«Mundart ist meine Sprache»

Urs M. Hemm und Anina Rütsche
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Marc Trauffer bringt seine Musik – eine Mischung aus Rock, Pop, Schlager und Ländler – vom Berner Oberland ins Toggenburg. (Bild: Ralph Ribi (St. Gallen, 8. November 2016))

Marc Trauffer bringt seine Musik – eine Mischung aus Rock, Pop, Schlager und Ländler – vom Berner Oberland ins Toggenburg. (Bild: Ralph Ribi (St. Gallen, 8. November 2016))

Alpentainer Der Mundartsänger und Musiker Marc Trauffer kommt ins Toggenburg: Am Samstag tritt er im Rahmen seiner Tournee in der Markthalle in Wattwil auf. Es ist nicht sein erster Besuch im Toggenburg.

Interview: Urs M. Hemm und Anina Rütsche

Er ist eine Erfolgsgeschichte für sich, der Musiker Marc Trauffer aus Brienz im Berner Oberland. Mit seinem aktuellen Album «Heiterefahne» verdrängte er Weltstars wie Adele, Rihanna und Coldplay vom Hitparaden-Podest. In Rekordzeit erreichte Trauffer Gold- und Platinstatus. Seine Tournee führt den 37-Jährigen und seine Band demnächst ins Toggenburg. Die Truppe tritt diesen Samstag, 26. November, an der Dirndl- und Lederhosenparty in der Markthalle Toggenburg auf. Das Konzert ist längst ausverkauft.

Marc Trauffer, bald stehen Sie in Wattwil auf der Bühne. Waren Sie zuvor schon einmal in der Gegend?

Aber sicher! Im Sommer bin ich am Schlager-Open-Air in Wildhaus aufgetreten. Und bei Nöldi Forrer in Stein war ich auch schon einmal, dies im Rahmen einer Kochsendung fürs Schweizer Radio und Fernsehen.

Welchen Eindruck haben Sie von den Menschen im Toggenburg?

Die Toggenburger habe ich als unglaublich gutes Publikum erlebt. Von der Art her sind sie uns Berner Oberländern sehr ähnlich: in den Bergen verwurzelt, bodenständig, heimatliebend. Nur der Dialekt ist halt ein bisschen anders.

Das Konzert in der Markthalle in Wattwil ist Teil Ihrer Tournee mit Liedern aus dem neusten Album «Heiterefahne», das mit Platin ausgezeichnet wurde. Was bedeutet Ihnen dieser Erfolg?

Es wäre gelogen, wenn ich sagen würde, dass es mir nichts bedeutet. Im Gegenteil. Ich mache seit vielen Jahren Musik, ich arbeite hart dafür. Doch das, was mir im Moment passiert, ist etwas Besonderes. Wohin ich auch gehe: In jedem Zipfel der Deutschschweiz kennen die Leute meine Texte auswendig und singen Wort für Wort mit. Das ist nicht selbstverständlich. Es fühlt sich super an.

Schreiben Sie die Texte und Melodien selber?

Ich bin bei jedem Song beteiligt, ja. Sehr viele Ideen und Fragmente stammen von mir. Es ist mir jedoch nicht so wichtig, dass überall mein Name drunter steht. Lieber arbeite ich im Team. Wenn mehrere Leute beteiligt sind, kann man das Werk viel breiter abstützen.

Was ist beim Entstehungsprozess zuerst da: der Text oder die Melodie?

Das ist unterschiedlich. Manchmal ist es eine Idee oder Begebenheit, die mich inspiriert. Daraus entsteht dann eine Geschichte. Und manchmal kommt einer der Produzenten mit einem fast fertigen Song zu mir, zu dem es noch keinen Text gibt. Es passiert einfach, wie es passiert.

Und wie kommen Sie zu den vielen Ideen, die Sie in Ihren Liedtexten verarbeiten?

Indem ich stets mit offenen Augen durchs Leben gehe. Hinter jedem Baum versteckt sich eine Idee – man muss sich nur umschauen und sie entdecken. Meine Ideen entstehen auch oft aufgrund von Begegnungen mit anderen Menschen. Oder durch die Unterschiede des Lebens auf dem Land und in der Stadt. Vieles, das in meinen Songs vorkommt, ist direkt aus dem Alltag herausgegriffen.

Welche musikalischen Vorbilder haben Sie?

Eines meiner Idole war und ist Peter Reber. Seine Lieder haben meine Kindheit geprägt, weil meine Mutter ein Fan von ihm war. Später habe ich Polo Hofer für mich entdeckt.

Sie waren also schon früh in der Mundartsparte daheim.

Ja, ich kann halt nicht so gut Englisch, also bleibt mir kaum etwas anderes übrig . Mit Musik, die ich verstehe, kann ich am meisten anfangen. Ich rede in Mundart, ich denke in Mundart, ich träume in Mundart – das ist meine Sprache, da fühle ich mich daheim und wohl. Es ist also naheliegend, dass ich meine Texte in Berndeutsch formuliere. Warum sollte ich englische Songs schreiben? Auf Englisch habe ich keine Gefühle. Meine Gefühle sind allesamt in Mundart. So kann ich mich am ehrlichsten und besten ausdrücken.

Neben Ihrer Tätigkeit als Sänger und Musiker sind Sie Firmeninhaber der Trauffer Holzspielwaren AG. Wie lassen sich diese Aufgaben miteinander vereinbaren?

Man darf nicht vergessen: Die zwei Tätigkeiten sind einander sehr ähnlich. Das Ziel besteht sowohl bei der Musik als auch bei den Spielwaren darin, den Leuten ein Lachen ins Gesicht zu zaubern. Das ist Unterhaltung, ich möchte den Menschen eine Freude bereiten.

Inwiefern unterscheidet sich eigentlich die Privatperson Marc Trauffer vom Alpen­tainer?

Zum Glück konnte und kann ich immer ich selber sein. Es gibt hier kaum einen Unterschied. Aber wenn wir auf der Bühne stehen, dann wollen wir eine Show bieten.

Wie sieht bei Ihnen ein typischer Tagesablauf aus?

Von Montag bis Donnerstag habe ich normale Arbeitstage als Chef der Trauffer Holzspielwaren AG. Auch am Freitagmorgen bin ich in der Firma. Am Freitagmittag gehe ich nach Hause. Dort esse ich ganz viel Pasta und packe meine Sachen. Danach werde ich abgeholt, und man fährt dorthin, wo am Abend das Konzert stattfindet. Nach dem Soundcheck geht das ganze Team gemeinsam essen. Kurz bevor die Show losgeht, trinke ich mit der Band einen Alpenbitter. Etwa um 1 Uhr – nach der Autogrammstunde und einer Menge Fan-Selfies – ist Feierabend. Wenn möglich, fahre ich dann nach Hause. Am Samstag steht bei mir wiederum die Musik im Zentrum. Ruhige Momente gibt es bei mir derzeit kaum, aber das habe ich mir selber eingebrockt.

Sie sind oft unterwegs – was bedeutet Ihnen Heimat?

Heimat ist für mich, wo ­meine Familie ist, wo mein Geschäft ist, wo meine Mitarbeiter sind – also in Brienz. Ich bin gerne fort, auch im Ausland. Doch ich komme am liebsten zurück an den Ort, an dem ich aufgewachsen bin.

Samstag, 26. November, Markthalle Toggenburg Wattwil: Türöffnung um 18.30 Uhr, Beginn um 20 Uhr. Das Konzert ist ausverkauft.