Musikalische Glanzlichter aufgesetzt

Stehender Applaus am Neujahrskonzert in Oberegg: Die Ungarische Kammerphilharmonie unter Leitung von Antal Barnás und der Organist László Deák sorgten für Begeisterung.

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OBEREGG. Das 25köpfige Orchester aus Budapest, 1999 gegründet, machte in Oberegg Station als Auftakt zu seiner Europatournée, die sechzehn Destinationen anläuft. Einzig in Oberegg war die Zusammenarbeit mit dem Organisten gegeben, denn diese Konzertreihe orientiert sich am Leitmotiv «Orgel plus». László Deák opferte seinen Silvester für die Zugsreise mit dem Ziel, die Kuhn-Orgel auch wirklich ausschöpfen zu können. Das Orchester setzte sich am Neujahrsmorgen um 1.30 Uhr in den Reisecar, um rechtzeitig zur gemeinsamen Probe zu erscheinen. Der Aufwand sollte sich lohnen, wie schnell hörbar wurde.

Spannend und genussvoll

Geboten wurde ein vielfältiges und äusserst spannendes Programm, das mit Georg Friedrich Händels Orgelkonzert op. 7 Nr. 1 begann. Deák wartete auf mit einer angenehm warmen Registrierung, die in Zwiesprache mit den Streichern perfekt zur Geltung kam. Mit Präludium und Fuge auf «B-A-C-H» von Franz Liszt legte er ein solistisches Paradestück vor, das keine Wünsche offen liess. Auch Duprés «Prélude et fugue en SOL mineur» geriet zum Ohrenschmaus. Besonders reizvoll entwickelten sich drei Sätze aus der Bagatelle op. 47 von Antonín Dvorák, die der Organist gemeinsam mit zwei Geigen und Cello interpretierte. Man meinte warme Sommerwinde auf der Haut zu spüren und durfte schwelgen in wechselnden Stimmungen, die uns Appenzellern vertraut sind: Wehmut, Sehnsucht und überschwengliche Fröhlichkeit, die sich am liebsten im Tanz Bahn brechen würde.

Beschwingt ins neue Jahr

Das Orchester, bestehend aus einer Fraktion der führenden Orchester Budapests, tat sich im klassischen Teil mit dem ersten Satz aus «Eine kleine Nachtmusik» von Wolfgang Amadeus Mozart hervor. Schon hier wurde offenbar, weshalb dem Dirigenten schon 1999 der «Prix de Perfectionnement» zugesprochen wurde. Das Ensemble bestritt den heiter-beschwingten Schlussteil des Programms, der wie ein Wiener Neujahrskonzert daherkam, schwungvoll und auch mit Eleganz. Es brillierte mit Walzern und Polkas von Carl Michael Ziehrer und Josef Strauss. Der beliebte Donauwalzer von Johann Baptist Strauss (Sohn), als Schlusspunkt im Programm notiert, erwies sich zwar als einer der Höhepunkte des Abends, bildete aber erst den Start ins Finale. Denn das Publikum war gebeten worden, erst am Schluss des Konzerts zu applaudieren, was es nun mit sichtlicher Begeisterung tat. Gegeben wurden drei Zugaben, wovon der Csárdás von Vittorio Monti, auf der Violine meisterhaft interpretiert vom Konzertmeister, lauten Jubel provozierte. (rr)