Multifunktionales Gebäude

Rund ums und im Haus «Buherre Hanisefs» in Appenzell ist am Samstag viel geboten worden. Seit zwanzig Jahren beheimatet das Haus unter anderem das Landesarchiv und die Tourist-Information.

Rosalie Manser
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«Buherre Hanisefs» dient seit zwanzig Jahren als Kulturzentrum. (Bild: rom)

«Buherre Hanisefs» dient seit zwanzig Jahren als Kulturzentrum. (Bild: rom)

APPENZELL. Direkt ans Rathaus angebaut findet sich an der Hauptgasse Appenzell das Haus «Buherre Hanisefs». Die Kantons- und die Volksbibliothek, das Landesarchiv und die Tourist-Information sind seit zwanzig Jahren darin zu finden. Sie alle sorgten am Wochenende für ein vielseitiges Programm. Am Freitag war die Glarner Autorin Eveline Hasler im Kleinen Ratsaal zu hören. Sie las aus ihrem neusten Werk «Mit dem letzten Schiff». Der Samstag stand im Zeichen von Feiern, Verweilen, Zuhören, Schauen, Staunen, Spielen, Ausprobieren und Raten. So waren beispielsweise Märchen aus aller Welt zu hören oder es wurden Führungen durch die Kantonsbibliothek, das Landesarchiv oder das Museum und dessen Depot angeboten. Die Ludothek ist zwar nicht im «Buherre Hanisefs» untergebracht, beteiligte sich aber dennoch an den Jubiläumsfeierlichkeiten.

Viele verschiedene Zwecke

Das Haus oder vielmehr der Gebäudekomplex «Buherre Hanisefs» hat eine lange und ereignisreiche Geschichte vorzuweisen. Die heutige Bezeichnung hat das Haus dem ehemaligen Besitzer und Bäckermeister Johann Joseph Broger zu verdanken, dessen Vater Joseph Anton Broger Innerrhoder Bauherr war. Im 18. Jahrhundert diente das Gebäude als staatliches Lagerhaus. Am heutigen Standort des «Buherre Hanisefs» befand sich im 16. Jahrhundert sogar ein sogenanntes «Siechenstöbli». In einem separaten Raum in Kirchennähe konnte so den Todeskandidaten separat die Messe gelesen oder wenigstens die Kommunion gereicht werden. 1594 wurde die heutige Lourdeskapelle (beim Hallenbad) für die Kranken fertiggestellt und somit hatte das «Siechenstöbli» ausgedient. Von 1832 bis 1988 wurde im «Buherre Hanisefs» eine Bäckerei betrieben und von 1932 bis 1978 war auch eine Filiale der Ladenkette «Merkur» im Gebäudekomplex untergebracht. Der Enkel von Johann Josef Broger, ein Apotheker in Schaffhausen, verkaufte das Haus 1970 dem Kanton Appenzell Innerrhoden.

Frauen entschieden mit

Der multifunktionale Charakter des Hauses blieb auch nach dem umfangreichen Umbau von 1991 bis 1995 erhalten. Über den 8,5-Millionen-Kredit der besagten Sanierung, die auch das angebaute Rathaus und die Neuschaffung von Kellergeschossen unter dem Kirchen- und Kanzleiplatz beinhaltete, wurde an der denkwürdigen Landsgemeinde von 1991 befunden. Damals waren erstmals die Frauen im Ring dabei. 1990 hatte die Landsgemeinde das Vorhaben eines Kulturzentrums im Haus «Buherre Hanisefs» noch abgelehnt. Ein Jahr später wurde das Geschäft nahezu unverändert ein zweites Mal dem Volk zur Abstimmung vorgelegt und angenommen. 1994 erhielt damit der Verein Volksbibliothek Appenzell zehn Jahre nach dessen Gründung, mit dem Einzug in das «Buherre Hanisefs» endlich ein Dach über dem Kopf. «Lange Zeit wurde nach dem idealsten Standort Ausschau gehalten, bis schliesslich das Kulturzentrum zu Stande kam. Heute sind die Platzverhältnisse im 'Buherre Hanisefs' aber auch schon wieder äusserst eng», hält die Leiterin der Volksbibliothek, Beatrice Fässler, fest.

Quelle: Festschrift «Umbau und Renovation Rathaus und Buherre Hanisefs»

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