Museum der anderen Art erweitert

Das Projekt «Jahrhundert der Zellweger» ist mit der vierten Hörspur bereichert worden. Sie ist dem Thema «Textilhandel und Religion» gewidmet und ergänzt die bereits vorhandene breite multimediale Ausstellung. Der Hörrundgang führt in die Kirche und ins Gemeindehaus.

Monika Egli
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Im Textilfoyer im Gemeindehaus ist ein Kleid von Ursula Wolf-Zellweger ausgestellt. (Bild: eg)

Im Textilfoyer im Gemeindehaus ist ein Kleid von Ursula Wolf-Zellweger ausgestellt. (Bild: eg)

TROGEN. Die Kirche Trogen war am Mittwochabend voll besetzt, als die vierte Hörspur zum «Jahrhundert der Zellweger» mit einem ansprechenden Rahmenprogramm eröffnet wurde. Eingeladen hatten die Projektgruppe mit Kantonsbibliothekarin Heidi Eisenhut, Karin Bucher, Matthias Kuhn und Jens Weber sowie die Kronengesellschaft, vertreten durch den Präsidenten Alex Zahner.

«Museum, das nicht steht»

Projektgruppenmitglied Jens Weber erinnerte daran, dass die Idee zum «Jahrhundert der Zellweger» vor rund vier Jahren aus dem Vorhaben des Gemeinderats entstanden war, das touristische Potenzial von Trogen besser auszuschöpfen. Er und Heidi Eisenhut entwickelten ein erstes Projekt, das sich um Menschen und Häuser drehen sollte. Zusammen mit den weiteren Gruppenmitgliedern entstand so «ein Museum, das nicht steht, aber trotzdem vorhanden ist». Am Mittwoch wurde mit der vierten Hörspur sozusagen ein weiterer «Anbau» an dieses Museum eröffnet. Er ist dem Thema «Textilhandel und Religion» gewidmet. Mit dem eigenen Smartphone oder einem mp3-Player (der auch ausgeliehen wird) kann sich jedermann individuell über die Geschichte rund um die Zellwegerdynastie, ihre Paläste am Landsgemeindeplatz, aber auch ihr Engagement in Politik, Bildung und Kultur informieren. Man lernt dabei aber auch viel über den ganz normalen Alltag im 18. Jahrhundert kennen, über die Heimarbeiterinnen, Weber und Sticker, die mit ihrer Arbeit den Textilhandel der Zellwegers überhaupt erst ermöglicht hatten. Nebst den Einführungsworten oblag Jens Weber die musikalische Umrahmung des Anlasses. Der ausgebildete Tenor sang Kirchenlieder aus jener Zeit, begleitet an der Orgel von Hermann Hohl.

Chorgemälde mit Dame

Dass der offizielle Teil des Anlasses in der Kirche stattfand, hat mit dem Chorgemälde ebenda zu tun, wie Heidi Eisenhut erklärte. Es zeigt als Mittelpunkt Gott, umgeben von den ihm zugewandten vier Erdteilen Asien, Amerika, Europa und Afrika. Es zeigt Menschen, die etwas näher, und andere, die etwas weiter von ihm entfernt sind. Eine zentrale Figur ist Ursula Wolf-Zellweger, Tochter des Johannes Zellweger-Sulser. Sie war es, welche die zu jener Zeit unüblichen Deckengemälde stiftete. Dass sie sich dabei selber auffallend abbilden liess, habe mit dem Selbstverständnis der Familie Zellweger zu tun, wie Heidi Eisenhut ihren Eindruck dazu darlegte. Wer zu jener Zeit privilegiert war, sah sich gleichzeitig in der Pflicht, sich für die Öffentlichkeit zu engagieren. Und nicht nur die Männer der Familie Zellweger, sondern auch Frauen wie Ursula Wolf-Zellweger nahmen diesen gottgegebenen Auftrag wörtlich.

Zum Anschauen und Anfassen

Bevor es ins Obergeschoss des Gemeindehauses ging, wo im neuen Textilfoyer Stoffe, ein Kleid und Bücher die Zeit des Textilhandels im 18. Jahrhundert fassbar machen, wurden in einer Gesprächsrunde in der Kirche Vergleiche gezogen zwischen dem Textilhandel damals und heute. Alex Zahner befragte Heidi Eisenhut, Caspar Auer, Verkaufsleiter bei der Forster Rohner AG, und Samuel Eugster, der mit seiner Produktion von exklusiver Strickmode schon sehr früh auch in und mit China zu geschäften begann. Fazit: Während sich zum Teil faszinierende Parallelen ziehen lassen, haben sich andere Sitten und Bräuche grundlegend verändert.