbara hat diese Formation zusammen mit Gleichgesinnten gegründet. Es ist für uns Eltern ein gutes Gefühl, miterleben zu dürfen, wie die Jungen die traditionellen Melodien aus eigenem Antrieb und mit grosser Begeisterung spielen», so Hugo und Vroni Kamm.

Blick auf glanzvolle Zeiten

Beim Blättern in den Erinnerungen kommen Bilder aus den Jahren 1985/86 zum Vorschein. «Damals haben wir im Rössli Magdenau eigene Tanzabende durchgeführt. Der Jugendstil-Saal bot den passenden Rahmen für diese Anlässe», so Vroni Kamm. Dann holt sie alte Plakate aus der Schublade und zeigt Fotos von damaligen Auftritten.

Wechselnde Pächter und veränderte Gewohnheiten führten dazu, diese Anlässe nicht mehr zu organisieren. «Aber wer weiss, vielleicht schaffen wir es wieder einmal, im Rössli-Saal einen Abend zu gestalten», lassen Vroni und Hugo Kamm die Zukunftspläne offen. «Wir treten nicht mehr so oft auf, vielmehr überlassen wir dies den Jungen, die als <Brandhölzler> erfolgreich unterwegs sind.»

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