Vielen Dank für Ihre Registrierung. Sie haben jetzt den Aktivierungslink für Ihr Benutzerkonto per E-Mail erhalten.

Vielen Dank für Ihre Anmeldung.

Ihr Konto ist aktiviert. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

Vielen Dank für Ihre Bestellung. Wir wünschen Ihnen viel Lesevergnügen.

MUNDART: Wenn «de Hopme förbt»

Der Appenzeller Dialekt verbindet und trennt gleichzeitig. Seine Bedeutung nimmt im Vergleich zu früher aus mehreren Gründen ab. Schuld daran sind die Zuzüger.
Jesko Calderara
Besonders ausgeprägt ist der Innerrhoder Dialekt. (Bild: Benjamin Manser)

Besonders ausgeprägt ist der Innerrhoder Dialekt. (Bild: Benjamin Manser)

Jesko Calderara

jesko.calderara@appenzellerzeitung.ch

Rund 100 000 Personen sind in irgendeiner Weise mit dem Appenzeller Dialekt verbunden. Einerseits sind das jene, die in Ausserrhoden und Innerrhoden leben. Zu dieser Gruppe zählen anderseits auch Appenzeller, die in der übrigen Schweiz wohnhaft sind. Die Frage, was dieser Dialekt auszeichnet, lässt sich nicht ganz einfach beantworten. Eine Besonderheit ist aber sein Wortschatz und die gesenkte Aussprache wie Lende (Linde), Zees (Zins) oder Sònn (Sonne). Typische appenzellische Einzelwörter sind beispielsweise Hopme (Hauptmann), förbe (wischen) und gad (gerade). «Ich bin mir nicht sicher, ob der Appenzeller Dialekt heute noch verbindend ist», sagt der Urnäscher Brauchtums­kenner Hans Hürlemann. Am ausgeprägtesten sei er noch in ­Innerrhoden. Der Ausserrhoder Dialekt hingegen ist auf dem Rückzug. Für Hürlemann hat dies verschiedene Gründe. Er erwähnt die generell abnehmende Verbundenheit mit dem Ort. Selbst die Jungen, welche hier aufgewachsen seien, würden nicht mehr automatisch den Dialekt sprechen, sagt Hürlemann. «Es hängt stark von ihrem Umfeld ab.»

Der Kurzenberger Dialekt stirbt aus

Eine Rolle spielt in diesem Zusammenhang die steigende Mobilität. So arbeiten viele Ausser­rhoder im Nachbarkanton St. Gallen. Hans Hürlemann stellte aber auch einen Gegentrend fest. Das Interesse an Dialekten und entsprechenden Büchern steige, sagt er. Früher spielten die regionalen Mundarten eine grössere Rolle. Im Gegensatz zu heute waren die Leute sesshaft. Oftmals verriet ihre Sprache die Herkunft. Dazumal wurden die Unterschiede der Dialekte noch stärker gelebt. Die grössten Gemeinsamkeiten gibt es zwischen dem Mittelländer und dem Hinterländer Dialekt.

Die Bedeutung der einzelnen Appenzeller Dialekte nimmt allerdings immer mehr ab. Besonders stark vom Aussterben bedroht ist das Kurzenbergerische. Typisch für diesen Dialekt ist der meist lang gezogene Vokal A (Beispiele siehe unten). Ein weiteres Merkmal ist der kehlige Konsonant K (Kuchi statt ­Chochi). Gesprochen wird der Dialekt in Teilen des Vorderlands. Historisch bilden die Gemeinden Heiden, Wolfhalden und Lutzenberg/Wienacht den Kurzenberg. Bis 1652 gehörten sie zum Hof Thal. Eine sprach­liche Verwandtschaft gibt es ­zwischen dem Kurzenberg und Reute, Walzenhausen und Oberegg (ohne St. Anton).

Als Grund für den zunehmenden Verlust des Kurzenberger Dialekts nennt der Lokalhistoriker und Autor Peter Eggenberger das kleine Gebiet. Eine sprach­liche Vermischung habe es wie überall mit den Zuzügern gegeben. Einfluss hat zudem laut ­Eggenberger die Offenheit zum Rheintal, wohin viele Vorderländer orientiert sind.

Früher hingegen war der Kurzenberger Dialekt identitätsstiftend. Anhand der Sprache habe man erkannt, aus welcher Gemeinde oder gar aus welchem Weiler jemand stamme, sagt ­Eggenberger. Speziell war die ­Situation in Heiden. Mit der politischen und kirchlichen Selbstständigkeit ab 1652 orientierte sich der Vorderländer Bezirkshauptort vermehrt gegen das innere Appenzellerland, nach Trogen. Dadurch konnte sich der Kurzenberger Dialekt nur noch unterhalb des Bahnhofs, Richtung Thal, halten.

Quelle

Appenzeller Sprachbuch, Der Appen­zeller Dialekt in seiner Vielfalt, Stefan Sonderegger und Thomas Gadmer.

Merkliste

Hier speichern Sie interessante Artikel, um sie später zu lesen.

  • Legen Sie Ihr persönliches Archiv an.
  • Finden Sie gespeicherte Artikel schnell und einfach.
  • Lesen Sie Ihre Artikel auf allen Geräten.