Musik aus dem Moment

Die Herisauer Saxophonistin Charlotte Weniger liebt Genre-übergreifende Projekte. Am Freitag musiziert sie mit ihrem Trio SpielTriebEast und dem Schriftsteller Florian Vetsch.

Julia Nehmiz
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Jazzige Improvisationen: Die Saxophonistin Charlotte Weniger verwandelt Texte in Musik. (Bild: pd)

Jazzige Improvisationen: Die Saxophonistin Charlotte Weniger verwandelt Texte in Musik. (Bild: pd)

HERISAU. «Der Text wird Musik, und aus Musik wird ein Text», sagt Charlotte Weniger. Für Laien klingt das erstmal kompliziert. Für die Saxophonistin ist es die beste Art, Musik zu machen. «Die Dimensionen befruchten sich gegenseitig», sagt sie. Genre-übergreifend zu spielen, sei inspirierend.

Am Freitag wird sie mit ihrem Trio SpielTriebEast die Texte von Florian Vetsch in Musik verwandeln. Und Florian Vetsch wird die Musik in Worte kleiden. Alles improvisiert – Improvisation kann kaputt-geprobt werden. Das sei vielleicht ein Widerspruch, sagt die Musikerin, «aber wenn für eine Aufführung zu viel eingrenzend geübt wird, ist das Spiel nicht mehr frei».

Liebe auf den ersten Ton

Und genau um diese Freiheit im Spielen geht es ihr. Zwar hätten die Musiker und der Autor gewisse Anhaltspunkte, etwa wann Vetsch allein lese oder dass er Gedichte rezitiere. «Wir kennen die Art und Weise der Poesie», sagt Weniger, «wissen aber nicht, wann er welches Gedicht vortragen wird.»

Als sich die drei Musiker und Florian Vetsch zum ersten Mal zu einer Improvisation zu viert getroffen haben, «hat es einfach gepasst». Vetsch habe mit Texten musiziert, gespielt mit Worten und Stimme. «Es war Liebe auf den ersten Ton, aufs erste Wort», sagt Weniger.

Beim zweiten Treffen von Charlotte Weniger (Saxophon, Perkussion), Stefan Wyler (Trompete, Flügelhorn, Stimme, Perkussion) und Martin Müller (Gitarren, Toys) mit Florian Vetsch funktionierte es genau so gut – da wussten sie, «das klappt auch in der Vorstellung».

Jazzig, bluesig, groovig

Die Musik des Trios sei jazzig, bluesig, rhythmisch, manchmal wie Filmmusik, manchmal experimentell, dann wieder groovig. «Sie passt gut zu anderen Genres, da sie nicht fixiert ist, sondern offen», sagt Weniger.

Die meisten Kompositionen des Trios kommen von ihr. Inspiration findet die 48-Jährige oft in ihrer Umgebung, beim Reisen, Wandern, Velofahren. Plötzlich ist dann eine Melodie im Kopf, die sie schnell in ein Aufnahmegerät singt. Manchmal wird daraus sofort eine Komposition, manchmal lagert die Idee monatelang in ihrer «Melodienschublade».

Das freie Improvisieren mit ihrem Trio fasziniert sie, das Aufeinanderhören. Die totale Hingabe an den Moment. «Es ist spannend, wie Musik entsteht», sagt sie, welche Energie es dafür braucht, und welche Energie dabei freigesetzt wird.

Der Improvisations-Auftritt am Freitag «wird vorhersehbar gut», sagt Weniger verschmitzt. Schliesslich habe es zweimal bestens funktioniert.